Managed Futures und Liquid Alternatives 2016

Fachlich anspruchsvolle Literatur gibt es für vollregulierte Hedgefonds-Strategien mittlerweile ausreichend. Doch welche Strategien und Produkte kann man in der Praxis einsetzen und welche haben sich in den zurückliegenden zwölf Monaten tatsächlich bewährt? Diese neue Beitragsreihe befasst sich mit möglichen Antworten auf diese Fragen.

Hierzu führte Frank Seidel, der gemeinsam mit einem externen Partner den voll regulierten Managed-Futures-Fonds amandea – ALTRUID HYBRID managt,  eine ausführliche Recherche im Investmentfondsbereich durch, bei der folgende Kriterien maßgeblich waren: Die Fonds müssen ein Volumen von 10 Mio. Euro pro Fonds aufweisen, vor dem 01.01.2015 aufgelegt sein sowie über eine deutsche Vertriebszulassung verfügen.

Die Top 3 Strategien nach Volumen 2016

Quelle: Morningstar, Bloomberg und eigene Datenbank

Die mit Abstand größte Kategorie im Bereich der Liquid Alternatives nennt sich Multistrategy und umfasst in der aktuellen Recherche für die vergangenen zwölf Monate 87 Investmentfonds mit einem Volumen von über 70 Mrd. Euro. Im Median konnte eine Rendite über alle Investmentfonds von +1,01% bei einer Standardabweichung von 5,72 erzielt werden. Die Streubreiten der Ergebnisse liegen teilweise recht weit auseinander. Neun Fonds konnten 2016 Renditen im Top-Dezil erreichen mit Wertzuwächsen von über 4,9% bis maximal 7,6%. Eine Untergruppe stellen die Multistrategy-Fonds dar, welche als Dachfonds konzipiert sind. Diese sind in der obigen Darstellung herausgenommen. Separat betrachtet sind dies 21 Fonds mit einem Marktvolumen von rund 3,5 Mrd. Euro.

Mit rund 35 Mrd. Euro zum Jahresende 2016 ist die Kategorie Long/Short Credit die zweitgrößte Gruppe der untersuchten Fonds. Sie lieferten im vergangenen Jahr im Schnitt mit +1,8% leicht bessere Ergebnisse als der Bereich Multistrategy bei insgesamt geringeren Schwankungen von 4,5. Die Umsetzung dieser Strategie ist vielschichtig, kann aber meist auf die Kombination eines klassischen Bond-Portfolios plus eines Derivate-Portfolios zum Zwecke der Durationssteuerung (short-exposure), der Eliminierung ungewollter weiterer Risiken (Währungseinfluss oder Marktbeta) sowie schlicht der Zuführung von Fremdkapital durch Leverage der bestehenden Positionen verstanden werden. Ein einziger Fonds in diesem Segment schaffte 2016 einen Return von über 8%, insgesamt fünf weitere folgten mit Ergebnissen von über 7% jeweils bei niedrigen Schwankungen um 6,0.

Im Median noch etwas schwankungsärmer, aber leider auch mit einem im Schnitt negativen Ergebnisbeitrag 2016, ist die Kategorie Market Neutral Equity mit 32 Fonds und einem Marktvolumen von über 24 Mrd. Euro zu nennen. Einem negativen Return der Kategorie von 1,02% stand ein Risiko von nur 4,1 gegenüber. Lediglich die oben bereits kurz erwähnten Fonds aus der Kategorie Multistrategy Dachfonds (3,6) und insbesondere die Kategorie Event Driven (2,9) konnten kleinere Risikobeiträge im vergangenen Jahr erzielen. Umgesetzt wird die Strategie Market Neutral Equity meist durch die Ausnutzung von Ineffizienzen in Bewertungen zwischen verwandten Aktienwerten und das (komplette) Neutralisieren des Marktrisikos durch Kombination von Long- und Short-Positionen. Somit ist diese Strategie quasi eng verwandt mit Long/Short Equity, nur mit dem Ziel eines tatsächlichen Marktbetas von 0, also ohne einen bewussten Long- oder Short-Überhang im Portfolio.

Es wird sich zeigen wie sich diese drei großen Strategien im Jahr 2017 schlagen werden. Diese und all die anderen dargestellten Fonds werden in dieser Serie quartalsweise weiter beobachtet und ihre Besonderheiten dargestellt.

Quelle: Morningstar, Bloomberg und eigene Datenbank

Managed Futures als Diversifizierer im Portfolio

Im Schwerpunkt beschäftigt sich diese Artikelreihe mit einem rein systematischen Handelsansatz: Mit Managed Futures oder sogenannten CTA-Funds.

Im Ursprung erbringt ein (übersetzt) Rohstoffhandelsberater oder Commodity Trading Advisor eine individuelle Beratung im Hinblick auf den Kauf und Verkauf von Futures-Kontrakten, Optionen auf Futures oder bestimmte Devisentermingeschäfte. Ein CTA-Fonds ist typischerweise ein Hedgefonds, der Futures-Kontrakte und eine Vielzahl von Handelsstrategien verwendet, um sein Anlageziel zu erreichen. Bei CTA-Funds liegt heute in den meisten Fällen ein rein systematischer und quantitativer Handelsansatz vor und eher seltener eine diskretionäre Handelsentscheidung.

Bedingt durch diese algorithmische Steuerung des Portfolios durch ein Computermodell ist systemseitig ein Risikoparameter, die Zielvolatilität, vorzugeben, was dazu führt, dass sich unterschiedliche CTA-Funds in unterschiedlichen Risikoklassen und Volatilitätsclustern bewegen.

In der zugrunde liegenden Analyse wurden für die vergangenen zwölf Monate insgesamt 25 Fonds dieser Kategorie untersucht. Die Kategorie selbst hatte zum Jahreswechsel ein Volumen von knapp 8,4 Mrd. Euro und lieferte im Mittel den höchsten Risikobeitrag mit einer Standardabweichung aller Fonds im Median von knapp 9,5%. Wie die obige Grafik zeigt, sind die einzelnen Ergebnisse allerdings signifikant unterschiedlich und es ist daher gerade in dieser Peergroup notwendig, die Fonds genauer zu untersuchen, um sie voneinander unterscheiden zu können.

In den Ergebnissen 2016 haben sich einige Risikocluster herausgebildet und in eben diesen haben einige Zielfonds diese jeweiligen Teilgruppen in Bezug auf die Performance teilweise deutlich in den Schatten gestellt. Zu nennen ist hier einmal in der niedrigsten Risikogruppe mit einer Standardabweichung von rund 4% ein Fonds von TUNGSTEN sowie in der Teilgruppe der Standardabweichung von im Mittel 10% ein Fonds von AMANDEA. In den deutlich höheren Volatilitäsclustern von 14% und über 16% waren dies Zielfonds von CANDRIAM und SEB.

Quelle: Morningstar, Bloomberg und eigene Datenbank

Eine besondere Eigenschaft eint diese vier Zielfonds sowie die meisten Produkte aus dem Bereich der Liquid Alternatives im allgemeinen und der Managed Futures: die niedrige Korrelation zu den klassischen Anlageklassen, was in der nachfolgenden Darstellung am Beispiel eines breiten Aktienindexes über einen Zeitraum von einem Jahr und von fünf Jahren abgetragen ist. Die Datenbasis aller genutzten Analysen entstammt dabei den Anbietern Morningstar, Bloomberg sowie eigenen Berechnungen.

Somit lohnt ein Blick auf diesen modernen und innovativen Produktbereich der Liquid Alternatives und eine genaue Analyse zeigt schnell Unterschiede sowie Stärken und Schwächen gewisser Gattungen und auch einzelner Zielfonds. Diese Artikelreihe versucht in den folgenden Ausgaben weniger auf theoretischer sondern mehr auf praktischer Basis eine Hilfestellung zum besseren Verständnis und zum Einsatz dieser Produkte bei der Portfoliozusammenstellung zu liefern.

Sollten Rückfragen zu der Analyse bestehen, steht der Autor gerne zur Verfügung.

24. Januar 2017

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Thema

Liquid Alternatives

Sie sind momentan ein häufiges Gesprächsthema: Liquid Alternatives. Oder „Hedgefunds im UCITS-Mantel“. Doch obwohl dieser Bereich, im Vergleich zu den klassischen Investments, quasi noch in den Kinderschuhen steckt, tummeln sich bereits extrem unterschiedliche Strategien auf dem Markt. Neben einem regelmäßigen Marktüberblick setzt sich diese Beitragsreihe im Schwerpunkt mit dem klassischen „Diversifizierer“ auseinander: den Managed Futures.

Autor

Frank Seidel

Frank Seidel ist Mitglied des Vorstandes und einer der drei Gründer der amandea Vermögensverwaltung AG. Er verantwortet unter anderem das Produktmanagement im Bereich der quantitativen Strategien. Seit der Auflage 2009 managt Herr Seidel zudem den voll regulierten Managed-Futures-Fonds amandea – ALTRUID HYBRID gemeinsam mit einem externen Partner. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Wertpapierbereich und der Betreuung von vermögenden Privatkunden.

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