Liquid Alternatives (3): Absolute Return gleich Liquid Alternatives?

Volatile Aktienmärkte und negative Zinsen lassen aktuell kaum einen Spielraum für Investoren, um Kapital unter einem vernünftigen Rendite- / Risiko-Verhältnis anzulegen. Das Thema Liquid Alternatives spielt sich hier immer wieder in den Vordergrund. Doch was genau ist das eigentlich? Woher kommen Liquid Alternatives und sind sie wirklich eine Alternative zu klassischen Anlageprodukten? Diese Serie soll einen Überblick über die „liquiden Alternativen“ geben.

Der Begriff Absolute Return ist am Kapitalmarkt nicht vollends definiert, wodurch Anleger meist unterschiedliche Erwartungen haben. Letztlich sollte ein Fonds bzw. eine Anlagestrategie, die in die Kategorie Absolute Return eingeordnet wird, auch eine absolute und damit positive Rendite erwirtschaften. Jedenfalls sollte dies das Ziel sein und daher nicht der Vergleich mit einer üblichen Benchmark wie einem Aktien- oder Rentenindex angestellt werden, die durchaus auch negative Erträge erzielen können. Diese Anlehnung an eine Benchmark ist für Relative-Return-Strategien üblich. Relative steht hier für den relativen Bezug zu einem klar definierten Vergleichsindex.

Absolute Return vs. Relative Return

Die meisten klassischen Aktien- oder Rentenstrategien messen sich mit einer Benchmark. Diese sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Eindeutigkeit – klar definierte Bestandteile und Gewichtungen, transparent
  • Investierbarkeit – Möglichkeit zur Investition muss gegeben sein
  • Messbarkeit – Daten müssen verfügbar und auswertbar sein
  • Angemessenheit – Benchmark muss zur Anlagestrategie passen
  • Spezifizierbarkeit – für alle beteiligten zugänglich, klar kommuniziert, offiziell
  • Anerkannt – vom Manager akzeptiert

Der Fondsmanager hat lediglich das Ziel, besser zu sein als sein Vergleichsindex, auch wenn dies bedeutet, dass die Rendite negativ ist. Somit spielt insbesondere das Beta zum Markt eine übergeordnete Rolle. Liegt die Wertentwicklung der Benchmark für einen bestimmten Zeitraum beispielsweise bei -15% und die Strategie bei nur -8%, bedeutet dies einen positiven Erfolg mit einer Outperformance von +7%. In diesem Kontext bedeutet die Outperformance einen Erfolg für den Manager. Solange einem Kunden dieser Zusammenhang bewusst ist, kann dieser ebenso sehr zufrieden sein, auch wenn er Geld verliert. Bei den Absolute-Return-Ansätzen steht hingegen der positive Ertrag im Vordergrund. Dieser soll möglichst unabhängig vom Marktgeschehen und den Long-Only-Benchmarks erwirtschaftet werden. Genau dies trifft meist auch auf die Liquid Alternatives zu. Was also unterscheidet die Begriffe Absolute Return und Liquid Alternatives?

„Liquid-Alternatives- und Absolute-Return-Strategien haben von der Definition her die gleichen Ziele, können jedoch nicht 1:1 gleichgesetzt werden.“

Benjamin Linn

Absolute Return=Liquid Alternatives?

Die Wahrheit liegt letztlich in der Begriffsdefinition. Leider gibt es sehr viele Anlagemöglichkeiten, wie Fonds oder Zertifikate, die in ihren Namen die Definition Absolute Return tragen, jedoch weit davon entfernt sind, die beschriebene absolute Rendite zu erzielen. Der Absolute-Return-Charakter geht verloren, sobald Strategien einen marktabhängigen Verlust einfahren könnten und sich an Benchmarks orientieren. Somit haben viele Strategien aus dem Liquid-Alternatives-Universum einen Absolute-Return-Charakter, wodurch die Schnittmenge groß ist. Jedoch sollten weder alle Liquid-Alternatives-Strategien unter der Kategorie Absolute Return eingeordnet werden, noch umgekehrt. Der Definition nach kann das Beta zum Markt hier der entscheidende Faktor sein. Je unabhängiger die Strategie vom Marktgeschehen ist, desto eher ist der Absolute-Return-, aber auch der Liquid Alternative-Charakter gegeben. Einzig der Wille, eine absolute (positive) Rendite zu erzielen, reicht an dieser Stelle nicht aus – die Strategie sollte darauf ausgelegt sein, marktabhängige Verluste strikt zu vermeiden.

Fazit

Ob ein Anlageinstrument nun mit Liquid Alternative oder Absolute Return umschrieben wird, sollte nicht im Vordergrund stehen. Wichtig ist der Blick hinter die Kulissen, nämlich darauf, was im Portfolio umgesetzt wird. Neben den üblichen gesetzlichen Dokumenten sollte unbedingt auf die Anlagestrategie und die Instrumente geachtet werden, die in den Strategien umgesetzt werden.

Da der Begriff Liquid Alternative letztlich Hedge-Fonds-Strategien beschreibt, die im Rahmen eines UCITS-Fonds für das breite Publikum investierbar gemacht werden, hebt sich die (Lehrbuch-) Definition doch klar vom Absolute Return-Charakter ab – trotz der häufig gemeinsamen Ziele.

In den weiteren Teilen dieser Serie finden Sie tiefgehende Informationen zu den Spezifikationen der Liquid-Alternatives-Strategien, wie eine Auswahl erfolgen kann, wodurch sie sich unterscheiden und welchen Beitrag sie leisten können. Einen Blick auf aktuelle Renditen, Volatilitäten und Korrelationen finden Sie (aufbereitet durch Frank Seidel, Vorstand der amandea Vermögensverwaltung AG) hier.

22. Februar 2017

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Thema

Die Liquid Alternatives Serie

  • Nr.1 Lösungen für schwierige Kapitalmarktzeiten
  • Nr. 2 Mögliche Strategien
  • Nr. 3 Absolute Return = Liquid Alternative?
  • Nr. 4 Hedgefonds im UCITS Mantel
  • Nr. 5 Markt und Investoren
  • Nr. 6 Fonds Due Diligence
  • Nr. 7 Diversifikation – Core oder Satellite?
  • Nr. 8 Alpha oder doch nur Beta?
Autor

Benjamin Linn

Benjamin Linn ist Senior Relationship Manager bei Hauck & Aufhäuser in München und dort zuständig für die Betreuung von Fondsinitiatoren, Asset Managern und Institutionellen Kunden. Er ist CAIA Charterholder, CFA Level III Candidate und ist daneben Dozent an der European Business School zum Thema Liquid Alternatives. Benjamin Linn ist seit 15 Jahren in der Banken- und Investmentbranche tätig und war zuvor bei KVGen in Luxemburg sowie einem Asset Manager in Deutschland beschäftigt.

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