Insurance-Linked Securities: Mit Rückenwind auch durch stürmische Zeiten

Die Anlageklasse der Insurance-Linked Securities (ILS), bei der Investoren eine attraktive Risikoprämie für die Übernahme von Versicherungsrisiken erhalten, ist mittlerweile längst den Kinderschuhen entwachsen und hat sich bei vielen professionellen Anlegern als strategischer Portfoliobaustein etabliert. Für diese Anlageklasse sprechen insbesondere ihre interessanten Risiko-/Ertragseigenschaften, vor allem in der Kombination mit herkömmlichen Anlagen.

In dieser Anlageklasse bieten spezialisierte Vermögensverwalter Zugang zu ihrer Expertise in Form von hochregulierten UCITS Fondsprodukten an. Die unterschiedliche Ausgestaltung der Produkte in Bezug auf Währungen, Währungsabsicherung, Liquidität, etc. befriedigt grundsätzlich unterschiedliche Anlegerbedürfnisse. Was aber vollzieht sich im Kern dieser Anlageprodukte?

Zweck und Nutzen des Risikotransfers an den Kapitalmarkt

Die Kernaufgabe von Versicherungen ist die Übernahme der Versicherungsrisiken von ihren Versicherungsnehmern, wobei die große Zahl der Versicherten im Normalfall für eine ausreichende Risikostreuung sorgt. Ereignisse mit katastrophalem Ausmaß können jedoch dazu führen, dass die Diversifikation nicht mehr ausreicht und ein großer Teil der Versicherten Schadensansprüche anmeldet. Das regulatorisch erforderliche Eigenkapital muss auch für solche Katastrophenereignisse ausreichend sein. Durch das Management der Versicherungsrisiken, insbesondere durch die Rückversicherung von solchen Katastrophenereignissen, kann der Einsatz von teurem Eigenkapital effizient gesteuert werden. Dies gilt jedoch nur eingeschränkt, denn je höher die Dichte an versicherten Werten in einer zu Katastrophenrisiken exponierten Region ist, desto schlechter lässt sich ein solches Risiko diversifizieren und desto mehr Eigenkapital wird hier gebunden.

Mit Insurance-Linked Securities steht Versicherern und Rückversicherern eine weitere Option zum Management ihrer Versicherungsrisiken zur Verfügung. Im Gegensatz zu Rückversicherern sind die Portfolios von Investoren nur zu einem sehr kleinen Teil zu Naturkatastrophen exponiert; Finanzmarktrisiken machen den überwiegenden Teil der Anlagerisiken aus. So wird die Übernahme von Naturkatastrophenrisiken, die beim Rückversicherer evtl. in einer ungünstigen Risikokonzentrationen resultiert, beim Investor zu einer besseren Portfoliodiversifikation führen. Damit sind solche sogenannten Spitzenrisiken durch Investoren deutlich tragbarer  als für herkömmliche Rückversicherer.

Minimierte Kredit- und Zinsänderungsrisiken

Der Transfer dieser Risiken an den Kapitalmarkt erfolgt über Insurance-Linked Securities, wobei Catastrophe oder CAT Bonds das bekannteste Marktsegment darstellen. Bei CAT Bonds wird über eine Anleiheemission die maximale Verbindlichkeit aus einem Rückversicherungsvertrag am Kapitalmarkt aufgenommen und treuhänderisch in einer Zweckgesellschaft gehalten. Da das Kapital ausschließlich in hochsichere Geldmarktanlagen investiert wird, sind CAT Bonds kaum zu Kredit- und Zinsänderungsrisiken korreliert. Sie sind darüber insbesondere vor einem Ausfall der rückversicherten Partei, des Sponsors, geschützt. Das für den Investor verbleibende Risiko ist das Eintreten des versicherten Ereignisses. Als Kompensation für das übernommene Risiko erhalten Investoren die Versicherungsprämie und die Erträge auf den Geldmarktanlagen in Form eines Coupons. Ohne Schadensereignis erhalten die Investoren das eingesetzte Kapital am Ende der Laufzeit von üblicherweise drei Jahren vollständig zurück.

Effiziente Portfolios durch aktive Selektion

Eine Konsequenz aus der eingangs beschriebenen Konzentration bestimmter Risiken in der Versicherungsindustrie ist, dass primär große Naturkatastrophenrisiken in wirtschaftlich und demographisch hochentwickelten Regionen in Form von ILS an den Kapitalmarkt transferiert werden. In den Portfolios der angebotenen Anlageprodukte stellen Stürme und Erdbeben in Nordamerika, Europa oder Japan üblicherweise die Anlageschwerpunkte dar. Im Mittelpunkt jedes einzelnen ILS Investments steht die Analyse des Rückversicherungsvertrags, in dem das zu transferierende Risiko beschrieben wird. Die Ausgestaltung und die Höhe des damit verbundenen Risikos sind sehr stark vom Geschäftsmodell des (Rück-)Versicherers abhängig. Das genaue Verständnis des transferierten Risikos ermöglicht erst die Beurteilung, ob die Risikoprämie angemessen ist und wie sich die Investition im Zusammenspiel mit dem bestehenden Portfolio verhält. Auch hier steht die Diversifikation über viele Regionen, Risiken und Strukturen im Vordergrund, um ein möglichst stabiles Portfolio zu erreichen, in dem Schäden durch einzelne Ereignisse nur zu begrenzten Verlusten führen. Der Einsatz von Risikomodellierungssoftware und quantitativer Optimierung ermöglicht die Konstruktion solcher breit diversifizierter, effizienter Portfolios.

Attraktive Risikoprämien

Die mit Insurance-Linked Securities erzielbaren Erträge sind unter mehreren Gesichtspunkten sehr attraktiv und interessant. Da ILS bei Abwesenheit von Katastrophenereignissen kaum Kursschwankungen aufweisen, führt die laufende  Vereinnahmung von Versicherungsprämien zu einem sehr stetigen und schwankungsarmen Renditeprofil, was sich stabilisierend auf das Gesamtportfolio eines Investors auswirkt.

Auch die relative Risikoentschädigung ist sehr attraktiv, da CAT Bonds einen relativen Renditeaufschlag zu vergleichbar riskanten Unternehmensanleihen aufweisen. Dieser ist vor allem der binären Ereignischarakteristik des versicherten Risikos geschuldet. Auch wenn die Prämien von ihren Höchstständen in 2012 zurückgekommen sind, erhalten Investoren weiterhin eine durchaus attraktive Kompensation für das übernommene Risiko. Dies gilt insbesondere für eher konservative Bonds mit niedrigem Ausfallrisiko. Riskantere Positionen sind durch die starke Nachfrage renditehungriger Investoren etwas weniger attraktiv.

Eine Besonderheit von ILS ist der jahreszeitliche Verlauf der gedeckten Sturmrisiken. Die Performance solcher Anlagen „atmet“ mit dem sich im saisonalen Verlauf ändernden Risikoprofil. ILS Investments, die typischerweise stark zu US Hurrikanrisiken exponiert sind, weisen daher meist in der zweiten Jahreshälfte eine bessere Performance auf. Der tieferen Eintrittswahrscheinlichkeit für ein Schadensereignis in der ersten Jahreshälfte steht eine entsprechend reduzierte Rendite gegenüber.

Effizientere Portfolios mit ILS

Die durch das vorherrschende Tiefzinsumfeld getriebene Suche nach anleiheähnlichen Investments mit höherer Rendite, hat viele Investoren auf ILS gebracht. Neben dieser rein renditeorientierten Optik, gilt es jedoch auch die diversifizierenden Eigenschaften dieser Instrumente zu berücksichtigen. Die faktische Unkorreliertheit zu anderen Anlagen und die kaum vorhandenen Kredit- und Zinsänderungsrisiken machen Insurance-Linked Securities zu einer Anlageklasse, mit deren Beimischung sich traditionelle Portfolios geradezu lehrbuchmäßig effizienter positionieren lassen. Professionelle Investoren haben dies schon seit einiger Zeit erkannt und nutzen ILS nicht nur taktisch zur Reduktion von Durationsrisiken oder zur Performanceverbesserung, sondern setzen ILS als strategischen Baustein ein, um ihre Portfolios stabiler zu gestalten und die Abhängigkeit zu Extremereignissen an den Finanzmärkten zu reduzieren. Überlegungen, die gerade im aktuellen, mit Unsicherheiten belasteten Marktumfeld eine gewichtige Rolle spielen. Über Publikumsfonds stehen praktisch jedem Investor  Investitionsmöglichkeiten in diese interessante Anlageklasse offen und sollten in die Überlegungen bei der Ausgestaltung der Vermögensallokation mit einbezogen werden.

17. Februar 2017

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2 Kommentare auf "Insurance-Linked Securities: Mit Rückenwind auch durch stürmische Zeiten"

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Michael Feiten
Gast
Hallo zusammen, wir sind seit acht Jahren via Fonds in Cat-Bonds und ILS investiert und haben durchaus wirklich gute Erfahrungen mit dem Segment gemacht, vor allem, weil es uns auf Gesamtportfolioebene – neben einer Reihe anderer Alternative Investments, die wir berücksichtigen – einen sehr guten Korrelationsnutzen stiftet. Gleichwohl habe ich aktuell einige Fragen: – Gibt es nicht schon sehr (zu) viele Investoren in dem Segment, die eigentlich nicht „Alternative Investments“ sondern „Zinsen“ suchen? – Was muss passieren, damit die Cat-Bonds noch einmal in Mitleidenschaft gezogen werden, wie z.B. ja auch in der Lehman-Phase, da a) Lehman selbst, wenn ich nicht… Mehr lesen »
Markus Haefliger
Gast
Hallo Herr Feiten, herzlichen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Fragen, zu denen ich gerne Stellung nehme. Gibt es nicht schon sehr (zu) viele Investoren in dem Segment, die eigentlich nicht „Alternative Investments“ sondern „Zinsen“ suchen? Der Zinsaufschlag gegenüber z.B. Unternehmensanleihen war neben der Diversifikation schon immer ein Grund in CAT Bonds zu investieren. Aufgrund der eingeschränkten Marktgröße und den Herausforderungen bei der Beurteilung des unterliegenden Versicherungsrisikos, sehen wir es jedoch als unwahrscheinlich an, dass naives Kapital in großen Mengen in diesen Markt fließt. Selbstverständlich hat der Anlagedruck auch zu Zuflüssen in CAT Bonds geführt, diese kommen jedoch hauptsächlich von… Mehr lesen »
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Autor

Markus Haefliger

Markus Haefliger schloss berufsbegleitend als Betriebswirtschafter HF ab. Er startete seine Karriere bei der Credit Suisse im Privatkundengeschäft und leitete u.a. eine Geschäftsstelle. Danach wechselte er zur Bank Sarasin in Basel, wo er im Vertrieb von Anlagefonds und Fondsplattformlösungen zuständig war. Zurück im Credit Suisse Konzern war Markus Haefliger Stellvertreter des Vertriebsleiters Schweiz und Liechtenstein im Asset Management. Nach einem Abstecher nach Genf zur Swisscanto zog es ihn Ende 2010 zurück in die Deutschschweiz. Er begann am 01.01.2011 als Vertriebsdirektor bei der Plenum Investments AG.

Autor

Dirk Schmelzer

Vormals Fondsmanager bei Falcon Private Bank (ehemals AIG Private Bank) für den Falcon CAT Bond Fund und den Falcon Alternative Opportunities Fund von 2005 bis 2010 mit einem Volumen von rund CHF 200 Mio. Fondsanalyst für alternative Anlagen und stellvertretender Leiter des Fund Research bei VZ VermögensZentrum von 2000 bis 2005. Dipl. Wirtschaftsingenieur, Technische Universität Braunschweig, 2000, Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA) und Hedge Fund Advisor (EBS/BAI).

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