„Nachhaltigkeit wird Mainstream“

Ein wesentlicher Fondstrend der vergangenen zwei Jahre ist das Thema ESG. Nachhaltiges Investieren gewinnt durch politische Förderung und verändertes Investorenverhalten immer mehr an Bedeutung. Am 29. November 2018 wurde auf dem Frankfurter Römerberg zum vierten Mal das FNG-Siegel an nachhaltige Investmentfonds vergeben.

Lothar Antz von ÖKORENTA erhielt für seinen Fonds „ÖKOBASIS One World Protect“ zwei von drei Sternen für eine besonders anspruchsvolle und umfassende Nachhaltigkeitsstrategie. Wir sprachen mit ihm und dem Siegel-vergebenden Geschäftsführer der Gesellschaft für Qualitätssicherung nachhaltiger Geldanlagen (GNG), Roland Kölsch, über Motive für die Zertifizierung, den Ablauf des Auditprozesses und die längerfristige Bedeutung eines Nachhaltigkeitsratings.

FondsTrends: Herr Antz, zunächst herzliche Gratulation zum FNG-Siegel mit zwei Sternen für Ihren Fonds „Ökobasis One World Protect“! Was waren für Sie die Beweggründe, das Siegel anzustreben und wie sah der Weg bis zum Ziel aus?

Lothar Antz: Wir haben früh erkannt, dass das FNG-Siegel das in Deutschland wichtigste Instrument ist, um zu zeigen, dass man die Nachhaltigkeit ernst nimmt. Daher haben wir uns, obwohl der Fonds noch recht jung ist, dafür entschieden diesen aufwändigen Prozess zu durchlaufen. Die Zusammenarbeit mit dem FNG und der Universität Hamburg, die ja für die Due Diligence Prüfung verantwortlich ist, war sehr spannend und professionell. Wir haben hierbei noch viel lernen können und freuen uns sehr, dass unser Ansatz zu so einem erfreulichen Ergebnis geführt hat. Das bestärkt uns auf unserem Weg.

FNG_Nachhaltigkeitssiegel

Das FNG-Siegel für nachhaltige Investmentfonds mit zwei Sternen für den „Ökobasis One World Protect“

FondsTrends: Ein Zertifizierungsprozess ist immer recht aufwendig, führt aber durchaus auch zu Erkenntnissen, die zu Prozessverbesserungen oder neuen Ideen führen. Haben Sie, Herr Antz, ähnliche Erfahrungen gemacht? Gibt es möglicherweise sogar dauerhafte Änderungen in Ihrem Anlageprozess oder anderen Bereichen in Ihrem Unternehmen?

Lothar Antz: Da wir mit der Steyler Ethik Bank einen Partner haben, der die Nachhaltigkeit in ihrer DNA hat und unser Fondsmanager, Grohmann & Weinrauter, einen extrem disziplinierten Anlagenprozess verfolgt, hat der Zertifizierungsprozess hier keinen Einfluss auf die Prozesse. Anders sieht es im Unternehmen aus. Hier werden wir im nächsten Jahr verstärkt auf die Schulung der Mitarbeiter Wert legen. Es sind schon Schulungen im nachhaltigen Bereich geplant. Außerdem werden wir eine interne Richtlinie erstellen, die dazu führen wird, dass wir sehr bewusst Maßnahmen definieren, die die Umwelt schonen werden. Papierloses Büro, Vermeidung von Plastikabfällen, eine Dienstreiseverordnung und die Nutzung von E-Bikes sind hier nur einige Beispiele.

Hier sind im Laufe des Zertifizierungsprozesses viele Ideen angesprochen worden und befinden sich nun in der Umsetzung.

 

Aufbau Methodik FNG-Siegel 2019

Aufbau der Methodik des FNG-Siegels 2019

FondsTrends: Nachdem Sie das FNG-Siegel nun haben – wie gedenken Sie es einzusetzen? Haben Sie schon konkrete Vorstellungen, wo es platziert werden soll und wie Sie es an Investoren kommunizieren?

Lothar Antz: Wir werden unsere Kunden und Partner schriftlich über die Siegelvergabe informieren. Außerdem wird das FNG-Siegel Logo im Factsheet des Fonds und auf unserer Website www.one-world-protect.com integriert. Zahlreiche Gespräche mit potenziellen Kunden haben gezeigt, dass z. Bsp.viele Vermögensverwaltungen bei ihrer Allokation nur noch Fonds berücksichtigen, die das FNG-Siegel haben. Es ist aus meiner Sicht also ein absolutes Qualitätsmerkmal.

 

Siegel-Verleihung

Die FNG-Siegel Vergabe-Feier am 29. November 2018 in Frankfurt

FondsTrends: Herr Kölsch, Sie waren viele Jahre selbst als Fondsmanager tätig. 2015 und 2016 haben Sie sich dann u.a. sozial außerhalb der Finanzbranche engagiert, bevor Sie Anfang 2017 bei GNG starteten. Wie sind Sie auf die GNG gestoßen und was hat Sie dazu bewogen, Ihre Energie für nachhaltiges Investieren einzusetzen?

Roland Kölsch: Es war während einer Auszeit nach vielen Jahren bei der Deutschen Bank, als in mir die Überzeugung reifte, meine Kenntnisse aus dem Portfoliomanagement eines hoch professionellen Asset Managers mit einem gewissen Idealismus zur Weltverbesserung zu kombinieren, um die Herausforderungen der Wirtschaftswelt innerhalb der Gesellschaft und auf unserem Planeten besser meistern zu können. 2005 hatte ich die Chance, beim damals größten SRI-Haus in Europa, Dexia AM (heute Candriam), viel über Nachhaltige Geldanlagen zu lernen. Nach weiteren Jahren in der Schweiz und meiner Mosel-Heimat, hörte ich während meines Umzugs nach Paris zufällig von der Suche des FNG (Forum Nachhaltige Geldanlagen) nach einem Verantwortlichen für die Belange der Tochtergesellschaft zur SRI-Qualitätssicherung. Im FNG-Siegel sehe ich eine sehr gute Möglichkeit, Nachhaltigkeit weiter im Finanzmarkt zu verankern und zu helfen, vernünftige und solide Nachhaltigkeits-Produkte besser sichtbar zu machen. Gerade in Zeiten der „mainstreamisierung“ ist dies nötig, um Investoren vor Mogelpackungen und Greenwashing zu schützen und die guten Angebote auszuzeichnen.

FondsTrends: In Luxemburg bietet LuxFLAG (www.luxflag.org) verschiedene Label an, u.a. in den Bereichen Microfinance, Umwelt, Climate Finance oder ESG. Herr Kölsch, was unterscheidet Ihren Ansatz von LuxFLAG? Wäre in der Zukunft auch eine Kooperation zwischen GNG und LuxFLAG oder vergleichbaren Anbietern denkbar?

Roland Kölsch: Ich habe keinen Einblick, wie das Label in Luxemburg funktioniert. Außerdem steht es mir nicht zu, dies zu bewerten. Wenn ich mir die Zahlen ansehe, so scheint Microfinance sehr nachgefragt zu sein. Was ich für das FNG-Siegel sagen kann, so sind wir sehr transparent, was die Kriterien angeht, der gesamte Prüfprozess ist nachvollziehbar und wir sind mittels Rückmeldeschleifen im Dialog mit den Bewerbern. Außerdem sorgt die Governance-Struktur für ein hohes Maß an Objektivität, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit, insbesondere durch ein externes Audit seitens der Universität Hamburg. Übrigens zahlt eine Fondsgesellschaft bereits mit Abgabe ihrer Bewerbung, auch wenn Fonds (was bislang jedes Jahr vorkam) das Gütezeichen nicht erhalten.

Durch das Ansinnen der EU, das existierende EU-Ecolabel auf rein grüne, also umweltbezogene (Themen)Investments zu erweitern, sind wir bereits mit LuxFLAG in einer Arbeitsgruppe. Meines Erachtens macht es Sinn, dass sich aktuelle Label-Systeme, wie es sie auch in Frankreich, Skandinavien, Österreich und demnächst Belgien gibt, im EU-Sinne harmonisieren und im Idealfall einem hoheitlichen Rahmenwerk der EU unterstellt sind. Dies, um weiterhin unterschiedliche nationalstaatliche Nachhaltigkeitspräferenzen berücksichtigen zu können, aber vielmehr, um die lokale Vertriebsverankerung weiterhin zu nutzen – nah bei den Menschen – auch das ist nachhaltig.

FondsTrends: Für den langfristigen Erfolg eines Siegels ist die Sichtbarkeit bzw. die Marktdurchdringung entscheidend. Was tun Sie, Herr Kölsch, um GNG und das FNG-Siegel bekannter zu machen? Gibt es hier eventuell auch konkrete Unterstützung aus der Investmentbranche?

Roland Kölsch: Genau so, wie bisher das Gros der Nachfrage nach Nachhaltigen Geldanlagen bislang aus dem institutionellen Markt kommt, fragen Endinvestoren wie Pensionsvermögen, Stiftungen und Kirchen auch vermehrt danach – manchmal indirekt. Der EUR 10Mrd. große Pensionsfonds des Landes NRW beispielsweise hat unsere Ausschluß-Mindestkriterien in seine Anlagebedingungen übernommen. Der EUR 24 Mrd. schwere „Atomfonds“ wollte nicht unter unsere Mindestkriterien fallen. In Österreich investiert die komplette betriebliche Altersvorsorge fast ausschließlich in zertifizierte Nachhaltige Geldanlagen.

Auf der Retailseite kommt so langsam Bewegung. Fondsplattformen und Maklerverbünde entdecken das Thema. So hat ebase (B2B) mit finvesto (B2C) teils exklusive Rubriken nur für Fonds mit dem FNG-Siegel. Auch mit FondsDiscount und wallstreet-online kooperieren wir. Kürzlich hat die FondsKonzept als einer der großen Maklerverbünde (EUR 10 Mrd. AuA) sich für unseren Standard als Auswahlkriterium für Nachhaltige Fonds entschieden. Da wir die Nutzung des Siegels kostenfrei halten möchten, sehen die ersten Vermögensverwalter und Banken hierin eine gute Möglichkeit, von einer bereits extern durchgeführten „due diligence“ von SRI-Fonds zu profitieren bis hin zum Einsatz hinsichtlich der MiFID II – Geeignetheitsprüfung, da Berater anhand unserer Methodik gut geschult werden können. Ein Beispiel ist die BW-Bank.

Ehrlicherweise sage ich aber auch, dass wir auf die Häuser, deren Fonds das FNG-Siegel tragen, angewiesen sind, in ihren Vertriebsnetzwerken auf diese intensive Qualitätsprüfung hinzuweisen.

FondsTrends: Abschließend eine Frage an Sie beide mit Blick in die Zukunft: ESG ist inzwischen ein großes Thema im Asset Management. Ist es womöglich dennoch nur eine „Modeerscheinung“ oder doch ein echter Paradigmenwechsel? Wie schätzen Sie die Bedeutung nachhaltigen Investierens und Nachhaltigkeitsratings längerfristig ein?

Lothar Antz: Wir haben uns bei unserem Fonds ja auf das Thema SDG , also die nachhaltigen Ziele der Vereinten Nationen für das Jahr 2030, konzentriert. Das Thema findet in der Öffentlichkeit immer mehr an Bedeutung. Die Initiativen der EU und auch auf nationalen Ebenen zeigen, dass es keine Modeerscheinung ist. Die Fragestellung wird in Zukunft nicht mehr sein ob man nachhaltig investiert, sondern in welches nachhaltige Produkt. Nachhaltigkeit wird Mainstream. Ohne WENN und ABER.

Roland Kölsch: Gegenfrage: Ist es weiterhin bzw. überhaupt möglich, mit unserer Wirtschaftsweise und Konsumverhalten die Ressourcen unseres Planeten und das Zusammenleben der Menschheit ausgewogen zu gestalten? Da die Finanzwirtschaft alle Bereiche des Wirtschaftens verbindet, ist es unumgänglich, bislang traditionelle Geldanlagen durch Nachhaltigkeit zukunftsfähiger zu machen und aktuelle Angebote konkreter Nachhaltiger Geldanlagen vom Volumen her auszuweiten.

Es liegt an uns allen zu zeigen, dass es für das Überleben des Planeten nicht das Beste ist, wenn wir uns als Menschen von ihm verabschieden. Das überzeugendste Argument ist jedoch ein ganz anderes: Es kostet einfach zu viel Geld, sprich Performance, zukünftig nicht auf ein MEHR an Nachhaltigkeit im Asset Management zu setzen.

FondsTrends: Herr Antz, Herr Kölsch, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Gruppenfoto FNG-Siegel-Verleihung

FondsTrends gratuliert allen Nominierten herzlich zur Verleihung des FNG-Siegels

Was denken Sie? Nachhaltige Investments, ESG und entsprechende Siegel bzw. Zertifizierungen sind:

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Lothar Antz

Portrait Lothar Antz

Lothar Antz (Jahrgang 1963) ist Geschäftsführer der Ökorenta Luxemburg GmbH. Zu Beginn seiner Karriere war er zehn Jahre im genossenschaftlichen Bereich in Luxemburg tätig, unter anderem bei Union Investment und als Geschäftsführer bei attrax. Danach leitete er für 3 Jahre den Vertrieb der Dexia Assetmanagement in Deutschland. Daraufhin war Lothar Antz für fünf Jahre Geschäftsführer bei GIP Invest und anschließend fünf Jahre geschäftsführender Gesellschafter bei Bonafide Invest Luxemburg. Seit drei Jahren ist er für Ökorenta Luxemburg tätig.

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Roland Kölsch

Portrait Roland Kölsch

Roland Kölsch (Jahrgang 1974, Diplom-Betriebswirt FH) ist seit Januar 2017 Geschäftsführer bei der Gesellschaft für Qualitätssicherung nachhaltiger Geldanlagen (GNG), eine hundertprozentige Tochter des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) e.V. mit Sitz in Berlin. Zuvor war er u.a. als Fondsmanager bei Deutsche Asset Management und Dexia Asset Management sowie als Leiter Asset Management bei Alternative Bank Schweiz AG tätig. Zudem unterrichtete er mehrere Jahre an der Frankfurt School of Finance & Management.

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