RAIF – Luxemburg setzt neuen Maßstab

„Minireform schafft Riesensteuerschlupfloch“, lautete die Berichterstattung von Spiegel  Online zum Thema Einführung des überarbeiteten Spezialfondsgesetzes in Luxemburg aus dem Jahre 2007. Selten wurde die Einführung oder in diesem Fall sogar lediglich die  Novellierung eines Gesetzes von einem medialen Echo dieser Größenordnung begleitet.

Die Zeitungen und Newsportale überschlugen sich, um „Junckers“ Spezialfondsgesetz als Schlupfloch für die Superreichen vor der drohenden Einführung der Abgeltungssteuer an den Pranger zu stellen. Die Angst vor blendenden Geschäften des Luxemburger Staates war europaweit groß. Schon damals machten die Finanzdienstleistungsgeschäfte zusammengerechnet etwa zehn Prozent des luxemburgischen Bruttoinlandsprodukts aus. Im Vergleich zur Novellierung des Spezialfondsgesetzes im Jahre 2007 erfolgte im letzten Jahr die Einführung des Reserved Alternative Investment Fund (RAIF) als attraktive Investmentlösung mit schnellem Marktzugang auffallend leise. Dabei ist für den Luxemburger Finanzplatz die Auflage von nicht regulierten Fondsprodukten ein Novum.

Schnelle Produktlösung

Seit dem ersten Gesetz vom 25. August 1983 über die Organismen für gemeinsame Anlagen (OGA) sehen die rechtlichen Rahmenbedingungen für Investmentfonds eine ständige Überwachung durch die Luxemburger Aufsichtsbehörde CSSF vor. Dieses System der Zulassung und Überwachung auf Produktebene findet seine Anwendung im Bereich der Publikumsfonds und bei allen zur Strukturierung von alternativen Strategien bevorzugten Fondsprodukten, insbesondere dem Spezialfonds (FIS) und der Risikokapitalgesellschaft (SICAR). Der RAIF kann somit als Regulierung auf der Managerebene und Deregulierung auf der Produktebene verstanden werden. Zugleich hat Luxemburg mit dem RAIF eine Lösung für Institutionelle Investoren gefunden, die eine schnelle Umsetzung einer Fondslösung suchen und bewusst auf zusätzlichen Anlegerschutz durch eine Produktregulierung verzichten können.

„Häufig ist es für einen Investor wichtig, ein Produkt schnell zur Hand zu haben, um eine Marktopportunität nutzen zu können.“

Christoph Kraiker

Weniger Regulierung

Auch bislang konnte ein autorisierter Alternative Investment Fund Manager (AIFM) bereits nicht regulierte Produkte auflegen, musste jedoch auf die Annehmlichkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten der Produktgesetze verzichten. Die Einführung des RAIF behebt dieses Manko und bietet zukünftig die gleichen Vorteile wie ein Spezialfonds-AIF, wobei die Aufsichtsbehörde die regulatorische Verantwortung auf den AIFM auslagert, der sicherstellen muss, dass der RAIF alle Anforderungen der Direktive erfüllt. Insbesondere die steuerliche Behandlung ist dabei zu beachten. Vor der Ausgestaltungsmöglichkeit des RAIF konnten unregulierte Produkte aufgelegt werden, jedoch wurden diese steuerlich anders behandelt als ein Luxemburger Spezialfonds, der lediglich die Luxemburger Zeichnungssteuer (Taxe d’abonnement) in Höhe von 0,01 Prozent zu entrichten hat. Wird nun ein RAIF in der Rechtsform „SCS“ oder „SCSp“ aufgelegt (und nicht in einer Gesellschaftsform wie SA, SARL oder SCA), profitiert er ebenfalls von dieser Regelung, die ursprünglich aus der Produktregulierung stammt. Die Besteuerung des RAIF ist somit mit der des Spezialfonds identisch. Die Kombination aus Deregulierung auf der Produktebene mit den steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten macht den RAIF zu einem Fondstyp mit maximaler Flexibilität und extrem schnellem Marktzugang, der von der steuerlichen Behandlung gleichgestellt wird mit den etablierten Alternativen Investmentfonds in der Form des Spezialfonds. Die geräuschlose Einführung des RAIF ist deshalb etwas verwunderlich. Grund dafür könnten allerdings auch andere politische Themen der Nachbarländer sein, die aktuell mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Da bleibt weniger Zeit für einen missgünstigen Blick in Richtung des kleinen Großherzogtums Luxemburg.

Praktische Umsetzung

Seit einigen Monaten ist der RAIF nun in den Produktbaukästen der Fondsdienstleister enthalten. Daher können erste Beobachtungen angestellt werden, wozu er in der Praxis genutzt wird. Häufig ist es für einen Investor wichtig, ein Produkt schnell zur Hand zu haben, um eine Marktopportunität nutzen zu können. Hier hat der RAIF sofort Nutzer gefunden. Der Zeitvorteil führte dazu, dass inzwischen auch bereits Wertpapierportfolios in einem RAIF realisiert wurden, obwohl man ihn zunächst hauptsächlich für Sachwerte auf der Rechnung hatte. Dabei wurde oft schon bei der Produktauflegung ein späteres Upgrade auf einen regulierten Spezialfonds ins Auge gefasst, aber doch der RAIF gewählt, um zeitnah die gewünschte Fondshülle zur Verfügung zu haben. Wie beim Spezialfonds, kann auch mit einem RAIF bis zu 30 Prozent des Kapitals in einen Emittenten investiert werden. Daher ist er für Vermögensverwalter und Family Offices interessant, die eine ganz spezifische Anlagestruktur umsetzen möchten, in der zum Beispiel die Anteile des früher einmal selbst gegründeten Unternehmens eine wichtige Rolle spielen und etwa ein Block der selbst gehaltenen Aktien eingebracht werden soll. Denkbar sind auch gemischte Portfolios aus Immobilien und Wertpapieren. Hier spielt der RAIF seine Stärken dahingehend aus, dass er als Fonds auf ein institutionellen Ansprüchen genügendes Reporting zurückgreifen kann, das bei der Steuerung des Gesamtvermögens sehr hilft. Des Weiteren kann Immobilienbesitz, der vor dem Hintergrund einer späteren Erbauseinandersetzung in einen RAIF eingebracht wird, später durch die einfache Übertragung von Fondsanteilen geteilt werden.

Sachwerte bevorzugt

Da die Immobilienmärkte in ganz Europa boomen, ist es nicht verwunderlich, dass bei Neuinvestments in Sachwerte Immobilien die am häufigsten gewählte Assetklasse in einem RAIF sind. Sofern es dem Investor gelingt, sich ein interessantes Objekt zu einem attraktiven Preis zu sichern, ist er insbesondere dann im Vorteil, wenn er über einen RAIF eine schnelle Abwicklung anbieten kann. Gespräche mit verschiedenen Luxemburger Rechtsanwälten haben gezeigt, dass es häufig Versicherer sind, die sich hier engagieren. An zweiter Stelle rangieren Private-Equity-Investitionen, bei denen der RAIF sehr gut zu den qualitativen Anforderungen der Produktinitiatoren passt. Seitens der Initiatoren und Investoren wird immer wieder auch die attraktive Kostenbasis hervorgehoben. Zudem würde sich nicht zuletzt die gute gesetzliche Abstimmung der unterschiedlichen Investmentprodukte untereinander auszahlen. Neben der angesprochenen Möglichkeit eines Upgrades auf einen Spezialfonds, sei der RAIF laut Experten schließlich auch in mehrstöckigen Investitionsstrukturen oft eine hilfreiche Alternative gewesen. Und bei der Strukturierung von Private-Equity-Beteiligungsgeflechten fand er ebenfalls umgehend Akzeptanz.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zeit zeigen wird, wie die Akteure mit dem RAIF weiter umgehen. Ob er lediglich eine Übergangslösung zum Spezialfonds ist, oder ob er eine eigene Rolle im Luxemburger Investmentbaukasten einnehmen wird. Eines steht jedoch schon fest: Er bereichert den Fondsstandort und die Zahl seiner Nutzer nimmt stetig zu.

10. Januar 2017

Ersterscheinung des Artikels im Dezember 2016 in TiAM – Trends im Asset Management

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Reserved Alternative Investment Fund

Der RAIF ist eine Produktvariante, mit der Luxemburg seine Marktstellung ausbauen will. Das neue Instrument ermöglicht die Fondsauflegung im Eilverfahren und dürfte in erster Linie für Real-Assets-Fonds genutzt werden.

Autor

Stefan Schneider

Stefan Schneider

Stefan Schneider ist seit 2009 Mitglied des Verwaltungsrats der WWK Investment S.A.. Ebenfalls seit 2009 ist er als Vorstand für Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft S.A. tätig und verantwortet das Private Label Fondsgeschäft am Standort Luxemburg.

Vor seinem Eintritt bei Hauck & Aufhäuser war er für das Fondsgeschäft bei der DZ Bank International (heute DZ Privatbank) und deren Tochter IPConcept Fund Management in verantwortlicher Position zuständig.

Autor

Christoph Kraiker

Christoph Kraiker studierte im Erststudium Betriebswirtschaftslehre und absolvierte im Anschluss ein Masterstudium an der Europäischen Fernhochschule Hamburg. Seit Oktober 2013 ist er Abteilungsdirektor Consulting bei der Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft S.A. Zuvor war Christoph Kraiker als Head of Client Advisory für die Alceda Fund Management S.A. und im Bereich der Fondskonzeption für die DZ BANK International S.A. tätig.

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