Nordische Länder bei ESG seit jeher Innovationstreiber

Nachhaltiges Investieren wandelt sich vom reinen Investmentansatz zum übergreifenden Anlageprozess. Dabei stehen institutionelle Anleger vor unterschiedlichen Hürden. Produktive strategische Lösungskonzepte bieten vor allem die skandinavischen Staaten.

Das Nordic Investment Manager Forum findet in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal statt. Vom 16.-18. Oktober stehen die Vorträge und Diskussionen in den drei Städten Zürich, München und Luxemburg ganz im Zeichen von ESG. Zu den wichtigsten Inhalten zählen die Herausforderungen bei der Integration der ESG-Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung im Investmentprozess institutioneller Anleger.

Im Mittelpunkt steht ein grundsätzliches Dilemma der Branche. Zwar verlangt eine stark wachsende Zahl von Investoren, dass ihr Geld Positives bewirkt. Doch was bedeutet grünes oder nachhaltiges Investment genau? Ein Stolperstein vor diesem Hintergrund sind fehlende Standards zur Definition von Nachhaltigkeit.

Fragen wirft auch der Themenkomplex Impact Investing und Sustainable Development Goals (SDGs) auf: Wie lassen sich beispielsweise die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele und Impact-Betrachtungen sinnvoll in bestehende Prozesse integrieren und über die reine Berichterstattung hinausbringen? Eine weitere Herausforderung besteht in der Fragestellung, wie weit sowohl institutionelle Investoren als auch Asset Manager mit Blick auf die Klima-Diskussion gehen sollen und nach welchen Kriterien entschieden werden soll bzw. welche Strategien sinnvoll sind. Letztendlich muss auch geklärt werden, wie ESG-Ansätze sinnvoll in nicht-traditionelle Anlageklassen integriert werden können.

Langjährige Erfahrung im Norden

Auf der Suche nach Lösungsansätzen richten einige Marktteilnehmer ihren Blick nach Norden. Die nordischen Länder sind Pioniere, wenn es um Nachhaltigkeit geht – und das schon seit über 30 Jahren. ESG ist fester Bestandteil des Investmentprozesses und gehört dazu wie das Salz zur Suppe. In keiner anderen Region wurde der normative Fokus so weit im Markt und bei so unterschiedlichen Investorentypen umgesetzt. Wir beobachten, dass die relevanten nordischen Asset-Eigentümer sehr stark an dem Thema ESG interessiert sind. Die meisten der großen Akteure untersuchen mittlerweile auch komplexere Risikointegrationsfaktoren in ihren Investitionen und üben Druck auf ihre externen Manager in anderen Teilen der Welt aus.

Die Vorreiterrolle der nordischen Staaten mit Blick auf Nachhaltigkeit spiegelt sich auch in der Politik wider. Schon früh wurden das Wahlrecht für Frauen, die Schaffung gleicher Möglichkeiten für alle und die Bekämpfung von Bestechung gewährleistet. Somit verwundert kaum, dass das Ideal einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Zukunft an Unternehmen weitergegeben wurde, um innovative Lösungen zu fördern. Ein weiterer Faktor für die frühzeitige Anpassung von Socially Responsible Investments (SRIs) in Skandinavien könnte nicht zuletzt die Beziehung der Menschen zur Natur sowie die harten Winter sein, die dazu führen, dass die Interessen der Gemeinschaft über die individuellen Bedürfnisse gestellt werden.

An der Spitze des Länderrankings

In Dänemark haben die größten institutionellen Investoren individuelle Richtlinien für verantwortliches Anlegen definiert. Neu ist, dass die Integration von ESG-Faktoren in verschiedenen Anlageklassen durchgeführt wird, und dass die relevanten Funktionen in den Unternehmen stärker einbezogen werden. Zudem erfolgt eine stärkere Verankerung auf Führungsebene.

Eine aktuelle Studie des Danish Sustainable Investment Forum (Dansif) unter den Top 50 der institutionellen Investoren in Dänemark bestätigt diese Entwicklung. Danach erfolgt die ESG-Integration zunehmend über mehrere Anlageklassen hinweg und mit einer höheren Beteiligung auf Top-Management-Ebene erfolgt. Nicht ohne Grund stehen die skandinavischen Länder im auf 100 quantitativen und qualitativen Kriterien basierenden ESG-Länderranking im Bereich „Klimawandel und Energie“ im ESG-Länderbericht der Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS 2019 an der Spitze.

 

10. Oktober 2019

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Nordic Investment Managers Forum 2019

Im Oktober ist es soweit: Das Nordic Investment Managers Forum geht in Zürich (16.10.), München (17.10.) und Luxemburg (18.10.) in die 6. Runde. Hier geht es zur Anmeldung.

Autor

Thomas Justen

Thomas Justen ist Head of Wholesale Business DACH bei der dänischen Investmentboutique Jyske Capital. Dort ist er auch für den Vertrieb des Fokusprodukts verantwortlich, den vor rund 16 Jahren aufgelegten defensiven Mischfonds Jyske Invest Stable Strategie. Bevor er im Jahre 2017 zu der Vermögensverwaltung der Jyske Bank stieß, war er u.a. neun Jahre bei Baring Asset Management tätig, davon fünf Jahre lang als Head of Sales mit Vertriebsschwerpunkt Schweiz und Luxemburg.

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