Herausforderungen im Reporting – Standardisierung, Flexibilität und Interaktivität verbinden

Die Finanzkrise hat viele Anleger hinsichtlich der möglichen Risiken in ihrem Portfolio sensibilisiert. Insbesondere die institutionellen Investoren möchten heute viel mehr Transparenz darüber haben, welche Risiken ihre Allokation birgt. Dabei wünschen sich viele, ihre Auswertungen spezifisch auf den gewünschten Fokus flexibel und individuell anpassen zu können.

Redaktion FondsTrends: Wie sehen Sie die Entwicklung und den Stellenwert von Kommunikation und Reporting im Bereich der Vermögensverwaltung und des Fonds Managements?

Filip Karst: Die Asset Management- und Fonds-Branche muss sich hier aus meiner Sicht der nächsten Stufe der Industrialisierung stellen. Neben der flexiblen Produktgestaltung für den Kunden und der positiv beantworteten Requests for Proposal (RFPs), werden im Bereich der Kundeninformation und des Berichtswesens immer höhere Anforderungen an Ausführlichkeit und Transparenz bei gleichzeitig sinkenden Margen gestellt. Mit dem T-Modell in der Farbe schwarz kann man sich im Reporting von der Konkurrenz nicht nur kaum abheben, sondern noch weniger dem Kunden die für ihn maßgeschneiderte Leistung glaubwürdig „verkaufen“. Stefan Schneider, Vorstand der Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft S.A., schätzt das Reporting in einem Artikel des Magazins Fonds professionell als drittwichtigstes Kriterium ein, das nach den beiden Themen Pricing und Dienstleistungsumfang bei der Auswahl einer Kapitalverwaltungsgesellschaft eine Rolle spielt.

Redaktion FondsTrends: Was bedeutet das aus Ihrer Sicht konkret und wo sehen Sie die wichtigsten Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten?

Filip Karst: Meines Erachtens bewegt man sich hier im Spannungsfeld der teilweise konkurrierenden Ziele Standardisierung, Flexibilität und Interaktivität.

Mithilfe der Standardisierung versucht man gleichgeartete Aufgaben und Probleme so zu lösen, dass die Entropie möglichst gering gehalten wird und damit auch die Komplexität. Die Maßnahmen können hier vielfältig sein; beginnend mit Methoden und Konzepten, über Formate bis hin zum standardisierten Einsatz von Werkzeugen. Letztendlich geht es darum, Effizienz zu steigern und Kosten möglichst zu reduzieren.

Daneben erwarten Kunden heute nicht mehr nur das eigene Logo auf dem Report. Sie möchten neben dem stimmigen Corporate Design auch Kennzahlen, Gliederungen, Klassifikationen und Formate nach eigenen Vorstellungen im Bericht wiederfinden. Deshalb muss entsprechende Flexibilität und Erweiterbarkeit hinsichtlich der Darstellung, des Datenhaushaltes und der Berechnungen gegeben sein.

Und schließlich zur Interaktivität: Nicht jeder benötigt ein Ad-hoc-Reporting-Werkzeug, mit dem er sich einen Report auf der grünen Wiese zusammenstellen kann. Ganz ehrlich? Viele wollen dies gar nicht oder wären damit gar überfordert. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass ein gewisses Maß an Interaktivität und Benutzerführung heute häufig wünschenswert wäre und in Zukunft unverzichtbar sein wird. Ähnlich wie die Liste oder Tabelle für viele Sachverhalte die adäquateste Darstellungsform bleiben wird, werden Operationen wie Suchen, Filtern, Sortieren oder Gruppieren auf einer Vermögensaufstellung eines Portfolios oder einer Transaktionsliste ebenso selbstverständlich sein, wie auf Kontobewegungen im privaten Online Banking.

„Um die Forderungen der Anleger nach möglichst hoher Aktualität, Flexibilität und mehr Transparenz zu erfüllen, werden interaktive und leicht zu bedienende Portale viele statische Berichte ablösen – ganz nach dem Prinzip Form follows function.“

Zitat Filip Karst

Redaktion FondsTrends: Und Ihr Unternehmen versucht mit dem Finventions Investment Portal diesen Herausforderungen gleichermaßen zu begegnen? Welche Erfahrungen haben Sie bisher bei Ihrer Produktentwicklung gemacht?

Filip Karst: Genau daran arbeiten wir. Dabei zeigen unsere Erfahrungen, dass man dafür mindestens vier notwendige Zutaten braucht, um die genannten Anforderungen zu erfüllen.

Zum einen benötigt man ein Investment Data Warehouse – also eine Datenbank, welche alle relevanten Informationen in einer für die Abfrage und Analyse optimierten Form enthält. Dabei ist es wichtig, dass diese Datenbank nicht nur über eine vollständige Historie verfügt, sondern auch individuell um kundenspezifische Strukturen erweiterbar ist. Diese Datenbasis muss über entsprechende Schnittstellen möglichst automatisiert ständig mit neuen Daten versorgt werden und so effizient und zeitnah aktuell gehalten werden.

Daneben gibt es aber immer wieder auch Informationen, welche erst im Rahmen des Berichtserstellungsprozesses entstehen oder nicht vollständig automatisiert verarbeitet werden können. Beispiele hierfür können die Kommentare der Fondsmanager und ihre Übersetzungen in verschiedene Sprachen sein – also Daten, die hier entstehen. Oder es können Korrekturen von Bezeichnungen für das Reporting sein, welche von extern jedoch anders als gewünscht angeliefert werden – wie z.B. Namen von Wertpapieren, Konten, Indizes oder Fonds. Für solche Operationen wird ein Daten Management System benötigt, welches eine bequeme Erfassung und Bearbeitung von Daten ermöglicht. Selbstverständlich müssen dabei die erfassten oder korrigierten Daten einem vollständigen Audit-Trail unterliegen, so dass immer nachvollziehbar ist, wer, wann, was geändert hat und wann welche Information an Dritte weitergegeben wurde. Häufig wird an dieser Stelle auch das 4-Augen-Prinzip mit gesonderter Freigabe gefordert, um manuelle Fehler zu minimieren.

Als Drittes wird ein leistungsfähiges Reporting-Tool-Set benötigt, das alle erforderlichen Darstellungsformen anbietet. Diese Komponente deckt idealerweise die hochauflösende Ausgabe der Auswertungen für den Druck gleichermaßen wie die interaktive Darstellung am Bildschirm ab. Beide Formen gleichzeitig und mit einer sehr guten Qualität im Ergebnis zu erzielen, ist keine leichte Aufgabe. Darüber hinaus gilt es zu bedenken, dass heute eine Vielzahl von Endgeräten zu berücksichtigen ist, die sich in Eigenschaften wie Plattform, Geschwindigkeit, Bedienung/Touch-Gesten und vor allen Dingen auch dem Format signifikant unterscheiden. Erwartet wird, dass der interaktive Report oder die Auswertung am Tablet oder gar Smartphone ebenso gut und einfach zu bedienen ist wie an einer leistungsfähigen Arbeitsstation mit Tastatur, Maus und großem Monitor. Selbstverständlich kann hier des Rätsels Lösung nicht darin liegen, die Inhalte jeweils lediglich zu vergrößern oder zu verkleinern. Flexible Anordnung von Elementen, Inhaltsreduktion zugunsten der Lesbarkeit, sowie Aufteilung und Restrukturierung der visuellen Elemente sind hier mögliche Ansatzpunkte.

Und schließlich die letzte und meines Erachtens mit Abstand die wichtigste Komponente ist ein intuitiv bedienbares und anpassbares Anwendungsgewand, in welchem alle feinen Zutaten zusammengeführt und verbunden werden. Je nach Rolle des Anwenders sollte eine benutzerspezifische Navigation durch die für ihn relevanten Anwendungsfunktionen leiten.

Redaktion FondsTrends: Wagen Sie zum Schluss noch einen persönlichen Ausblick darüber, wie das Portfolio- und Fonds-Reporting in den nächsten Jahren aussehen wird oder aussehen müsste?

Filip Karst: Man merkt ganz deutlich, wie der Wunsch nach Standardisierung und Automatisierung anwächst, um die heutigen Mengengerüste an Daten und Schnittstellen effizient darzustellen. Dabei mündet nicht alles unmittelbar in Wettbewerbsvorteilen oder mehr Geschäft für die Kapitalverwaltungsgesellschaft, sondern es gibt viele „Must-have“-Faktoren, wie zum Beispiel das anwachsende regulatorische Meldewesen. Dort wird man die Vorgaben erfüllen müssen – nicht mehr.

Daneben gibt es jedoch einen weiteren Reporting-Bereich, der aus meiner Sicht einen echten Erfolgsfaktor darstellt und mit dem man sich vom Wettbewerb stark differenzieren kann. Meines Erachtens werden in diesem Umfeld in naher Zukunft die Forderungen nach mehr Mobilität, Flexibilität und Interaktivität seitens der Initiatoren, Investoren und (Vertriebs-) Partner stark zunehmen. Glücklicherweise wurden hier aber bei weitem auch noch nicht alle technologischen Möglichkeiten ausgeschöpft.

10. März 2016

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Autor

Filip Karst

Filip Karst

Filip Karst entwickelt seit über 20 Jahren Software, davon seit über 15 Jahren für die Finanzbranche und seit über 10 Jahren für das Investment Management. Er hat Aufgaben der Bereiche von Retail über Private Banking bis hin zum institutionellen Asset-Management kennengelernt.

Nach langjähriger Erfahrung in Bereichen der Softwareentwicklung, des Produktmanagements, der IT- und Unternehmensberatung, hat Filip Karst die Finventions GmbH gegründet und die Geschäftsführung übernommen.

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