Die wichtigsten Trends im Fondsgeschäft

Seit nunmehr fast einem Jahr informiert FondsTrends in qualitativ hochwertigen Beiträgen über die aktuellen Themen und Trends im Fondsgeschäft. Dies umfasst Entwicklungen in der Regulatorik, Facetten der zunehmenden Digitalisierung sowie Anlagetrends und neue Produkte. Die wichtigsten Trends, welche nach wie vor von großer Relevanz sind, haben wir Ihnen nochmals kompakt und mit zielführenden Links zusammengefasst.

Geld & Markt

Brexit: Bei den Suchanfragen in Google über alle Kategorien hinweg liegt der „Brexit“ auf Platz 2, als Suchthema im Themenbereich Finance sogar auf Platz 1. Bisher sind die konkreten Auswirkungen schwer abzuschätzen – klar ist jedoch, dass es Gewinner und Verlierer geben wird. Gesellschaften aus der Eurozone, die einen hohen Exportanteil in Regionen außerhalb Großbritanniens oder ein Geschäftsmodell mit einem stabilen Cash-Flow in ihrem Heimatmarkt haben, werden profitieren. Genauso wie Unternehmen mit einem starken Exportanteil nach UK oder einem hohen Konsumanteil in UK eher leiden werden. Auch für den Arbeitsmarkt wird der Brexit Folgen haben. In jedem Fall scheint das Referendum ein Signal an die handelnden Personen zu sein, Bürokratie abzubauen und Abstimmungsprozesse zu vereinfachen. Davon würde der europaweite Handel profitieren.

Suchbegriffe 2016 Region Luxemburg, Quelle: Google Trends

China: Das „Reich der Mitte“ beschleunigt die Öffnung für Offshore-Investitionen. Der Vertriebskanal von europäischen Asset-Managern nach Festland-China wird immer breiter. Schon heute können sie über Hong Kong gemanagte Fonds in Festland-China vertreiben. Zukünftig wird das Vertriebsrecht sogar europäische Investmentfonds an qualifizierte Privatanleger in den ersten Pilotstädten umfassen. Die mit China verbundenen Chancen versucht insbesondere auch Luxemburg zu nutzen. Als größter Fondsstandort Europas hat sich Luxemburg mittlerweile zum führenden Finanzplatz für Renminbi-Investmentfonds entwickelt und somit eine Vorreiterrolle übernommen.

Digitalisierung & Social Media

Reporting: Ein härterer Wettbewerb, immer schärfere Regularien sowie neue technische Möglichkeiten lassen die Bedeutung des Reportings im Fondsgeschäft immer wichtiger werden. Speziell entwickelte Reporting-Portale bieten zahlreiche Möglichkeiten in der Zusammenstellung von Fondsinformationen. Das Reporting hilft, die regulatorischen Anforderungen an das Berichtswesen zu erfüllen und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, die Kundenkommunikation durch die entstandene Transparenz der Produkte zu optimieren. Der Trend geht hier ganz klar in Richtung Individualisierung.

Web & Social Media Marketing: Das Internet und im Speziellen Social Media bieten gerade durch die Austausch- und Interaktionsmöglichkeiten viele Ansätze, um bestehenden Kunden mehr Service zu bieten und neue Kunden zu finden, anzusprechen und für sich zu gewinnen. Das gilt auch für Asset Manager und Vermögensverwalter, die bei immer schwierigeren Rahmenbedingungen ohnehin neue Wege gehen müssen, um ihre Zielklientel zu erreichen und zu überzeugen. Bei der digitalen Kundenakquise kann durch die optimale Ansprache der richtigen Zielgruppe und eine gezielte Ansprache von Multiplikatoren und Influencern ein großes Potenzial an Neukunden erreicht werden – ein Trend, der sich weiter verstärken wird.

Robo-Advisory: Dieses Thema war 2016 sehr präsent (siehe Grafik zu Google-Suchanfragen) und die weitere Etablierung der „Robo-Beratung“ scheint so gut wie sicher. Es wird sich jedoch zeigen müssen, wie Berater und Kunden damit umgehen. Auf der einen Seite unterstützen Robo-Advisors den Kunden dabei, sein Geld einfach und transparent anzulegen und sie helfen auch dem Berater, individuelle und maßgeschneiderte Lösung einfach und schnell zusammenzustellen. Auf der anderen Seite sind sie in ihrem heutigen Entwicklungsstadium noch nicht fähig, situationsspezifisch auf das Verhalten sowie die Stimmung ihrer Kunden einzugehen. Auch hier bleibt es spannend – FondsTrends hält Sie auf dem Laufenden.

Interesse an Robo Advisory im Zeitverlauf, Quelle: Google Trends

Recht & Ordnung

MiFID II: Die EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID, Markets in Financial Instruments Directive) harmonisiert die Finanzmärkte innerhalb der EU. Angestrebt sind eine höhere Transparenz, Sicherheit und Stabilität und somit ein optimierter Anlegerschutz. Soweit zur Anlegerseite. Betrachtet aus der Perspektive des Fondsmarktes könnte MiFID II eine Konsolidierungsphase dieses Marktes einläuten. Das Verbot der Einbehaltung von finanziellen Vorteilen bedeutet eine Umwälzung der bestehenden Gebührenpolitik der verschiedenen Fondsakteure und könnte die Konkurrenzsituation in Zukunft verschärfen. Insbesondere kleinere, unabhängige Finanzakteure könnten damit zu kämpfen haben – was bei Reduzierung dieser eine wachsende Monopolisierung von Finanzdienstleistungen mit sich bringen würde.

Reservierte Alternative Investmentfonds (RAIF): Während des letzten Jahres haben Mitglieder der Luxemburger Finanzindustrie, mit Unterstützung der Regierung, die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine neue Form eines Luxemburger alternativen Investmentfonds („AIF“) geschaffen, der durch einen zugelassenen Verwalter alternativer Investmentfonds („AIFM“) verwaltet wird. Der neue Fondstypus bedarf keiner Zulassung durch die Luxemburger Aufsichtsbehörde CSSF und erlaubt damit eine viel schnellere Fondsauflage. Der Luxemburger Regierungsrat hat einem Gesetzentwurf in Bezug auf RAIF zugestimmt; der Gesetzentwurf wurde vom Luxemburger Parlament am 14. Juli 2016 verabschiedet. Seitdem ist der RAIF nun in den Produktbaukästen der Fondsdienstleister enthalten und wird primär für Immobilien und Private-Equity-Investitionen genutzt. Er bereichert den Fondsstandort Luxemburg und die Zahl seiner Nutzer nimmt stetig zu.

Investmentsteuerreform-Gesetz (InvStRefG): Das neue Investmentsteuerreform-Gesetz ist da. Mit seiner Verkündung im Bundesgesetzblatt ist es mit Wirkung ab 27. Juli 2016 in Kraft getreten. Das neue Gesetz sieht u.a. ein grundlegend reformiertes Besteuerungssystem von Investmentfonds und deren Anlegern vor, welches erstmalig ab dem 1. Januar 2018 anzuwenden ist. Das bedeutet u.a., dass die IT-Systeme wieder auf neue tägliche Steuerkennzahlen für Spezial-Investmentfonds umzustellen sind. Durch die erweiterte Steuerpflicht der Fonds in Deutschland ist zudem zukünftig sicherzustellen, dass alle relevanten Erträge erklärt bzw. an der Quelle steuerlich berücksichtigt wurden. Die Umsetzung in die Praxis wird demnach im Laufe des Jahres 2017 noch alle Investmentgesellschaften in vielen Facetten beschäftigen.

Produkte & Vertrieb

Exchange Traded Funds (ETFs): Sind ETF wirklich der Heilsbringer, für den sie gehalten werden? Oder schlummern hier doch bisher unbeachtete Risiken? In jedem Fall sind ETFs kostengünstig, was im Portfolio Management ein nicht unwesentlicher Faktor für die Produktselektion ist. Zudem gibt es Indexfonds mittlerweile für nahezu jede Region der Welt und für fast jede Branche. ETFs bieten also schier grenzenlose Gestaltungsmöglichkeiten zu bislang konkurrenzlos günstigen Kosten. Die Kehrseite des Booms bei ETFs liegt indes darin, dass immer mehr illiquide Produkte an Markt kommen und diese zudem immer intransparenter werden. So ermittelt die amerikanische Börsenaufsicht SEC bereits, weil in manche ETFs toxische Assets eingebracht wurden – so wie vor 2008 bei den Hypothekenpaketen.

Liquid Alternatives: Volatile Aktienmärkte und negative Zinsen lassen Investoren aktuell kaum einen Spielraum, um Kapital unter einem vernünftigen Rendite-/ Risikoverhältnis anzulegen. Das Thema Liquid Alternatives gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Es handelt es sich dabei um Hedgefonds-Strategien, die durch den Mantel eines Publikumsfonds auch für nicht institutionelle Kunden investierbar gemacht werden. Liquid Alternatives sind eine echte Alternative zu klassischen Anlagekonzepten und setzen sich in Europa mehr und mehr durch, da sie vielfältige Handelsstrategien ermöglichen, um marktunabhängig zu investieren und so vom Alpha (marktunabhängig) und nicht dem Beta (marktabhängig) zu profitieren.

Debt bzw. Loan Funds: Mit Darlehen lässt sich auf zweierlei Art Geld verdienen: auf Anbieterseite durch die originäre Vergabe sowie auf Nachfrageseite durch den Erwerb. Während luxemburgische Manager seit über 20 Jahren Debt Funds anbieten, waren Investmentfonds bislang weitestgehend von diesem Geschäft abgeschnitten. Die Öffnung des Investmentrechts für Debt Funds geht in die richtige Richtung, bleibt aber in Sachen Flexibilität bei der Fondsstrukturierung hinter dem luxemburgischen Finanzstandort zurück. Es bleibt daher abzuwarten, inwiefern sich Debt Funds größerer Beliebtheit erfreuen werden; im Vergleich zum Ausland bleiben sie stark reguliert. Am luxemburgischen Finanzstandort bestehen weniger Restriktionen, insbesondere im Hinblick auf die Diversifikation und den Erwerb von unverbrieften Darlehen. Ferner ist die Auswahl an Investmentvermögen groß: Spezialfonds, nicht regulierte Fonds, ferner zukünftig der unregulierte Fonds RAIF mit reguliertem Manager.

16. Januar 2017

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Autor

Marco Feiten

Marco Feiten

Marco Feiten (Jahrgang 1978) ist Managing Director bei der in Luxemburg ansässigen CURE S.A., die Web & Social Media Intelligence und Marketing Lösungen anbietet. Der gelernte Bankkaufmann arbeitete nach seinem BWL-Studium zunächst bei einem mittelständischen Vermögensverwalter im Raum Stuttgart in der Geschäftsleitung und im Portfoliomanagement. Danach war er als Business Development Manager für eine große Bank in Luxemburg tätig, wo er primär zur Expansion des internationalen Geschäfts beitrug.

2009 wechselte Marco Feiten zur neu gegründeten CURE S.A., wo er den Geschäftsbereich Web & Social Media Monitoring und Marketing federführend aufbaute. CURE S.A. betreut das Portal fondstrends.lu redaktionell.

Autor

Sophie Schäfer

Sophie Schäfer arbeitet als Marketing- und Kommunikationsmanagerin bei der in Luxemburg ansässigen CURE S.A., die Web & Social Media Intelligence und Marketing-Lösungen anbietet. Die Kommunikationswissenschaftlerin ist seit mehreren Jahren sowohl auf Agentur- als auch auf Unternehmensseite in den Bereichen Marketingkommunikation, Online Marketing und Social Media tätig und besitzt Branchenkenntnisse in der Automobilindustrie, im Handel sowie im Finanzbereich. Sophie Schäfer ist bei CURE S.A. unter anderem für die redaktionelle Betreuung von fondstrends.lu zuständig.

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