Absolute-Return und Multi-Asset: Das Beste aus zwei Welten

Die Schwankungen an den Finanzmärkten haben merklich zugenommen. Da sich die Börsen gleichzeitig weiter in einem Umfeld ohne beziehungsweise negativer Zinsen bewegen, ergeben sich für Investoren zwei Herausforderungen: Erstens gilt es, die Risiken, also die Volatilitäten, zu begrenzen. Zweitens sollten Verluste möglichst vermieden werden, um so zumindest den Erhalt des Vermögens zu gewährleisten.

Sowohl für die Begrenzung der Risiken als auch für die Vermeidung von Verlusten gibt es passende Investmentstrategien. Erfolgreiche Multi-Asset-Fonds schwanken spürbar weniger als die Finanzmärkte insgesamt. Und gute Absolute-Return-Fonds begrenzen wirksam mögliche absolute Verluste. Optimal ist eine Kombination aus beiden Strategien. Das Ergebnis dieser Kombination ist ein Vermögensportfolio, das eine geringe Schwankungsbreite und gleichzeitig eine niedrige Marktabhängigkeit aufweist und so dem risikominimierten Vermögenserhalt dient.

„Angesichts des andauernden Niedrigzinsumfelds müssen Investoren sich andere Risikoprämien erschließen. Wie das Wort Risikoprämie schon vorgibt – ohne Risiko geht es aber nicht. Daher ist parallel ein Risiko-Overlay unerlässlich.“

Zitat Reinhard Pfingsten

Kombination aus beiden Strategien

Die erste Komponente, Multi-Asset-Fonds, stellen gewissermaßen eine Weiterentwicklung herkömmlicher Mischfonds dar. Außer in die traditionellen Anlageklassen Aktien, Anleihen und Barmittel investieren sie auch in Immobilien, Rohstoffe und Währungen. Alpha-Strategien, die auf die gegenüber dem Gesamtmarkt bessere oder schlechtere Wertentwicklung einzelner Wertpapiere setzen, und marktneutrale Ansätze kommen ebenfalls zum Einsatz. Durch diese breite Diversifikation verfolgen Multi-Asset-Fonds das Ziel, heftige Kursausschläge möglichst zu vermeiden. Investoren interpretieren Schwankungen immer als Risiken, was die Beliebtheit von Multi-Asset-Fonds gerade in volatilen Zeiten erklärt.

Der Ertrag dieser Produkte hängt wesentlich davon ab, wie erfolgreich dem Fondsmanagement die richtige Asset Allocation gelingt. Denn erfahrungsgemäß – und mittlerweile auch wissenschaftlich belegt – determiniert die unterschiedliche Gewichtung verschiedener Vermögensklassen einen Großteil der Rendite eines Portfolios. Als zweite Komponente kommen Absolute-Return-Fonds zum Einsatz. Diese gleichen gewissermaßen einem Versprechen. Ziel dieser Produkte ist es, in einem festgelegten Zeitraum – zum Beispiel in ein, zwei oder drei Jahren – eine absolut betrachtet positive Rendite zu erwirtschaften. Dieses Versprechen gilt auch in einem Umfeld fallender Kurse insbesondere an den Aktien- und Rentenmärkten. Häufig verfügen Absolute-Return-Fonds über ein asymmetrisches Rendite-Risiko-Profil, d.h. sie sichern mögliche Kursverluste ab, was allerdings zu Lasten des Ertragspotenzials geht. Auch Absolute-Return-Fonds bauen gleichzeitig auf mehrere Investmentstrategien, die häufig aus dem Hedge-Fonds-Bereich stammen und gleichzeitig auf steigende und fallende Kurse setzen, um sowohl in Hausse- als auch in Baissephasen Erträge zu erzielen. Diese Strategien werden hauptsächlich an den Aktien- und Rentenmärkten mit Derivaten umgesetzt. Andere Ansätze profitieren von alternativen Risikoprämien, die bei bestimmten Volatilitäten, dem Eintreten spezifischer volkswirtschaftlicher Szenarien oder bei einer Auf- oder Abwertung einer Währung vereinnahmt werden. Um eine positive Rendite zu erzielen, kombinieren Absolute-Return-Fonds häufig mehrere alternative Strategien, die untereinander nur eine geringe Korrelation aufweisen. Auch sogenannte Risiko-Overlay-Strategien kommen hier zum Einsatz, die solch asymmetrische Rendite-/Risikoprofile generieren.

Risiken unterschiedlich gemanagt

Das wohl wesentlichste Merkmal, in dem sich Absolute-Return- und Multi-Asset-Fonds unterscheiden, sind die verschiedenen Ansätze, um Risiken zu kontrollieren. Absolute-Return-Fonds verwenden zumeist stringente und fest definierte Risikoparameter. Ob die Finanzmärkte steigen oder fallen, spielt nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle. Multi-Asset-Fonds verfolgen dagegen eine dynamische Allokation der Vermögenswerte. Vereinfacht gesagt gewichten sie in Abschwungphasen risikoärmere Assetklassen wie Staatsanleihen oder Geldmarktpapiere höher. In Zeiten fester Märkte passen sie dann die Gewichtung zugunsten risikoreicherer Vermögenswerte wie Aktien und Rohstoffe nach oben an.

Durch die Kombination der beiden unterschiedlichen Fondstrategien investieren Anleger gewissermaßen in das Beste aus zwei Welten. Über den Multi-Asset-Einsatz erreiche ich eine ganz neue Diversifikation als mit klassischen Modellen und damit auch eine Unabhängigkeit von Aktien und Renten; gleichzeitig sichere ich die von jedem Anleger gewünschten asymmetrischen Profile durch ein Risiko-Overlay aus dem Absolute-Return-Umfeld.

Das macht gerade im aktuellen Umfeld gestiegener Volatilitäten bzw. Risiken Sinn. Denn der Erhalt des liquiden Vermögens basiert maßgeblich auf dem Vermeiden von Verlusten. Daher sollte das Management der Risiken höchste Priorität genießen. Gewährleisten lässt sich das am besten durch den Mix der beiden komplementären Investmentansätze.

25. April 2016

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Autor

Reinhard Pfingsten

Reinhard Pfingsten

Reinhard Pfingsten ist seit 2012 Chief Investment Officer bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. Vom Standort Frankfurt aus verantwortet er die Vermögensverwaltung des Privat- und Unternehmerkundengeschäfts sowie das Asset Management für Institutionelle Kunden und Publikumsfonds. Zuvor leitete er bei Sal. Oppenheim das Portfoliomanagement im Bereich Private Banking und war bei der Commerzbank und bei der Deka-Bank in leitenden Stellungen tätig. Seine Karriere startete er bei der Allianz.

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