Luxemburger OGAW und China

Wie in vielen anderen Bereichen sind Luxemburger Investmentfonds auch beim Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt führend. Im Laufe der letzten zehn Jahre hat eine Kombination von Unterstützung durch die Regierung, Interesse der Aufsichtsbehörde an der Entwicklung des Fondsstandorts und eine große Anstrengung der Fondsindustrie eine führende Rolle Luxemburgs bei Anlagen in der Volksrepublik China ermöglicht.

Ausländische Investitionen sind nur begrenzt zulässig und können in einer staatlich kontrollierten Volkswirtschaft nur über einen von der chinesischen Regierung zugelassenen Kanal erfolgen. Für die Fondsindustrie (und besonders für OGAW) sind insbesondere der Zugang über ein Quotensystem, der direkte Zugang über die sogenannten „Stock Connect“ Programme sowie der direkte Zugang zum chinesischen Anleihenmarkt von Bedeutung.

Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt über Anlagequoten

QFII

Die ersten Anlagen Luxemburger Investmentfonds in China wurden über das sogenannte QFII kurz nach dessen Einführung in 2002 getätigt. Im Rahmen dieses Qualified Foreign Institutional Investor Regimes können unter anderem ausländische Banken, Staatsfonds oder Vermögensverwalter direkten Zugang zu den Börsen in Shanghai und Shenzen erlangen. Das QFII-Regime ermöglicht sowohl diesen Zugang zum sogenannten A-Share Market als auch  zum CIBM (China Interbank Bond Market) sowie zu marktnotierten chinesischen Anleihen. Unter der Kontrolle der chinesischen Behörden werden U.S. Dollar in die chinesische Währung RMB umgetauscht und in China angelegt. Im Rahmen eines OGAW ist der Gebrauch des QFII-Regimes jedoch immer noch begrenzt, da es Hindernisse bei der Rückführung des Kapitals gibt. Nur maximal 30% des Nettoinventarwertes eines Luxemburger OGAWs können daher über QFII investieren.

RQFII

Den Durchbruch in Punkto Produktgestaltung beim Gebrauch dieser Anlagequoten für OGAWs kam mit der Einführung des RQFII (RMB Qualified Foreign Institutional Investor) Quotensystems in 2011. Dieser neue Kanal ermöglicht die Rückführung von „offshore“ RMB nach China. In 2013 war es ein Luxemburger OGAW, der als erster für eine 100-prozentige Direktanlage in China zugelassen wurde. Dies wird durch die Charakteristiken dieses Investmentkanals ermöglicht, welcher die gleichen Anlagen wie QFII zulässt, jedoch keine lock-up Periode vorsieht und auch eine tägliche Rückführung von Kapital aus China ohne Devisenumtausch ermöglicht. Interessanterweise konnte dieser Investmentkanal schon von Luxemburger Fonds benutzt werden ehe Luxemburg sein eigenes RQFII-Quota erhalten hat. Die chinesischen Behörden waren einverstanden, dass Luxemburger OGAWS, welche direkt oder durch eine Verwaltungsgesellschaft die Anlageverwaltung an einen externen Manager auslagern, die RQFII-Quoten der Länder, in denen die Anlageverwalter ansässig sind, nutzen. Das klassische Beispiel war die Ernennung eines Anlageverwalters in Hong Kong, welcher das Hong Kong RQFII-Quota zugunsten des Luxemburger Fonds gebraucht hat. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es über den Gebrauch des Luxemburger RQFII-Quota, welches 2015 zugeteilt wurde, auch möglich, dass Luxemburger Verwaltungsgesellschaften die Verwaltung eines OGAW durch den Gebrauch ihres eigenen RQFII-Quotas an Anlageverwalter auslagern können, die nicht über ein eigenes RQFII-Quota verfügen.

„Luxemburger OGAW ermöglichen einen einfachen und stetig weiterentwickelten Zugang zum komplexen chinesischen Kapitalmarkt“.

Gast Juncker

Direkter Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt

Ein direkter Zugang ist jetzt für Luxemburger OGAW über die sogenannten Stock Connect Schemes möglich. In diesem Kontext ist es dem Fonds erlaubt, über die Börse in Hong Kong in die meisten Aktien, welche in Shanghai und Shenzen notiert sind, zu investieren. Es gibt keine Quoten pro Land oder Quoten pro Anlageverwalter und die festgesetzten Obergrenzen für das Trading über Stock Connect (global für alle Anleger und täglich) haben bis jetzt keine Probleme verursacht. Wie bei den vorher beschriebenen Anlagekanälen hat auch bei Stock Connect Luxemburg die Vorreiterrolle im OGAW-Bereich übernommen und hat diese Anlagen als erstes EU Land zugelassen.

Das Interesse der Anleger und Anlageverwalter ist jedoch auch stark auf chinesische Anleihen ausgerichtet. Die chinesische Zentralbank und die Aufsichtsbehörde haben seit 2016 einen direkten Zugang zum CIBM zugelassen. Für Ende dieses Jahres ist die politische Entscheidung getroffen worden, dass parallel zu Stock Connect auch ein Bond Connect zwischen Hong Kong und China aufgebaut werden soll.

Luxemburg als „Hub“ für chinesische Anlageverwalter

Zeitgleich mit diesen Entwicklungen haben sich auch zahlreiche chinesische Anlageverwalter (zusätzlich zu den chinesischen Banken) für Luxemburg als Standort zur Auflegung ihrer internationalen Investmentfonds-Plattform entschieden. ICBC, Bank of China, Harvest, Fullgoal, China Asset Management und andere sehen in Luxemburger OGAW den Grundstein zu ihrer internationalen Entwicklung. Diese Fonds (hauptsächlich OGAW) sollen internationalen Investoren Produkte für den Zugang zum chinesischen Markt bereitstellen. Die lokale Präsenz und die Kenntnis des chinesischen Marktes durch diese Vermögensverwalter, Anlageverwalter und Banken sind natürlich die Hauptverkaufsargumente. Gleichzeitig stehen diese Plattformen bereit, den chinesischen Investoren Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten zu verschaffen, sobald die strengen Kontrollen zum Kapitalfluss aus China hinaus erleichtert oder abgeschafft werden.

15. Mai 2017

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Autor

Gast Juncker

Gast Juncker, Avocat à la Cour, ist Partner der Kanzlei Elvinger Hoss Prussen in Luxemburg. Er hat über 20 Jahre Erfahrung in der Errichtung von Investmentfonds und Investmentgesellschaften und berät Klienten im Hinblick auf regulatorische Belange und die Strukturierung ihrer Luxemburger Investmentfondsaktivitäten. Er ist außerdem für den Kontakt zu asiatischen Vermögensverwaltern zuständig, insbesondere in China, Korea und Japan. Gast Juncker ist als einer der führenden Anwälte für Investmentfonds beim IFLR gelistet und wird von Chambers and Partners für seine Beratung hinsichtlich chinesischer Investitionen sowie für seine Arbeit mit asiatischen Klienten empfohlen.

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