Mit Mikrofinanz ins Unternehmertum

Mikrofinanz verfolgt die Zielsetzung, Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern, die sonst keinen oder nur begrenzten Zugang zu Finanzdienstleistungen haben, verlässliche und bedarfsgerechte Leih- und Sparmöglichkeiten anzubieten. Darunter fallen finanzielle Basisdienstleistungen wie Kreditvergaben, Sparmöglichkeiten, Finanztransaktionen und Versicherungen.

Definition: Mikrofinanz als Hilfe zur Selbsthilfe

Oft, so zeigt die Erfahrung, reichen bereits kleine Darlehen aus, damit etwas bewegt werden kann. Diese können zwischen 50,- USD und teilweise 25.000,- USD liegen. Die Höhe ist abhängig von der Region bzw. dem Land (Kambodscha oder Osteuropa) und auch für die Tätigkeit, die finanziert werden soll. Schöpfer der Idee der Mikrofinanz ist der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus, Gründer der Grameen in Bangladesch, der hierfür 2006 den Friedensnobelpreis erhielt und nach wie vor eine Ikone der wirtschaftlichen Bekämpfung von Armut ist.

Der Hauptunterschied zwischen dem Mikrofinanzwesen und dem formalen Finanzsektor liegt in der angesprochenen Zielgruppe: Menschen mit geringer Kaufkraft und ohne Ressourcenausstattung können die Kriterien des formalen Finanzsektors nicht erfüllen und fallen damit aus etablierten Wirtschafts- und Finanzierungssystemen heraus. Gerade sie benötigen aber Anschub- oder Überbrückungsfinanzierungen, um z. B. Saatgut zu kaufen, in einer Hochphase Erntehelfer zu beschäftigen oder um einen Transporter anzuschaffen, damit die Ernte auch zum Markt transportiert werden kann.

Der Weg über Mikrofinanzinstitute (MFIs) im Land des Darlehensempfängers bietet hier einen probaten Lösungsweg: Private oder institutionelle Geldgeber stellen ihr Kapital einem Mikrofinanzfonds zur Verfügung. Das Portfoliomanagement vergibt nach Zustimmung eines Investmentkomitees und einer sehr genauen Prüfung der Risiken, Darlehen an MFIs, die wiederum Kredite in geringer Höhe an Kleinstunternehmer vergeben. Die Auswahl der einzelnen Mikrofinanzinstitute in den jeweiligen Ländern erfolgt nach strengen Kriterien, die durch das Portfoliomanagement festgelegt werden. Bei der Prüfung auf eine mögliche Zusammenarbeit, bzw. deren Fortsetzung, werden die jeweiligen Darlehensvergabeprozesse, das Risikomanagement und die Nachhaltigkeitspraxis der MFIs geprüft.

In umgekehrter Reihenfolge zur Darlehensvergabe findet anschließend der Kapital- und Zinsrückfluss statt.

Abb. 1: Ein positiver Kreislauf des Geldes: So funktioniert der IIV Mikrofinanzfonds
Quelle: Invest in Visions GmbH

Da das Ziel von Mikrofinanz immer das der doppelten Rendite (finanziell und sozial) ist, muss die finanzielle Rendite auf der einen Seite (Anleger, Fondsmanagement, MFI) in einem gerechten Verhältnis zu den Zinsen auf der anderen, der Endkreditnehmerseite, stehen. Diese Balance wird durch eine Marktgerechtigkeitsprüfung individuell für das jeweilige Land gesichert. So können die Zinsen angemessen bleiben und die Renditen fair. Da es sich um die Vergabe sogenannter unverbriefter Darlehen an die Endkreditnehmer handelt, stellt Mikrofinanz eine Anlageform dar, die unabhängig von den Kapitalmärkten funktioniert.

Hier finden Sie ein hilfreiches Video zum Thema:
Wie funktioniert Mikrofinanz? Wem hilft sie? (Länge 2:33 Min.)

Beispiel

Als Invest in Visions GmbH haben wir im Oktober 2011 den ersten nach deutschem Investmentrecht zugelassenen Mikrofinanzfonds aufgelegt. Ein Beispiel aus unserem IIV Mikrofinanzfonds soll im Folgenden anhand eines typischen Einzelfalls die Wirkung von Mikrofinanz veranschaulichen. Da das Unternehmen mit der Überzeugung gegründet wurde, dass Anschub- oder Überbrückungsfinanzierungen zu wirtschaftlicher Stabilisierung und unternehmerischer Unabhängigkeit von Kleinunternehmern führen, liegt uns die Umsetzung vor Ort persönlich am Herzen. Daher besuchen wir regelmäßig MFIs und Endkreditnehmer, um die Sicherheit zu haben, dass die Fondsziele auch praktisch gelebt werden.

Bei unserem Besuch des MFIs NPFC in Manila (Philippinen) im Dezember 2016 haben wir Virginia Alonsabi (48), die Inhaberin der Firma „MA. Kime Shoes & Slippers“, kennengelernt. Frau Alonsabi hat die Firma im Jahr 2000 gegründet. Sie stellt Schuhe und vor allem Flip-Flops her. Diese produziert sie im Auftrag von Großhandelsunternehmen.

Die heutige Unternehmerin ist in einer Familie von Schuhverkäufern auf dem Markt aufgewachsen. Bereits früh hatte sie die Idee, selbst Schuhe zu entwerfen und zu fertigen. Angefangen mit drei Angestellten arbeiten heute 50 Mitarbeiter für sie, zum großen Teil in Heimarbeit. Mit einer Produktion von derzeit ca. 200 Schuhen pro Tag (in Handarbeit) und ca. 6.000 Schuhen im Monat kann sie eine Marge von 20-40% erwirtschaften. Seit 2013 arbeitet sie mit dem Mikrofinanzinstitut NPFC zusammen. Insbesondere zur Vorfinanzierung von Materialien ist sie auf eine schnelle Abwicklung angewiesen. Das MFI stellt – im Vergleich zu Banken im Land – innerhalb von 3 bis 5 Tagen das Geld zur Verfügung. Da sie alle bisherigen Darlehen fristgerecht zurückgezahlt hat, besteht die Möglichkeit zu Folgekrediten.

„Was gibt es Schöneres als zu sehen, dass man mit seiner Arbeit wirklich Menschen hilft? Bei unseren Besuchen der Endkreditnehmer und MFIs vor Ort überzeugen wir uns davon, dass die Kriterien unseres Mikrofinanzfonds auch umgesetzt werden.“

Edda Schröder

Die Zukunft von Mikrofinanz

Mikrofinanz ist für uns nicht in allen Schwellen- und Entwicklungsländern möglich. Währungsschwankungen und politisch schwierige Verhältnisse verhindern die Zusammenarbeit mit Partnern in verschiedenen Ländern, insbesondere in Afrika.

Ein großes Thema der Zukunft ist für uns das Mobile Banking beziehungsweise die Digitalisierung der sozialen Kontakte und Interaktionen. Da Mobiltelefonie in den Ländern und Regionen, in denen wir uns bewegen, stark genutzt wird und der Netzausbau dies auch gewährleistet, werden finanzielle Dienstleistungen auf digitaler Ebene angefragt und durchgeführt. Hiermit kann vor allem die ländliche Bevölkerung erreicht werden. Schriftverkehr oder lange Wege stehen bei der Finanzierung einer ansonsten positiv zu bewertenden Unternehmensidee nicht mehr im Wege. Soziale Kontakte, die in der Mikrofinanz als Referenzen und Sicherheit dienen, können durch die Aktivität der Endkreditnehmer in den sozialen Medien überprüft werden. Die Größe des Freundeskreises, die Aktivitäten und Zuverlässigkeit innerhalb der sozialen Gruppen können als Bewertungsgrundlage für das Verhalten als künftiger Endkreditnehmer genutzt werden.

Mikrofinanz: Geld anlegen und dabei Gutes tun – Interview mit Edda Schröder & Markus Sievers (Länge 6:10 Min.)

 

9. Juni 2017

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2 Kommentare auf "Mit Mikrofinanz ins Unternehmertum"

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J. Fleing
Gast

Sehr spannender Ansatz. Mikrofinanz als Anlagemöglichkeit war mir bisher unbekannt. Dem werde ich weiter nachgehen.

Martin Alber
Gast

Super Artikel, ich freue mich schon auf unsere gemeinsame Kundenveranstaltungen im November und imMärz.
Liebe Grüße aus dem wilden Süden :))

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Zusammengefasst
  • Interessante Anlageklasse aufgrund der geringen Korrelation mit dem Kapitalmarkt, geringen Volatilität und stetigen Rendite.
  • Die Idee der Mikrofinanz ist die Armutsbekämpfung und wurde vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus begründet.
  • Mikrokredite ermöglichen Menschen mit erschwertem Zugang zu finanziellen Dienstleistungen eine Anschub- oder Überbrückungsfinanzierung, um wirtschaftlich eigenständig zu werden.
  • Risiko- und Länderbewertungen verhelfen zu einer realistischen und Gerechten Einschätzung des Marktes im jeweiligen Land.
  • Technologischer Fortschritt ermöglicht Verbreitung des Zugangs zu finanziellen Transaktionen.
Thema

Mit Mikrofinanz ins Unternehmertum

Mikrofinanz ermöglicht auf der einen Seite in Schwellenländern Menschen mit Unternehmergeist aber ohne Eigenkapital Finanzierungen mittels unverbriefter Darlehen, die von Mikrofinanzinstituten vergeben und verwaltet werden. Auf der anderen Seite bietet sich privaten und institutionellen Anlegern die Möglichkeit, Gelder in Fonds anzulegen, die diese in Form von Darlehen an ausgewählte Mikrofinanzinstitute (MFIs) vergeben.

Autor

Edda Schröder

Edda Schröder gründete vor über 10 Jahre die Invest in Visions GmbH, um den eigenen Wunsch nach aktiver Entwicklungszusammenarbeit mit den Bedürfnissen nach finanzieller Rendite und sozialer Rendite zu verbinden. Als geschäftsführende Gesellschafterin interessiert sie sich gleichermaßen für Anlegerwünsche wie für die Lebenssituation der Mikrokreditempfänger, die mit den – oft kleinen – Summen Einzelunternehmen gründen oder ein bestehendes ausbauen.

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