Zuerich am See

Nachgefragt … diesmal: FINANZ’19 in Zürich

Die größte Schweizer Finanzmesse öffnet am 22. und 23. Januar 2019 in Zürich ihre Türen für über 90 ausstellende Unternehmen und stellt somit einen neuen Ausstellerrekord auf. Sie dürfen sich auf ein abwechslungsreiches Programm freuen. Unter den Referenten ist unter anderem auch der frühere britische Premierminister Gordon Brown.

Unser Redaktionsteam sprach für Sie vorab mit den Experten von Medical Strategy, LOYS, Abaris, Falcon Fund Management und Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG. Was bewegt die Branche aktuell und was dürfen wir 2019 erwarten? Erfahren Sie mehr im Interview:

Politisch bedingte Schwächephasen als Chance für Investmentprozesse nutzen

FondsTrends: Das Jahr 2018 war durchaus herausfordernd für Aktienanleger – was kann man aus dem vergangenen Jahr lernen und worauf sollten Investoren sich in 2019 am Aktienmarkt einstellen?

Ufuk Boydak

Ufuk Boydak

Ufuk Boydak – LOYS AG:
Das abschließende Quartal in 2018 hat uns viel Gegenwind an den Aktienmärkten beschert. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass Aktieninvestments mit einem Auf und Ab einhergehen. Eine Vielzahl an Unsicherheitsfaktoren hat spürbar auf das Investitionsumfeld eingewirkt: nicht zuletzt die immer wieder möglichen eskalierenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, Unsicherheiten in Italien, die Brexit-Verhandlungen, sowie die anziehende Inflation in Europa und weitere Gewinnwarnungen globaler Unternehmen.

Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig zu wissen woran man beteiligt sein möchte. Für uns gibt es hier nur eine Antwort: Qualitätsunternehmen, die weniger kosten als sie wert sind. Daher nutzen wir Schwächephasen wie die Korrektur Ende 2018 zum günstigen Einstieg oder um geschätzte Unternehmen unter ihrem Fairen-Wert nachzukaufen. Hierbei verlassen wir uns auf unsere solide und ausgereifte Anlagephilosophie und unseren bewährten Investmentprozess. So können wir auch jetzt überzeugt investieren und die Saat für zukünftige Überrenditen säen.

Investoren sollten aus solchen Phasen in jedem Fall mitnehmen, dass am Aktienmarkt Geduld gefragt ist und die Zeit ein wesentlicher Faktor für Renditeziele ist. Wir möchten uns mit unserem Kapital nicht schneller bewegen, als sich ein Unternehmen entwickeln kann und verstehen uns daher als wahrhaftige Investoren. Erst über einen Aktien-adäquaten Zeithorizont von 3-5 Jahren zeigt sich die Performance eines Investments.

Hinzu kommt, dass Aktien in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld weiterhin alternativlos erscheinen. Dennoch müssen wir in Zukunft sicherlich verstärkt damit rechnen, dass Trends an den Märkten zusätzlich von passiven Investments verschärft werden. Die steigende Nutzung passiver Produkte wird unserer Meinung nach einen merklichen Einfluss haben. Gleichermaßen haben aktive Fondshäuser umso mehr die Chance, sich von passiven Strategien abzugrenzen und ihren Mehrwert deutlich zu machen.

Anfang November 2018 haben wir den europäischen Aktienfonds (LOYS Europa System) in LOYS Aktien Europa umbenannt. Der LOYS Global System trägt seit Jahreswechsel analog zum Europafonds den Namen LOYS Aktien Global. Entsprechend wollen wir mit der neuen Namensgebung für mehr Klarheit sorgen und Verwechslungen mit quantitativen Strategien vorbeugen. Die LOYS AG ist ein reines Aktienhaus und wird dies auch bleiben.

Das FNG-Siegel hilft dabei, besonders nachhaltige Fonds zu identifizieren

FondsTrends: Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt bei Investoren immer mehr an Bedeutung. Auch Ihr Unternehmen bietet ethisch-nachhaltige Investmentkonzepte an. Bei der Auswahl geeigneter Aktien und Anleihen für nachhaltige Investments wird nicht selten der Verzicht auf das Bauchgefühl als besonderes Qualitätsmerkmal bezeichnet. Zu Recht? Können Sie uns ein Beispiel nennen für die Nutzung qualitativen Wissens bei der Analyse von Unternehmen?

Stefan Streiff

Dr. Stefan Streiff

Dr. Stefan Streiff – Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG:
Im Anlageprozess kommt quantifizierbaren Daten und Fakten eine unverzichtbare Rolle zu. Das gilt sowohl im Portfoliomanagement als auch in der Nachhaltigkeitsanalyse – hier sind das die ESG-Daten (Environment, Social, Governance).

Das für die PRIME VALUES Fonds der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) tätige Ethik-Komitee geht jedoch davon aus, dass bei der Analyse der Emittenten bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn dieses explizite, quantitative Wissen mit qualitativem Wissen kombiniert wird.

Hier ein Beispiel aus der Praxis: Das Ethik-Komitee hat 2013 die US-Bank Wells Fargo aus dem Anlageuniversum der PRIME VALUES Fonds ausgeschlossen. An quantitativ erfassbaren ökonomischen Daten lag das nicht, auch nicht an etwa mangelhafter Erfüllung von ESG-Kriterien. Grund für den Ausschluss war die hochriskante Geschäftspolitik der ehemals sehr soliden Bank. Sie übernahm nach der Finanzkrise die zweifelhaften Geschäftspraktiken, mit denen Wall Street Banken die Finanzkrise hervorgerufen hatten.

Zudem stellte sich noch weiter heraus, dass Mitarbeiter 3.5 Millionen Scheinkonten auf die Namen ahnungsloser Kunden eröffneten, weil sie sich anders nicht im Stande sahen, die unrealistischen Zielvorgaben der früheren Geschäftsleitung zu erfüllen. Dass das nicht gut gehen konnte, war 2013 qualitativ erkennbar – die Kontroversen setzten dann Mitte 2016 ein. Qualitatives Wissen kann dabei helfen, Risiken zu vermeiden, mehr noch: vorzeitig und besser zu erkennen, als das mit ESG-Kriterien allein möglich wäre.

Übrigens: Die Nachhaltigkeitsfonds H & A PRIME VALUES Income und H & A PRIME VALUES Growth erhielten auf Grund ihrer besonders anspruchsvollen und umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie zum fünften Mal in Folge das begehrte FNG-Siegel mit zwei von drei Sternen. Zusätzlich erzielten die Fonds Punkte in den Bereichen institutionelle Glaubwürdigkeit, Produktstandards sowie Selektions- und Dialogstrategien. Die hohe Nachfrage nach diesen Produkten bestärkt uns, auch für das kommende Jahr unsere Strategie akribisch zu verfolgen und diese kontinuierlich auszubauen.

Finanzexperten auf der Finanz19

Finanzexperten auf der 21. Finanzmesse in Zürich (Stand M.08)

Der Techsektor steht unter Druck und bietet gute Anlagechancen bei neuen Produktzulassungen

FondsTrends: Welche Neuigkeiten gibt es im Hause Medical Strategy?

Jürgen Harter – Medical:
Wir freuen uns sehr über eine Auszeichnung, die wir kürzlich erhalten haben. Wir wurden bei den Funds Europe Awards 2018 in London im Segment „European Specialist Investment Firm of the Year“ ausgezeichnet. Eine schöne Anerkennung unserer stringenten Anlagepolitik im Healthcare- und Biotechsegment sowie eine Bestätigung für uns, dass wir mit dem Anlageschwerpunkt auf Small- und Mid Caps  genau richtig liegen und somit auch für 2019 optimal aufgestellt sind.

FondsTrends: Sie haben mit Ihrem Ansatz, überwiegend in kleinere Unternehmen zu investieren, langfristig eine klare Outperformance erzielt. Wie ist Ihr Ausblick für 2019?

Jürgen Harter – Medical: Seit Oktober ist die Volatilität an den Aktienmärkten zurückgekehrt. Insbesondere die Flaggschiffe im Techsektor sind unter Druck gekommen. Das hat über die Indexzugehörigkeit auch auf Biotechunternehmen ausgestrahlt. Dies spiegelt jedoch nicht die fundamentale Situation wieder. Der Bereich befindet sich in einem lang anhaltenden Innovationszyklus. Das lässt sich, u. a. an der Anzahl der von der FDA neu zugelassenen Produkte festmachen. Ende November 18 wurde mit 55 Zulassungen noch vor Jahresende ein neuer Rekord erreicht. Strategischen Investoren bieten sich an volatilen Tagen hervorragende Opportunitäten, die wir gerne nutzen möchten. Wir erwarten für 2019 auch eine Fortsetzung der M&A Aktivitäten. Übernahmeziele sollten überwiegend kleine Unternehmen mit innovativen Produktentwicklungen sein. Also genau die Gruppe, auf die wir unser Hauptaugenmerk richten.

Große Chancen für Investitionen im Technologie-Sektor bei Privatkunden-Portfolios

FondsTrends: Im Technologie-Sektor konnten Anleger in den letzten 10 Jahren mit die höchsten Kursgewinne am Aktienmarkt erzielen. Gleichzeitig waren die Bewertungen vieler Technologie-Aktien sehr hoch, was eine Vielzahl an Anlegern abschreckte, sodass sie an der Tech-Rally nicht partizipierten. Im vierten Quartal 2018 hat der Technologie-Sektor nun auch eine Korrektur am US Aktienmarkt eingeleitet. Auslöser war unter anderem der Handelsstreit zwischen den USA und China. Wird sich die positive Entwicklung des Technologie-Sektors Ihrer Meinung nach langfristig fortsetzen?

Björn-Markus Kott

Björn-Markus Kott

Björn-Markus Kott – Abaris Investment Management:
Viele Portfolios werden heutzutage nach dem Value Stil verwaltet. Dabei ist immer die Frage, was genau unter Value verstanden wird. Die Mehrzahl der Marktteilnehmer fokussiert sich dabei jedoch auf Investitionen in Aktienwerte von Unternehmen, die eine möglichst sehr günstige Bewertung aufweisen, sofern das Unternehmen weiterhin Gewinne erwirtschaftet und einen gesunden oder tragbaren Verschuldungsgrad aufweist. Da Technologie Unternehmen aber häufig gar keine oder nur sehr geringfügige Gewinne und zugleich hohe Bewertungen aufweisen, können viele qualitativ hervorragende Technologie-Unternehmen von Value Ansätzen nicht richtig erfasst werden und fallen somit bei der Aktienselektion durchs Raster. Dabei wird häufig missverstanden, dass Bewertung in Relation zur Wertschöpfung eines Unternehmens zu setzen ist, sodass eine hohe Bewertung bei dauerhaft hoher Wertschöpfung auch angemessen ist. Da Tech-Unternehmen zum Teil aber keine Gewinne aufweisen, fällt es vielen Marktteilnehmern schwer, überhaupt die Wertschöpfung von Tech-Unternehmen zu quantifizieren. Daher ist eine alternative Betrachtungsweise bei der Analyse wachstumsstarker Tech-Unternehmen notwendig. Als Folge dessen sind auch heute noch, im „Age of Technology“, viele Privatkunden-Portfolios systematisch unterinvestiert in Technologie-Werte, obwohl gerade in diesem Sektor auch in den kommenden 10 Jahren weiterhin eines der größten Wertschöpfungspotenziale im gesamten Aktienmarkt liegt.

Prominentestes Beispiel für diesen Sachverhalt ist das Unternehmen Amazon, das während der letzten ca. 20 Jahre kaum Gewinn erzielt hat, dessen Bewertung auf Basis des Kursgewinnverhältnisses (KGV) stets astronomisch hoch erschien. Offensichtlich war es dabei aber so erfolgreich ist, dass es heute zu einem der größten Unternehmen der Welt zählt und seit seinem Börsengang im Jahr 1997 bis heute eine Rendite von >100‘000% oder > 38% p.a. erzielt hat (Datenquelle: Bloomberg). Im Falle von Amazon waren massive Reinvestitionen in die eigen Logistik-Infrastruktur (Retail) und in High Performance Data Centers (Cloud Computing), die Amazon enorme Skaleneffekte bescherten und heute dazu beitragen, dass Amazon seinen Marktanteil gegenüber Konkurrenten erfolgreich verteidigen kann, der Grund für die (bewusst) tiefen Gewinne und damit ein scheinbar absurd hohes KGV, das einfach die falsche Finanzkennzahl für die Bewertung des Unternehmens war. Doch genau durch diese Reinvestitionen profitiert Amazon heute von hohen Markteintrittsbarrieren und kann dauerhaft in diesen Geschäftsfeldern profitabel verdienen.

Wer sich mit den Mega-Trends der Technologisierung im 21. Jahrhundert ernsthaft und fundiert beschäftigt, wird schnell feststellen, dass sich die IT Infrastruktur der Welt ändert und sich Megatrends wie Artificial Intelligence oder Cloud Computing unaufhaltbar durchsetzen. In diesem Zusammenhang bietet der aktuelle Rücksetzer einer Vielzahl qualitativ hochwertiger, wachstumsstarker Technologieaktien im globalen Tech-Universum einen exzellenten Einstiegszeitpunkt für langfristige Investoren, die sich an innovativen Unternehmen beteiligen wollen, die unsere Zukunft gestalten und verändern werden. Im Abaris Technology Opportunities Fonds bündeln wir wachstumsstarke Tech-Unternehmen, deren fundamentale Wertschöpfung mit hoher Visibilität dauerhaft besonders hoch ist und langfristig von anderen Marktteilnehmern systematisch unterschätzt wird. Somit eignet sich Abaris Technology Opportunities als ein bewusst offensiver Aktienfonds als ideale Ergänzung in traditionellen Aktienportfolios, die zumeist auch in 2018 in Technologie-Aktien weiterhin unterinvestiert sind. Selbstverständlich wird es auch in der Zukunft immer wieder deutliche Rücksetzer „unserer“ Tech-Aktien geben, aber diese gab es bei Amazon in den letzten 20 Jahren auch immer wieder. Seriöses Investieren ist letztlich nie ein Sprint, sondern immer ein Marathon.

Cyber-Risiken als potenzieller Zukunftsmarkt für CAT Bonds

FondsTrends: CAT Bond Manager präsentieren oftmals Naturkatastrophen wie Hurrikan, Erdbeben oder Taifune. Im Jahr 2018 waren jedoch Waldbrände das bestimmende Thema. Kommen hier neue Naturkatastrophen auf die Investoren zu?

Harald Steinbichler

Harald Steinbichler

Harald Steinbichler – Falcon Fund Management (Luxembourg) S.A.:
Ja, 2018 war sicherlich ein eher untypisches Jahr für Naturkatastrophen. Die Hurrikansaison im Pazifik war aufgrund der warmen Temperaturen sehr aktiv, im Atlantik war die Aktivität unterdurchschnittlich mit nur zwei Major Hurrikans, die aber beide die Küste erreichten. Aufgrund der warmen Temperaturen war auch Kalifornien von den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte betroffen. Waldbrände sind zwar ein nur sehr gering gewichtetes Risiko im CAT Bond Bereich, aber sicherlich ein sehr bestimmendes in 2018. Im Versicherungsbereich generell wird das Thema Cyber Risiko stark diskutiert – dies ist aber im CAT Bond Markt derzeit noch nicht abgedeckt, aber eventuell ein Zukunftsmarkt für die gesamte Industrie. Mittelfristig halten wir CAT Bonds aufgrund des tiefen Zinsniveaus, der Schuldenkrisen der Staaten und der verhaltenen Wachstumsaussichten für die Wirtschaft weiterhin für eine attraktive Assetklasse.

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Falcon Fund Management: „Alle reden vom Klima, bekommen aber das Wetter – CAT Bonds im aktuellen Marktumfeld“
Hier geht’s zum Vortrag.

Medical Strategy: „Mit Small- und Mid Caps von Quantensprüngen in der Medizin profitieren“
Hier geht’s zum Vortrag.

LOYS: „Aktien aus Überzeugung – Systematisches Stockpicking für kalkulierbare Renditen“
Hier geht’s zum Vortrag.

 

Autor

Sonja Becker

Sonja Becker ist im Bereich Relationship Management Coordination bei Hauck & Aufhäuser Fund Services S.A. tätig. In dieser Position unterstützt sie die Kundenbetreuung bei Projekten, Veranstaltungen, Messeauftritten und weiteren Vertriebsthemen. Zudem ist sie verantwortlich für die FondsTrends Plattform, koordiniert die Veröffentlichung der Beiträge und ist Ansprechpartnerin für Autoren. Die Europasekretärin mit einem Bachelor Professional of Business CCI Abschluss verfügt über 12 Jahre Erfahrung am Finanzplatz Luxemburg.

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