Fee Obsession – der Sargnagel der Fondsindustrie?

Der Lebenszyklus der Fondsindustrie unterscheidet sich, wenn überhaupt, von dem anderer produzierender Industrien nur marginal. Die Fondsbranche ist zweifellos erwachsen geworden. Sie befindet sich nun aber auch an einem Punkt, an dem es nachzudenken gilt: Ist Fondsmanagement ein generisches Gut, bei dem eine Differenzierung letztendlich nur über den Preis möglich ist?

Naserümpfen, Stirnrunzeln und allgemeines Kopfschütteln – so einige der natürlichen Reaktionen, wenn es jemand wagt, das Thema Fees anzusprechen. Und zwar nicht im Sinne von „billiger ist besser“ sondern vielmehr, dass Fees einfach notwendig sind. Der alte österreichische Spruch „Was nix kost´, ist nix wert!“ ist zwar nicht vollkommen allgemein und endgültig anzuwenden, aber irgendwo ist da schon ein bisserl Wahrheit dran.

Abgesehen davon, dass Arbeit – ja, auch die des Fondsmanagers – entlohnt werden will und es dabei nicht nur auf das quantifizierbare Ergebnis ankommen kann, wird es ohne Management-Fees auch zu keinerlei Innovation in der Industrie mehr kommen. Denn auch der Arzt, der Anwalt und der Steuerberater haben ihre Sätze und auch dort gibt es durchaus Unterschiede im Ergebnis. Ein ETF, der für fünf Basispunkte zu haben ist, rechtfertigt mit Sicherheit nicht, dass irgendjemand über irgendetwas nachdenkt. Die Overheads deckt er nur ab, wenn das Volumen groß genug ist; und die Ur-Aufgabe der Finanzmärkte, nämlich Kapital effizient zu allokieren, erfüllt er auch nicht. Wobei, das täte er natürlich auch nicht, wenn er 2% kosten würde.

Skaleneffekte und Innovation vertragen sich nur selten

Was der Weg zu billigeren, einfacheren Produkten natürlich auch mit sich bringt, ist eine Konsolidierung des Marktes. Zum einen können nur größere Einheiten Skaleneffekte nützen  und zum anderen werden die Eintrittsbarrieren dermaßen hoch geschraubt, dass junge, innovative Menschen sich andere Spielwiesen suchen. Wobei das in der Finanzindustrie nach 2008 vielleicht auch an unserem Image liegen kann …

Die Einzigen, die Freude an einem immer größeren ETF-Markt haben, dürften die Trading-Desks in den Banken sein, die nach der GFC zwar totgesagt waren, erfreulicherweise doch wieder eine Möglichkeit gefunden haben, ein bisserl Geld zu verdienen. So ein Bid-Ask Spread ist insofern etwas Herrliches, weil er ja bis dato in keinerlei Kostenaufstellung Eingang findet.

Wobei mir nichts ferner liegt, als hier eine Brandrede gegen die ETF-Industrie halten zu wollen. Manchmal – und die letzten zehn Jahre waren sicher so eine Periode – haben ETFs bei aller Gefährlichkeit und Ineffizienz durchaus ihre Berechtigung. Nur dürfen wir nicht vergessen, dass nach diesem Jahrzehnt der Marktmanipulation durch die Zentralbanken und einer mit billigem Geld überfluteten Ökonomie vielleicht irgendwann eine Zeit anbricht, in der differenzierte Entscheidungen in der Titelselektion wieder belohnt werden.

Operationelle Risiken vs. Marktrisiken, eine ungleiche Geschichte

Das Stichwort hier ist Risikomanagement. Haben wir ohnehin! UCITS, Heere von Risikomanagern, tägliche „Look-Throughs“ bis in die letzten Ecken der Portfolios…. Stimmt natürlich, die operationellen Risiken sind heute so gut kontrolliert wie nie zuvor. Aber die Marktrisiken auf Einzeltitelebene? Was nützt es mir zu wissen, dass ich zum Beispiel Bond XY in meinem passiven Investment habe, wenn es genau der Bond ist, der „defaultet“. Oder, wahrscheinlich naheliegender, es der Bond ist, der dann in einer größeren Marktkorrektur leider nicht mehr genügend Liquidität hat. Was passiert dann eigentlich, wenn mein ETF einzelne Bonds nicht mehr verkaufen kann, weil der Markt ausgetrocknet ist und er mithin nicht mehr pro rata „abstocken“ kann? Wird er dann „gegated“? Bekommt dann jeder ETF-Holder eine „Sidepocket“? Hedgefonds-Terminologie am ETF-Markt … Hoffentlich nicht.

Möglicherweise ist es an der Zeit, dass die Industrie sich an der eigenen Nase nimmt und eingesteht, dass der Kampf nur über Fees nicht zu gewinnen ist. Zudem müssen wir insbesondere dem Endkunden klar machen, dass es nicht immer so weiter gehen kann – auch wenn in der letzten Dekade alles gut gegangen ist. Nur weil Risiken nicht schlagend geworden sind, sind sie dennoch existent.

28. März 2019

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Zusammengefasst
  • Die Höhe der Management Fees ist der wesentlichste Entscheidungsfaktor
  • Operationelles Risiko hat nichts mit Marktrisiko zu tun
  • Liquidität bei passiven Produkten könnte sich als Illusion erweisen
Autor

Florian Gröschl

Florian Gröschl ist geschäftsführender Gesellschafter des österreichischen Third-Party Marketers Absolute Return Consulting GmbH und Fondsmanager des Fund of Alt. UCITS mahi546. Bevor er 2011 zu ARC kam, war er bei der damaligen Bawag PSK Invest GmbH und der LGT Bank (Österreich) AG als Portfoliomanager im Bereich Absolute Return und Fixed Income tätig. Er verfügt über einen Abschluss der Wirtschaftsuniversität Wien und ist seit 2005 Certified Portfolio Manager.

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