Weniger Auswahl und weniger Beratung für Anleger – in Zukunft

Ein Regulierungs-Tsunami überrollt derzeit den Finanzmarkt. Neue Verordnungen und die damit verbundenen Pflichten zwingen die Anleger zum Handeln. Kann man dieser Welle noch Einhalt gebieten oder ist es bereits zu spät?

Für Privatanleger und auch für institutionelle Kunden, wie zum Beispiel Versicherungen, ist der Investmentfonds unverzichtbar bei der Kapitalanlage. Insbesondere in Luxemburg besteht ein sehr gutes, fein aufeinander abgestimmtes Regelwerk, das es erlaubt, für beide Zielgruppen ein auf deren Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot zu erstellen. Damit waren die Grundvoraussetzungen geschaffen, internationale Akteure anzuziehen und Luxemburg zum zweitgrößten Fondsstandort der Welt nach den USA zu machen. Aus Luxemburger Sicht sind damit Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verbunden.

Für viele Privatanleger haben Fonds den Vorteil, dass sie mittels ihrer oder ihres Finanzberaters damit Zugang zu professionellen Anlagemethoden haben, die ihnen als Einzelanleger auf Grund zu geringer Anlagevolumen sonst nicht zugänglich wären.

Mehr Sicherheit durch Regulierung

Durch die Finanzmarktkrise ausgelöst, ist die Regulierung der Finanz- und damit auch der Fondsbranche stark ausgeweitet worden. Um Spekulanten und unseriösen Finanzvertrieben das Handwerk zu legen, wurden umfassende Regelwerke aufgestellt, die einen erneuten Kollaps in der Finanzbranche verhindern sollen. Beispielsweise sind hier die AIFMD (Alternative Investment Fund Manager Directive), die alle Finanzprodukte außerhalb des Publikumsfonds (UCITS) regelt, und die noch kommende MiFID II Direktive zu nennen, die sich der Verhaltensweisen, der Transparenz und der Vertriebsmöglichkeiten annimmt.

Jedoch wird damit ein enormer Mehraufwand für die Finanzinstitute einhergehen, der durch hinzukommende Rechtsrisiken zusätzlich verstärkt wird. In den letzten Jahren sind Anlegeranwälte sehr erfolgreich gewesen, ihre Klienten zu einer Klage gegen ihre oder ihren Produktanbieter zu bewegen. Damit setzte eine Gegenentwicklung ein, die sich – von wenigen unseriösen Anbietern und Vertrieben ausgelöst – nun gegen die gesamte Branche wendet. Da die neuen Vorschriften diesen Trend noch verstärken, werden viele Produktangebote für die Finanzindustrie uninteressant. Zum einen wegen der direkten Kosten, zum anderen wegen der noch nicht abschätzbaren zukünftigen Risiken.

„Sowohl der Umfang des Produktangebotes als auch die Zahl der Banken und Finanzdienstleister wird sich durch die Regulierung deutlich verringern.“

Zitat Stefan Schneider

Reduktion der Angebotsvielfalt

Die Folge wird sein, dass sich das noch sehr vielfältige Angebot wesentlich verringert und vollständig nur noch einem kleinen Teil der Anlegerschaft zur Verfügung steht.

Die neue Welt könnte dann so aussehen:
Kleinanleger können oder wollen sich Honorarberatung nicht leisten und müssen auf eigene Faust aus einem extrem eingeengten Standardangebot auswählen. Zudem wird sich die Zahl der Anbieter wie Banken und Finanzberater und damit der Wettbewerb verringern. Die Risiken werden für diese Anlegergruppe also nicht geringer, sondern steigen tendenziell eher durch Nichtberatung.

Vermögende Kunden sind in der Lage, sich die besten Berater zu leisten, doch werden sie auch hier auf ein vermindertes Produktangebot stoßen.

Schwindender Wettbewerb

Institutionelle Investoren sind frei in der Auswahl und genießen fast uneingeschränkten Marktzugang. Die allgemeinen Kostensteigerungen der Finanzindustrie gehen aber auch zu deren Lasten. Diese werden sie, wenn sie zum Beispiel die Gelder von Lebensversicherten anlegen, an ihre Kunden weitergeben – mit der Folge, dass die ohnehin schon renditearmen Versicherungen noch geringer rentieren.

Mein Plädoyer lautet also: Gezielte Deregulierung einleiten, bevor der Markt zu Tode reguliert ist!

1. März 2016

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Zusammengefasst
  • Steigender Mehraufwand durch erhöhte Regulierung
  • Rechtsrisiken erfordern strikte Maßnahmen
  • Größere Hürden für Kleinanleger
  • Auch Institutionelle Investoren sind betroffen
Thema

AIFMD Richtlinie

Die europäische AIFM-Richtlinie reguliert die Manager von alternativen Investmentfonds (AIFMD – Alternative Investment Fund Managers Directive). Hiervon sind alle Manager offener und geschlossener Fonds betroffen, soweit diese nicht bereits durch die OGAW-Richtlinie reguliert sind.

Autor

Stefan Schneider

Stefan Schneider

Stefan Schneider ist seit 2009 Mitglied des Verwaltungsrats der WWK Investment S.A.. Ebenfalls seit 2009 ist er als Vorstand für Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft S.A. tätig und verantwortet das Private Label Fondsgeschäft am Standort Luxemburg.

Vor seinem Eintritt bei Hauck & Aufhäuser war er für das Fondsgeschäft bei der DZ Bank International (heute DZ Privatbank) und deren Tochter IPConcept Fund Management in verantwortlicher Position zuständig.

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