Liquid Alternatives (1): Lösungen für schwierige Kapitalmarktzeiten

Volatile Aktienmärkte und negative Zinsen lassen Investoren aktuell kaum einen Spielraum, um Kapital unter einem vernünftigen Rendite-/ Risikoverhältnis anzulegen. Das Thema Liquid Alternatives gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Doch was genau sind Liquid Alternatives, woher kommen sie und stellen sie wirklich eine Alternative zu klassischen Anlageprodukten dar? Diese Serie gibt einen Überblick über „liquide Alternativen“ und beleuchtet Chancen und Risiken.

Woher wenn nicht aus den USA?

Wie so oft kommt der Begriff der Liquid Alternatives aus den USA. Doch handelt es sich nur um einen kurzfristigen Modetrend oder stellen sie eine echte Alternative zu klassischen Anlagen wie Aktien und Renten dar? Losgelöst von den angestaubten Long-Only Konzepten sind neue Anlageformen wie Multi-Asset oder Total- und Absolute-Return seit Jahren bei vielen Anlegern auf dem Vormarsch. Die dahinterstehenden Strategien stammen häufig aus den Federn großer Hedgefonds, die als Offshore-Konzepte für Institutionelle Investoren in den USA aufgelegt wurden. Letztlich wird beim Thema Liquid Alternatives von nichts anderem als von Hedgefonds-Strategien gesprochen, die durch den Mantel eines Publikumsfonds auch für nicht institutionelle Kunden investierbar gemacht werden. Diese Möglichkeit ist bereits in den USA, aber auch im Vereinigten Königreich sehr verbreitet und setzt sich auch im Rest Europas immer weiter durch. Zuerst ein genauer Blick auf den Begriff Liquid Alternatives:

„Liquid Alternatives sind ganz sicher eine echte Alternative zu klassischen Anlagekonzepten und setzen sich in Europa mehr und mehr durch.“

Benjamin Linn

„Alternative“

Wie der Name schon sagt, sollen Alternative Investments neben den Klassikern (Aktien, Renten und  Währungen) als weitere Investitionsmöglichkeit ins Auge gefasst werden. Meist spricht man bei den Alternatives von Private Equity, Commodities, Hedgefonds, Real Assets oder Real Estate. Doch was genau macht ein Investment zu einem Alternativen Investment? Eindeutig lässt sich dies nicht beantworten, die häufigsten Kriterien sind jedoch die Art beziehungsweise die Struktur des Investments, die geringe Liquidität, anspruchsvolle Bewertungsprozesse sowie der mögliche Diversifikationseffekt. Bei der Beurteilung der Assetklasse ist es sinnvoll, diese vier Kriterien am Beispiel des klassischen Hedgefonds genauer zu betrachten:

Kriterien

 

In dieser Aufstellung wird schnell klar, dass Hedgefonds typischerweise eine Anlageklasse ist, die großen Institutionellen oder UHNWIs vorbehalten ist, die entsprechende Erfahrungen im Markt gesammelt haben und mit einem langfristigen Anlagehorizont umgehen können.

„Liquid“

Beim Blick auf die Einschränkungen, die ein klassischer Hedgefonds Kunde hinnehmen muss, stechen insbesondere die Liquidität und die Regulierung von Offshore-Strukturen hervor, die oft spürbare Nachteile mit sich bringen. Durch die Umsetzung als Publikumsfonds im UCITS-Format, der täglich bewertet wird und das am meisten regulierte Format in Europa ist, können diese Strategien auch für kleinere Investoren mit einem kürzeren Anlagehorizont investierbar und somit liquide gemacht werden.

Viele der Total- und Absolute- Return-Fonds zählen zu den Hedgefonds-Strategien. Sie bedienen sich neben Aktien und Renten auch derivativer Instrumente. Wo Hedgefonds mit Leverage (durch Einsatz von Fremdkapital) und Short-Positionen arbeiten, können Fondsmanager im UCITS-Mantel via Derivaten absichern oder kostengünstig gehebelte Anlagechancen wahrnehmen. Durch die strengere Regulierung ist der Publikumsfonds allerdings aus Sicht des Fondsmanagers gegenüber den Offshore-Strukturen im Nachteil, da die Regeln und Limitierungen nicht alle Investitionsformen und somit Hedgefonds-Strategien zulassen. Genau dies ist aber auch von Seiten der Regulierung gewünscht, um Pleiten wie LTCM (Long Term Capital Management) im Jahre 1998 zu verhindern. Aus der Sicht des Investors wiederum stellen sich die strengeren Regeln als Vorteil dar, wobei die Sicherheit und Liquidität mit leichten Einbußen in der Rendite gezahlt werden müssen.

In dieser 8-teiligen Serie (siehe Kasten links) werden wir beleuchten, welche Strategien möglich sind und wie sich Liquid Alternatives von klassischen Hedgefonds im Detail unterscheiden. Daneben wird ein Überblick über den Markt, die Renditen und die Auswahlkriterien der Fonds gegeben.

Vorteile der Liquid Alternatives aus zwei Welten – klassischen Hedgefonds und traditionellen Publikumsfonds

29. August 2016

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Thema

Die Liquid Alternatives Serie

  • Nr.1 Lösungen für schwierige Kapitalmarktzeiten
  • Nr. 2 Mögliche Strategien
  • Nr. 3 Absolute Return = Liquid Alternative?
  • Nr. 4 Hedgefonds im UCITS Mantel
  • Nr. 5 Markt und Investoren
  • Nr. 6 Fonds Due Diligence
  • Nr. 7 Diversifikation – Core oder Satellite?
  • Nr. 8 Alpha oder doch nur Beta?
Autor

Benjamin Linn

Benjamin Linn ist Senior Relationship Manager bei Hauck & Aufhäuser in München und dort zuständig für die Betreuung von Fondsinitiatoren, Asset Managern und Institutionellen Kunden. Er ist CAIA Charterholder, CFA Level III Candidate und ist daneben Dozent an der European Business School zum Thema Liquid Alternatives. Benjamin Linn ist seit 15 Jahren in der Banken- und Investmentbranche tätig und war zuvor bei KVGen in Luxemburg sowie einem Asset Manager in Deutschland beschäftigt.

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