Goldminenaktien: Symbiose aus Aktien & Gold

Trotz schwankender Goldpreise gilt das Edelmetall immer noch als krisensicheres Investment. Ein Grund für Harald Steinbichler, dieses Thema genauer zu beleuchten. Woher kommt das Gold eigentlich, wie wird „Gold“ für den Investor zu „Geld“ und was dürfen die Investoren zukünftig erwarten?

„Es wird in Afrika aus dem Boden gewonnen, oder irgendwo anders. Dann schmelzen wir es ein, graben ein weiteres Loch aus, verstecken es wieder und bezahlen die Leute, um es zu bewachen. Es hat keinen Nutzen. Jeder, der vom Mars aus zusieht, würde sich ungläubig am Kopf kratzen.“

Warren Buffett zum Gold, Rede 1998 in Harvard

Gold als Anlageklasse spaltet die Investorengemeinde in all ihren Facetten auf: Da gibt es die Überzeugten, bei denen Gold als „Krisenwährung“ und „Sicherer Hafen“ nie fehlen darf, die das Geldsystem kritisch hinterfragen und gerne auf die lange Wertstabilität des gelben Metalls verweisen. Dann gibt es die puren Investoren, die je nach Marktlage einem Goldinvestment positiv oder negativ gegenübergestellt sind und schlussendlich die Kritiker, meist Keynesianer, welche an der Sinnhaftigkeit, ein Metall aus der Erde auszugraben, um damit Tresore zu befüllen, stark zweifeln.

All diese Investorentypen finden sich im Goldminenaktienbereich wieder, jedoch aufgrund ganz unterschiedlicher Erwartungen. Kaufkrafterhaltung ist für die „Überzeugten“ das mittelfristige Ziel, langfristig steht die Kapitalvermehrung im Vordergrund. Eine taktische Allokation mit Renditepotential und Value Charakter ist bei den puren Investoren der wichtigste Entscheidungsgrund Position aufzubauen und zu halten. Selbst Kritiker befinden sich unter den Investoren, da es sich hier um eine im Angebot beschränkte Assetklasse handelt, die oftmals als Absicherungsinstrument in Krisenzeiten und Substitut zu Gold als Rohstoff gesehen wird.

Entwicklungsstadien der Goldmine

  1. Exploration – die Suche nach der idealen Abbaustätte. Ein zeitaufwendiger und kostenintensiver Prozess. Vor der ersten erfolgreichen Exploration bis zur Förderung der ersten Unze dauert es meist zwischen acht und zehn Jahren. Diese Art der Goldminen sind die Start-Ups der Branche. Mit einem hohen Risiko ist zu rechnen, mit Rückschlägen muss das Management umgehen und das Risiko Ertragsprofil erinnert stark an den Private Equity Sektor. Der Finanzierungsbedarf ist hoch und Investoren sind mit Kapitalerhöhungen beschäftigt.
  2. Entwicklung – Der geeignete Standort ist gefunden, jetzt geht es um Genehmigungen und Lizenzen, Umweltverträglichkeitsprüfungen und um Investitionen in die Infrastruktur. Das Management von politischen und technischen Risiken, Umwelteinflüssen und personelle Entwicklungsarbeit sind hier von Bedeutung.
  3. Produzenten – der eigentliche Abbau des gelben Metalls beginnt. Die bewegten Erdmassen sind gewaltig da der Goldanteil in der Regel sehr gering ist. Eine Mine hat eine Lebensdauer zwischen sieben und fünfzehn Jahren, einige wenige Ausnahmen haben eine längere Laufzeit. Die Techniken des Abbaus unterscheiden sich wesentlich, je nachdem, ob es sich um eine Tagebau- oder eine Untertagebaumine handelt. Unterteilt werden die Betriebe auch nach Größenordnungen:
  • Große Produzenten (> 1 Mio Unzen pro Jahr), z.B. Barrick, Goldcorp und Newmont
  • Mittelgroße Produzenten (> 200.000 Unzen pro Jahr), z.B. B2Gold, Tahoe, Alamos
  • Kleine Produzenten (> 0 Unzen pro Jahr), z.B. Alacer, Premier Gold

Eine Sonderstellung in der Goldminenaktienbranche nehmen sogenannte Royalty Stocks ein. Diese Art von Aktien sind Finanzierungsgesellschaften für Goldminenaktien. Die Royalty Stocks besitzen Rechte an den Wertschöpfungen der Goldminen und bieten im Gegenzug eine Finanzierung für den Betrieb und Entwicklung von Projekten an.

Einflussfaktoren auf die Produktionskosten

Jeder Goldminenaktieninvestor kennt die „All-In costs“ seiner gewählten Goldminenaktien. Diese Kosten umfassen alle mit dem Abbau und der Raffinierung entstehenden Aufwendungen, als auch die Finanzierungskosten bis zu den anteiligen Schließungskosten der Mine und Overheadkosten. Die All-In Kosten des Philadelphia Gold & Silver Index (XAU) betragen im 3. Quartal 2018 850,- USD pro Unze. Die oftmals in Research Berichten erwähnten Cash Kosten umfassen nur die Aufwendungen der Goldproduktion. Falls der Goldpreis um 10% steigt oder fällt verändern sich die operativen Margen um ein Vielfaches – dieser Prozess wird als der operative Hebel bezeichnet. Goldminenaktien weisen demzufolge ein höheres Beta als 1 zum Underlying Gold auf. Eine Daumenregel besagt, dass Investoren zirka mit einem Beta von 2 und höher rechnen sollten (Goldminenaktie versus Gold).

Der USD und der Goldpreis – welche Auswirkungen haben Währungen auf Goldminenaktien

Viele Investoren, die sich erstmals mit Goldminenaktien beschäftigen, sind verwundert: 80% der Gesellschaften sind in Kanada notiert (in CAN), der höchste Börsenumsatz ist in den USA (in USD). Es stellt sich die Frage der Währungsabsicherung. Bei genauerer Analyse stellt man fest, dass sich die meisten Minenprojekte dieser Gesellschaften aber außerhalb von Kanada befinden: Mexiko, Australien, Burkina Faso, Mali, Peru, … und viele andere Regionen umfassen den operativen Minenbetrieb. Kosten wie Energie (etwa 20% der All-In Kosten) sind typischerweise in USD zu zahlen, Gehälter und Lizenzen meist in Lokalwährung, das Gold wiederum wird in USD gehandelt. Somit handelt es sich bei Goldminenaktien eigentlich um Währungskörbe und ein ökonomisches Währungsexposure lässt sich nicht leicht errechnen.

Aus Gold wird Geld

Goldfondsmanager investieren weltweit in Aktien von Unternehmen, die vorwiegend in der Gewinnung, Verarbeitung und Vermarktung von Gold tätig sind. Am Beispiel vom Falcon Gold Equity Fonds (ISIN LU0794518190) Fonds, welcher von John Hathaway, Doug Groh und Ryan McIntire verwaltet wird, basiert die Anlagephilosophie schwerpunktmäßig auf sorgfältiger fundamentaler Unternehmensanalyse und hat grundsätzlich einen wertorientierten Charakter. Das Anlageuniversum besteht vor allem aus Aktien von Unternehmen aus der Goldbranche. Ergänzend kommen auch Aktien von Unternehmen in Frage, welche andere Edelmetalle fördern, gewinnen oder vermarkten.

Das Anlageuniversum ist global ausgerichtet und erstreckt sich grundsätzlich auf Unternehmen beliebiger Marktkapitalisierung. Dabei werden jedoch Unternehmen mit Domizil in Ländern mit größeren Unwägbarkeiten auf der politischen Seite bzw. mit Problemen hinsichtlich der Grundsätze der Unternehmensführung ausgeschlossen. Bei der fundamentalen Analyse werden die für eine Investition in Frage kommenden Unternehmen anhand einer Vielzahl von Faktoren und Kennziffern betrachtet. Hierbei fließen vor allem geologische Aspekte wie die Quantität und Qualität der wesentlichen Minen, die Produktionskosten und die Höhe des (potenziell) frei verfügbaren Überschusses aus der Geschäftstätigkeit ein. Daneben kommt der Kapitalstruktur des Unternehmens eine besondere Beachtung zu. Mögliche politische Risiken werden ebenfalls in die Betrachtung einbezogen. Die von John Hathaway und Doug Groh bei der Beurteilung angelegten Kriterien variieren in der Schwerpunktlegung von dem erreichten Stadium des Unternehmens. Bei Explorationsunternehmen wird vor allem auf das geologische Potenzial sowie auf die Marktkapitalisierung der Reserven und Ressourcen geachtet. In vielen Fällen investiert John Hathaway auch in kleine Explorationsunternehmen, deren Wachstum nachfolgend mit von ihm unterstützten Kapitalmaßnahmen gefördert wird. Bei Entwicklungsunternehmen sind vor allem der Diskontierungswert der zukünftigen frei verfügbaren Überschüsse aus der Geschäftstätigkeit sowie der Nettovermögenswert von Bedeutung. Bei großen etablierten Produzenten zielt die Betrachtung vor allem auf die Bewertung anhand des Ertrags, die Marge, die Marktkapitalisierung der Reserven, die Verschuldung sowie die Höhe der Gewinnausschüttung ab. Ergänzend ist hier auch die allgemeine Goldpreissensibilität des Unternehmens ein besonderer Aspekt.

Ausblick – Gold als lohnendes Investment?

Ob man nun als Inflationsschutz, aus Diversifikationsgründen oder als Absicherung gegen politische Risiken in Gold und Goldminenaktien investiert: Es findet sich immer ein passendes Argument für diese Anlageklasse, solange die Realzinsen tief oder sogar negativ sind wie in den letzten Jahren. Jedoch, Goldminenaktien können sich dem Markt nicht komplett entziehen. Ein gutes Beispiel ist hierfür das Jahr der Finanzkrise 2008, in welchem sich Investoren von sämtlichen risikobehafteten Assets getrennt haben und der Falcon Gold Equity Fonds das Jahr mit knapp -33% beendetet. 2009 konnte dann mit einer Performance von knapp +70% der Erfolgspfad wieder aufgenommen werden.
Gold ist bereits seit über 5.000 Jahren ein akzeptiertes Zahlungsmittel. Bei den derzeitigen Budgetdefiziten der Industrie- und Entwicklungsstaaten und der damit einhergehenden Unsicherheit über Solvenz, Stabilität und Kaufkraft macht ein Investment in Gold sicherlich Sinn und eine Beimischung sollte in keinem Portfolio fehlen. Ausgraben, Einschmelzen und Verwahren ist quasi eine Art Versicherung vor einem instabilen Finanzsystem.

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Zusammengefasst

Gold in Zahlen:

  • 190.000 Tonnen wurden weltweit geschürft und sind nach wie vor im Umlauf.
  • Alles Gold auf der Erde wäre ein geschmolzener Würfel mit einer Seitenlänge von 21 Meter.
  • Die Hälfte des geschürften Goldes ist in der Schmuckindustrie verarbeitet.
  • Ein Viertel des gesamten Goldbestandes wird von Privatpersonen gehalten.
  • Etwa ein Fünftel aller Goldreserven liegt bei Zentralbanken.
  • Geologen vermuten noch 54.000 Tonnen Gold unter der Erde.
  • Aus nur 1 Gramm Feingold kann ein Draht von bis zu 3000 Metern Länge produziert werden.
  • Um die Erde mit einem Goldfaden zu umspannen, wären also nur etwas mehr als 13 Kilogramm Gold nötig.
Thema

FINANZ’19 in Zürich

Treffen Sie Harald Steinbichler am Stand M.08 auf der FINANZ’19 in Zürich (22./23. Januar 2019). Hier erfahren Sie mehr.

Autor

Harald Steinbichler

Harald Steinbichler ist geschäftsführender Gesellschafter bei axessum GmbH und zuständig für die Bereiche Investment und Consulting. Er betreut institutionelle Kunden im deutschsprachigen Europa seit dem Jahr 2005.

Herr Steinbichler begann seine Karriere 1993 in der Erste Bank als Händler für Derivative. Bei AXA und BVP Pensionskasse war er für das Asset Management verantwortlich. Innerhalb der Deutschen Bank Gruppe baute er das Institutionelle Kundengeschäft in Tschechien und Rumänien aus. In 2008 wechselte er in den Vorstand der AIG Financial Services und war für die Märkte Deutschland, Österreich und Osteuropa zuständig. Für die Falcon Private Bank gründete er die Institutionelle Vertriebseinheit Falcon Europe und betreute institutionellen Kunden in Österreich, Deutschland, Luxemburg und CEE. 2013 gründete Herr Steinbichler die axessum GmbH.

Herr Steinbichler ist verheiratet, hat drei Kinder, spielt Gitarre in der Gruppe „Nicht King Kong“ und ist aktiver Floorballer.

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