Erneuerbare Energien: Wachstum fordert neue Strategien

Erneuerbare Energien sind und bleiben ein Wachstumsmarkt. Institutionelle Investoren schätzen diese Asset-Klasse. Sie bietet stabile Cashflows mit niedrigen Ausfallraten. Die hohe Nachfrage hat zu einem deutlichen Druck auf die erzielbaren Renditen geführt. Mit traditionellen Strategien lässt sich deshalb nur schwer Geld verdienen. Michael Ebner, Sprecher der KGAL Investment Management GmbH & Co. KG rät deshalb zu differenzierten Investments.

FondsTrends: Wie hat sich der Markt für erneuerbare Energien in den vergangenen Jahren konkret verändert?

Michael Ebner: Wir sind seit 15 Jahren im Bereich der erneuerbaren Energien investiert. In diesem Zeitraum sind die Einspeisetarife in etablierten Märkten wie Deutschland und Skandinavien dramatisch gesunken. Die Investitionskosten sind zwar ebenfalls gesunken, aber nicht im selben Ausmaß. Die Marktrenditen für betriebsbereite beziehungsweise in Betrieb befindliche Anlagen ohne Entwicklungs- und Baurisiken sind massiv unter Druck.

FondsTrends: Mit der Konsequenz, dass es für den Investor völlig unattraktiv wird?

Michael Ebner: Das nicht, aber er erzielt mit einer klassischen Investmentstrategie keine Rendite zwischen acht und neun Prozent, sondern vielleicht drei bis fünf Prozent. Entscheidend dabei ist, dass die erzielbare Rendite in manchen Märkten wie Deutschland nicht mehr risikoadäquat ist.

„Wer seine Investmentstrategie nicht anpasst, gerät in den Strudel der yield compression.“

Michael Ebner

FondsTrends: Können Sie die Dimension des Marktes für erneuerbare Energien weltweit beschreiben?

Michael Ebner: Seit 2006 sind die Investitionen in erneuerbare Energien weltweit um den Faktor 2,5 auf 287,5 Milliarden USD im Jahr 2016 angestiegen. Die Internationale Energieagentur rechnet mit einer Erhöhung des weltweiten Primärenergiebedarfs bis 2040 um 40 Prozent. Die Zeichen stehen deshalb weiterhin auf Wachstum.

FondsTrends: Ihre Empfehlung ist, die Strategie stärker zu differenzieren. Nach welchen Kriterien sollte man vorgehen?

Michael Ebner: Bislang sind Investoren überwiegend bei Fertigstellung der Projekte eingestiegen. Künftig sollten sie in der Wertschöpfungskette deutlich früher investieren oder Bestandsprojekte repositionieren. In entwickelten Märkten sind deshalb Value-Add-Strategien interessant, in weniger ausgereiften Märkten Buy-and-Hold-Strategien.

Investments in erneuerbare Energien erfordern eine differenzierte Investmentstrategie, um attraktive Renditen zu erzielen.

FondsTrends: Entstehen dadurch nicht neue Risiken, mit denen Investoren keine Erfahrung haben?

Michael Ebner: Ja, das ist so. Wer mit einem Greenfield-Investment ein Projekt von der Idee bis zur Realisierung begleitet, geht Entwicklungs- und Baurisiken ein. Aber genau diese Risiken bergen die Chance der zusätzlichen Rendite. Ähnlich ist es bei Bestandsobjekten. Wenn sie erfolgreich restrukturiert sind, lässt sich die damit verbundene Wertsteigerung monetarisieren.

FondsTrends: Die höhere Rendite ist attraktiv und trotzdem hätte jeder Investor gerne ein Sicherheitsnetz.

Michael Ebner: Das zusätzliche Risiko lässt sich durch ein konsequentes Risikomanagement und eine ständige Überwachung der Projekt-Meilensteine begrenzen. Zudem ist die Kombination aus Value-Add- und Buy-and-Hold-Strategien innerhalb eines Portfolios empfehlenswert.

FondsTrends: Und in welchen Ländern geht der Investor auf Nummer sicher?

Michael Ebner: Die Länder der EU-28 bieten den Vorteil einer gewissen räumlichen Nähe und somit eine gute Voraussetzung für ein aktives Asset Management. Außerdem haben diese Länder rechtlich bindende Ziele innerhalb der nationalen Ausbaupläne der erneuerbaren Energien für 2020 und 2030 definiert, die einen zuverlässigen Regulierungsrahmen für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa bieten. Die einheitliche Währung in 19 Ländern des EU-Verbundes trägt ferner zu einer deutlichen Reduzierung der Währungsrisiken bei.

28. Februar 2018

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Zusammengefasst
  • Erneuerbare Energien sind und bleiben ein Wachstumsmarkt und sehen sich trotzdem mit sinkenden Renditen konfrontiert.
  • Investoren müssen ihre Investmentstrategien für Erneuerbare Energien anpassen.
  • Value-Add bietet sich in entwickelten Märkten an.
  • Buy-and-hold eignet sich unverändert als Investmentstrategie für sich entwickelnde Märkte.
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Investments in erneuerbare Energien

Investitionen in erneuerbare Energien sind attraktiv. Das angelegte Kapital hat sich innerhalb von zehn Jahren mit rund 290 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt. Allerdings zeigt sich jetzt immer mehr, dass auch diese Assetklasse Know-how und präzise Investmentstrategien erfordert.

Autor

Michael Ebner

Michael Ebner ist Sprecher der Geschäftsführung, KGAL Investment GmbH & Co. KG. Er verantwortet die Assetklasse erneuerbare Energien, die er vor fünfzehn Jahren aufgebaut hat. Heute ist die KGAL nationaler Marktführer für Beteiligungsmodelle in erneuerbare Energien. Ebner ist seit mehr als zwanzig Jahren für die KGAL tätig. In dieser Zeit hat er u.a. Beteiligungsmodelle für strukturierte Finanzierungen und Infrastrukturfonds entwickelt. Er ist Bankkaufmann und hat einen Abschluss als Diplom-Kaufmann.

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