„Ich verstehe mich als unternehmerischer Investor“

Welche Chancen bietet Indien? Wird Amazon den Medikamentenhandel erobern? Löst Künstliche Intelligenz menschliche Fondsmanager ab?

FondsTrends sprach darüber mit Werner Engelhardt, Gründer von Lacuna und der FRONTERIS Unternehmensgruppe sowie Fondsmanager der Lacuna Healthcare Fonds.

FondsTrends: Herr Engelhardt, Sie haben das Management der Lacuna Healthcare Fonds Ende 2017 wieder selbst übernommen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und welche Chancen sehen Sie in diesem strategischen Schritt?

Werner Engelhardt: Ich bin Investor aus Leidenschaft. Mein erstes Aktieninvestment habe ich mit 14 Jahren getätigt und letztlich hat mich die Faszination für die Finanzmärkte seitdem nicht mehr losgelassen. Die Gründung von Lacuna als Student war ein erster wichtiger Schritt sowohl auf dem professionellen Finanzmarkt zu agieren und gleichzeitig als Unternehmer erste Erfahrungen zu sammeln. Durch den Aufbau der familieneigenen Unternehmensgruppe ist meine Aktivität als Investor dann in den folgenden 15 Jahren in den Hintergrund getreten. Umso mehr freue ich mich, dass ich nun wieder meinen Fokus auf meine Leidenschaft lenken kann und das Fondsmanagement der beiden Lacuna Healthcare Fonds wieder ins eigene Haus holen konnte. Ziel ist es die Erfahrungen aus dem Aufbau der FRONTERIS Unternehmensgruppe konkret auf den Kapitalmarkt anzuwenden und so die Lacuna Gesundheitsfonds langfristig erfolgreich zu managen.

FondsTrends: Seit Jahresbeginn hat sich Ihr Portfolio verändert. Unter anderem kam es beim Asia Pacific Health Fonds zu einer Verschiebung des Fokus von Japan nach Indien. Hat der japanische Markt an Attraktivität verloren? Was macht Indien so interessant?

Werner Engelhardt: Ein Umbau war vor allem deshalb nötig, weil das vorherige Fondsmanagement sich stark an der Benchmark orientiert hat, welche zu mehr als der Hälfte aus japanischen Aktien besteht. Vor allem drei Faktoren machen Indien aus unserer Sicht zu einem der attraktivsten Gesundheitsmärkte der Welt: Neben dem allgemeinen Bevölkerungswachstum, sowie der Tatsache, dass sich in den nächsten 20 bis 30 Jahren der Anteil der über 65-Jährigen mehr als verdoppeln wird, sehen wir in Indien ein enormes ökonomisches Aufholpotential. In Japan ist keiner dieser drei Faktoren präsent: Die japanische Bevölkerung schrumpft und ist bereits heute eine der reichsten und ältesten der Welt.

Allerdings erfolgt unsere Aktienauswahl nicht primär nach Herkunftsland. Wir sehen einfach die besseren Unternehmen in Indien. Denn ich verstehe mich als „unternehmerischer Investor“ und selektiere aus diesem Grund Werte mit einem starken „Burggraben“. Für mich ist die langfristige Entwicklung entscheidend. „Unternehmerisch investieren“ bedeutet für mich im Grunde so zu agieren, als würde ich das gesamte Unternehmen kaufen, nicht nur einen Aktienanteil. Daher fokussiere ich mich bei der Auswahl der Aktien mehr auf die Stärken der Unternehmen und der sie führenden Unternehmer und weniger auf den Rahmen.

FondsTrends: Amazon hat kürzlich die Versandapotheke PillPack übernommen. Der E-Commerce-Gigant will sich damit im Medikamentenhandel - insbesondere bei Arzneimitteln auf Rezept – besser positionieren. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? Könnte Amazon auf diesen Bereich einen ähnlich disruptiven Einfluss haben wie auf den klassischen Einzelhandel? Was bedeutet das ggf. für Ihre Fonds?

Werner Engelhardt: Wir halten es nicht für realistisch, dass es Amazon gelingt diesen Markt innerhalb kurzer Zeit zu dominieren. Blicken wir beispielsweise auf den amerikanischen Pharmagroßhandel, sehen wir drei große Firmen, die sich diesen Markt untereinander aufteilen. Deren Systeme, Distributionskanäle und Abrechnungsprozesse sind so spezialisiert und optimiert, dass ich deren Burggraben nicht in Gefahr sehe. Amazon wird meiner Einschätzung nach aufgrund seiner aktuellen Infrastruktur mittelfristig nicht entscheidend in diesen äußerst effizienten Markt eingreifen können.

FondsTrends: Insbesondere die US-Märkte sind sehr hoch bewertet, die Margen der Unternehmen auf Rekordniveau. Nach der Fed vollzieht nun auch die EZB eine geldpolitische Wende. Gleichzeitig steuert US Präsident Trump die USA in einen Handelskrieg mit der EU, China und anderen Ländern. Dieser Cocktail könnte an den Märkten zu stärkeren Turbulenzen führen. Wie stellen Sie sich in diesem Kontext auf?

Werner Engelhardt: Turbulenzen können an den Aktienmärkten immer eintreten. Ob diese nun durch einen Handelskrieg oder durch Zinsentscheidungen der Zentralbanken ausgelöst werden, kann man seriös nicht beantworten. Für unsere Lacuna-Portfolios sehe ich bei solchen Turbulenzen ein überschaubares Risiko. Aktuell sind viele unserer Investments größtenteils auf ihren Heimatmarkt ausgerichtet und haben daher keine nennenswerten Handelsbeziehungen zu den jeweiligen anderen Märkten, wodurch sich diese Unternehmen in solch einem Szenario als sehr robust erweisen sollten. Auch Turbulenzen durch die bevorstehende Zinswende stehe ich relativ gelassen gegenüber. Einerseits ist Gesundheit einer der defensivsten Sektoren und hält sich in Zeiten fallender Märkte in der Regel sehr gut. Anderseits ist ein großer Teil unserer Mittel momentan in Asien investiert, einem Markt der nicht direkt an der Zinssituation im Westen hängt.

FondsTrends: Derzeit gibt es geradezu einen Hype um Künstliche Intelligenz (KI) und deren mögliche Auswirkungen. Spielt das Thema auch für Sie im Rahmen des Fondsmanagements oder der Titelselektion eine Rolle? Setzen Sie womöglich selbst KI ein oder planen dies in der Zukunft?

Werner Engelhardt: Ich habe in den letzten 20 Jahren als Unternehmer sowohl große Erfolge als auch schmerzhafte Verluste erfahren und diese „mit der Hand auf der Herdplatte“ erlebt. Diese Erfahrungen prägen meine Entscheidungen noch heute. Die Beurteilung des Managementteams ist für den Erfolg eines Investments eine der entscheidendsten Faktoren – und ich bezweifle, dass KI dies in absehbarer Zukunft gleichwertig einschätzen kann. Die Prozesse hinter KI sind mir nicht vertraut, unternehmerisches Handeln und Investieren jedoch durchaus.

FondsTrends: Planen Sie eventuell die Auflage weiterer Fonds in der Zukunft?

Werner Engelhardt: Sollte sich die Gelegenheit für ein langfristig aussichtsreiches Produkt ergeben, werde ich nicht „nein“ sagen. Wir haben ein international und vor allem in Asien stark aufgestelltes Team, welches auf dem Sektor ‚Gesundheit‘ tiefgreifende Expertise vorweisen kann. Selbstverständlich würde sich dieses Team gerne auch neuen Herausforderungen stellen, in denen sie ihre Stärken erfolgreich einsetzen können.

FondsTrends: Herr Engelhardt, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

 

31. Juli 2018

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Werner Engelhardt

Werner Engelhardt gründete 1996 Lacuna und baute in den Folgejahren eine aktuell 300 Mitarbeiter umfassende Unternehmensgruppe auf. Ende 2015 kehrte er mit der Gründung der Lacuna Investment AG zu seinen Wurzeln zurück und fungiert seit Dezember 2017 wieder als Fondsmanager der Lacuna Healthcare Fonds.

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