Wie wird Disruption zur zukunftsfähigen Innovation? (1)

In einer dreiteiligen Beitragsreihe auf FondsTrends nehmen wir das Thema Disruption unter die Lupe. Birgt Disruption nur Risiken oder dürfen wir uns auch auf positive Auswirkungen freuen? Bevor wir uns dem Wandel in der Automobilindustrie widmen, betrachten wir zuerst den Begriff „Disruption“ genauer.

Was versteht man unter Disruption?

Die Definition von Disruption gemäß Wikipedia lautet: „Eine disruptive Technologie (engl. disrupt – unterbrechen, zerreißen) ist eine Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt. Disruptive Innovationen sind meist am unteren Ende des Marktes und in neuen Märkten zu finden. Die neuen Märkte entstehen für die etablierten Anbieter in der Regel unerwartet und sind für diese, besonders auf Grund ihres zunächst kleinen Volumens oder Kundensegmentes, uninteressant. Sie können im Zeitverlauf ein starkes Wachstum aufweisen und vorhandene Märkte bzw. Produkte und Dienstleistungen komplett oder teilweise verdrängen.“ Wie verträgt sich diese Disruption mit ethisch-ökologischen und sozialen Investments?

„Durchschütteln“ auf vier Rädern

Ein „Durchschütteln“ erfährt derzeit die Automobilindustrie. Neue Marktteilnehmer, allen voran der US-E-Autobauer Tesla, sorgen mit ihren voll elektrisch betriebenen Premiumkarossen für ein kräftiges Aufsehen in der Marktgemeinde. Der visionäre Unternehmenslenker Elon Musk begeistert seine Anhänger nicht nur mit immer neuen Automodellen, sondern zündet im regelmäßigen Abstand innovative Feuerwerke. Zuerst jedoch zu den Automobilen. Purer Fahrspaß ohne den Einsatz fossiler Energie, dazu noch Schnellladestationen, die als kostenlose „Tankstelle“ fungieren und in Europa eine Reise von Skandinavien bis ans Mittelmeer ermöglichen. Ganz nebenbei braucht man keine Befürchtungen hinsichtlich eines eingeschränkten Zugangs zu den europäischen Metropolen aufgrund alarmierender Feinstaubbelastung zu befürchten.

Elektrisierender Wettbewerb

Wie reagieren die etablierten Hersteller von Premiumfahrzeugen? Es scheint, als ob die altbekannten Unternehmen sich der Gefahr bewusst sind – vielleicht auch aus dem Nokia-Dilemma heraus – und gehen ebenfalls mit alternativen Antriebstechnologien an den Start. Erstaunlicherweise mit teils äußerst innovativen und komplett neuen Konzepten, wie zum Beispiel BMW mit den i-Modellen. Bis dato liegt leider bei den etablierten Herstellern der Schwerpunkt ihres Produktportfolios nach wie vor auf der „alten Generation“, also hoch-motorisierte Autos mit hohen CO2-Emissionen und hohem Spritverbrauch. Neue Marktteilnehmer wie Tesla krempeln schrittweise die Branche um und konstruieren die gesamte Wertschöpfungskette von der grünen Wiese aus – inklusive dem zugehörigen „Tankstellennetz“. Daher befindet sich Tesla auch im Anlageuniversum von ÖKOWORLD.

Die Zukunft des Fahrens, das „Auto-Auto“, die Welten im Auto, Radar, Mobilfunk…

Unternehmen ablesen. So erwarb Autoliv, eher bekannt als Hersteller von Airbags, im vorigen August MACOM, ein führendes Unternehmen der Hochfrequenz-Technologie, vor allem im Bereich Radarsysteme, analoge Schaltkreise und Drahtlosverbindungen, für einen Kaufpreis von 100 Mio. US-Dollar. Eine ähnliche Vorgehensweise sehen wir beim französischen Automobilzulieferer Valeo. Valeo übernahm kürzlich das Unternehmen Peiker aus Deutschland mit einem Jahresumsatz in 2015 von 325 Mio. EUR. Im Verhältnis zu den 14 Milliarden Umsatz bei Valeo ist dies eher eine Ergänzung statt einer großen Akquisition. Jedoch die Produkte des übernommenen Unternehmens geben die künftige strategische Ausrichtung vor – zunehmende Vernetzung und „Andocken“ des Automobils an das Internet mit Hilfe von UMTS und LTE-Standards.

Technologie über das Fortbewegungsmittel hinaus: kleine Helferlein on Tour

Vor allem im Bereich des autonomen Fahrens wird die jüngste Generation des Mobilfunknetzes vorausgesetzt – das Fahrzeug muss in der Lage sein, innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde zu agieren und zu reagieren. Ein weiteres innovatives Unternehmen und ebenfalls im Bereich der „kleinen Helferlein“ ist Melexis aus Belgien, dessen Produkte von allen führenden Automobilherstellern in Europa, USA und Asien eingesetzt werden. Gemeinsam ist den Produkten und Systemen, dass sie hohe Effizienz, Betriebssicherheit und Energieeffizienz von Motoren (auch Elektromotoren), Antrieben, Schaltungen, Bremsen, Beleuchtungssystemen u. v. m. ermöglichen. Angesichts des durchschnittlichen Umsatzwachstums in den letzten drei Jahren von über 17% p. a. und einer Ergebnissteigerung von 25% p. a. in den letzten drei Jahren sind die etablierten Automobilhersteller hinsichtlich Umsatzwachstum und Rentabilität nur im Rückspiegel zu erkennen. Angesichts der Produktvielfalt und Anzahl der Automobilhersteller könnte man den Eindruck gewinnen, der Markt der Produzenten scheine sehr gut aufgeteilt zu sein mit entsprechend hohen Markteintrittsbarrieren.

Neuankömmlinge revolutionieren den Markt

Disruption findet dennoch statt durch Neuankömmlinge, die sich vom bisherigen Muster deutlich abheben. Tesla haben wir im Bereich Elektromobilität genannt; auf der anderen Seite nahm die Welt Notiz vom Google Car – einer hauseigenen Entwicklung des weltweit führenden Suchmaschinenanbieters. Mittlerweile spulten die selbstfahrenden Autos mehrere Millionen Testkilometer auf Amerikas Straßen ab. Dazu kursieren Gerüchte um das Technologie-Dickschiff Apple dahingehend, dass der Technologiekonzern aus Cupertino im Silicon Valley ebenfalls an einem eigenen Auto-Projekt arbeitet. Auch Daimler-Chef Zetsche liebäugelt mit dem selbstfahrenden Auto und liefert sich ein Wettrennen mit Google und anderen digitalen Konzernen. Im Wettbewerb um das Geschäft der Zukunft übernahm General Motors die auf selbstfahrende Autos spezialisierte Start-up-Firma Cruise Automation. Mit der Company aus San Francisco möchte GM die eigene Entwicklung autonomer Fahrzeuge weiter nach vorne bringen, sagte der Präsident der Opel-Muttergesellschaft, Dan Ammann. Nach Insiderinformationen zahlte GM dafür eine Milliarde Dollar.

In der Wertschöpfungskette spielt die Musik

Für die Zukunft wird nicht die Frage sein, ob die großen Technologiekonzerne in die Mobilitätsthemen von morgen einsteigen, sondern welche Bereiche der originären Wertschöpfungskette bei den bislang bekannten Herstellern und Zulieferunternehmen verbleiben. Die Technologisierung und Elektrifizierung des Automobils hält unvermindert an. Wer hätte vor 20 Jahren an selbstfahrende Autos gedacht außer in Science-Fiction-Filmen? Diese neuen und durchaus profitablen Zukunftsthemen passen in das Bild der Investmentwelten der ÖKOWORLD.

Seien Sie bereits jetzt auf die Fortsetzung gespannt, in der wir über den Umbruch in den Bereichen Erneuerbare Energien und den Klimawandel berichten werden.

12. Juli 2016

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Autor

Alexander Funk

Der Bankbetriebswirt und Certified International Investment Analyst (DVFA) verfügt über langjährige Erfahrung im Portfoliomanagement. Seit Anfang 2002 setzte er eigenverantwortlich Anlagestrategien für individuelle Portfolien und Investmentfonds bei der HVB Luxembourg im Private Banking/Asset Management und der DZ Bank International um.
Während seiner Tätigkeit bei der DZ Bank managte Alexander Funk den nachhaltig investierenden ÖKO-Aktienfonds und hat dort auch verbindliche nachhaltige Vermögensverwaltungsrichtlinien erarbeitet und gewinnbringend umgesetzt. Alexander Funk verstärkt ÖKOWORLD seit November 2009. Er ist Mitglied der Geschäftsführung der ÖKOWORLD LUX S.A.

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