Reporting für institutionelle Anleger

Seit Anfang 2016 müssen Versicherer erstmals Berichte nach Solvency II erstellen und an die Aufsichtsbehörden liefern. Ebbt für die Asset Manager damit der „Regulatorische Tsunami“ endlich ab?

Durch Solvency II und CRR CRD IV (Kapitaladäquanzverordnung und -richtlinie) wurden institutionelle Investoren in den letzten Jahren mit weitreichenden regulatorischen Neuerungen konfrontiert. Weiterführende Informationen zu den Anforderungen finden Sie auch auf unserer Webseite IDS GmbH – Analysis and Reporting Services. Für die Verwalter von institutionellen Investmentportfolios bedeutete dies in der Regel die Erweiterung des Kunden-Reportings um entsprechende Analysen und Berichte.

Seit Anfang 2016 gelten die neuen Regelungen für Versicherer. Ist damit absehbar, dass der „regulatorische Tsunami“ zumindest für das institutionelle Kunden-Reporting nachlässt? Vermutlich nicht. Anlass zu der Einschätzung geben uns die folgenden drei Thesen:

1. Die Umsetzung von Solvency II ist nicht abgeschlossen

Viele Asset Manager haben in den letzten Monaten große Anstrengungen unternommen, um ihren Kunden ein Reporting nach Solvency II zur Verfügung zu stellen. Oft wurden dazu Partikularlösungen geschaffen – mit eigener Datenhaltung, eigenen Prozessen und Methoden. Aber noch immer sind viele Implementierungen nicht abgeschlossen. Ungelöst ist oft auch der Austausch von Fondsinformationen für den Look-Through von Zielfonds. Darüber hinaus muss sich erst noch zeigen, ob die teils unter hohem zeitlichen Druck entwickelten Prozesse den fachlichen und technischen Anforderungen der Versicherer, der Wirtschaftsprüfer und der Aufsichtsbehörden genügen. Falls nicht, müssen dringend neue Lösungen gefunden werden.

2. Die Branche muss sich weiter mit den regulatorischen Anforderungen auseinandersetzen

Der Blick auf den Bankensektor zeigt, dass sich neue Reporting-Anforderungen auch innerhalb bestehender regulatorischer Regime ergeben können. Einige Beispiele: Zum einen fragen Banken vermehrt Cashflow-Reports nach, um ihre Fondsinvestments in das Asset & Liability Management zu integrieren, beispielsweise für die Messung des Zinsänderungsrisikos auf Basis des sog. Baseler Zinsschocks. Zum anderen müssen Banken seit Anfang 2015 die LCR (Liquidity Coverage Ratio) einhalten – zunächst nur zu 60%, aber dieser Wert steigt bis 2019 jährlich um zehn Prozentpunkte. Diese sukzessive Erhöhung wird den Bedarf an lastenfreien hochliquiden Aktiva (HQLA: high-quality liquid assets) anwachsen lassen und Banken dazu verleiten, von ihren Asset Managern Berichte über entsprechende Instrumente in ihren Investmentfonds ein­zu­fordern.

„Bei der Änderung der IORP Richtlinie 2003/41/EG sollen nach Ansicht der EIOPA die Besonderheiten der verschiedenen Durchführungswege von Pensionen in Europa berücksichtigt werden.“

Zitat Thomas Ohlsen

Schon heute zeigt sich, dass sich die regulatorischen Anforderungen für einige Investoren zu Engpässen entwickeln können. Beispiele sind die Erfüllung der Solvenzkapitalanforderungen für einige Lebens­ver­sicherer und der zunehmende Bedarf von Banken an lastenfreien hochliquiden Aktiva (HQLA). Welche Konsequenzen sind daraus für das Management der Investmentportfolios zu erwarten?

Zunächst ist damit zu rechnen, dass regulatorische Normen vermehrt in den Investment-Prozessen beachtet werden müssen – zum Beispiel als zusätzliche Anlagegrenzen, als Mindestquoten für HQLA-Investments oder in Form von SCR-Limits (Solvency Capital Requirements). Als Konsequenz daraus werden diese Normen Eingang in das operative Investment-Controlling finden. Denn die Einhaltung der Guidelines ist zu überwachen und dem Investor nachzuweisen. Und wie soll der Anlageerfolg gegenüber einer Benchmark richtig bewertet werden, wenn das Portfolio zusätzlichen, aus dem regulatorischen Umfeld stammenden Restriktionen zu folgen hat, die für die Benchmark nicht gelten?

3. Regulatorische Begriffe finden Eingang in die Portfoliosteuerung und das Investment-Controlling

Aber auch Solvency II wird weiter für Bewegung sorgen. In 2012 antwortete die EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority) auf den „Call for Advice“ der Europäischen Kommission zur Änderung der IORP (Institutions for Occupational Retirement Provision) Richtlinie 2003/41/EG „über die Tätigkeiten und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung”. Dabei ging es auch um die Frage, ob Solvency II zukünftig auf Pensionsschemata anwendbar sein soll. Dies wurde von der EIOPA im Grundsatz bejaht; dabei sollen aber die Besonderheiten der verschiedenen Durchführungswege berücksichtigt werden. Bei der Vielzahl der in den Mitgliedsstaaten gebräuchlichen Methoden ist damit zu rechnen, dass auch die Anforderungen der Aufsicht an die Überwachung und damit an das Reporting entsprechend vielfältig sein werden.

„Die Zusammenführung von aufsichtsrechtlichen Normen und operativem Kapitalanlagecontrolling wird viele Asset-Manager vor zusätzliche Herausforderungen stellen.“

Zitat Thomas Ohlsen

Die Zusammenführung von aufsichtsrechtlichen Normen und operativem Kapitalanlage-Controlling wird viele Asset Manager vor technische und methodische Herausforderungen stellen – insbesondere dann, wenn für das Kapitalanlage-Reporting nach Solvency II und CRR CRD IV isolierte Lösungen aufgebaut wurden. Wettbewerbsvorteile lassen sich dann erzielen, wenn es gelingt, entsprechende Anfragen von Kunden schnell und kompetent zu bedienen. Ob Investoren dies tun werden, bleibt abzuwarten – die oben genannten Gründe sprechen unseres Erachtens aber eine deutliche Sprache.

18. April 2016

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Zusammengefasst
  • Implementierung von Solvency II ist noch nicht abgeschlossen
  • Praxistauglichkeit implementierter Solvency II-Lösungen muss sich noch erweisen
  • Aufkommen neuer regulatorischer Anforderungen
  • Neue technische und methodische Herausforderung für Asset Manager
Autor

Thomas Ohlsen

Thomas Ohlsen arbeitet seit rund 20 Jahren im Finanzsektor. Er begann seine Karriere als Unternehmensberater mit ausschließlicher Fokussierung auf den Sektor Finanzdienstleistungen. Danach wechselte er in die Asset-Management-Einheiten großer Banken, bevor er schließlich 2011 zu IDS stieß.

Thomas Ohlsen arbeitet bei IDS in dem Bereich Sales & Account Management und ist für die Kundenakquise und das Kundenmanagement zuständig. Er ist vor allem in den Bereichen regulatorische Berichterstattung und Kundenreporting versiert.

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