Robo-Advisor, Cyborg und Vertrauen – was macht die menschliche Komponente aus?

Schon mehrfach haben wir auf FondsTrends über Robo-Advisor berichtet. Heute möchten wir dazu Dirk Fischer, Geschäftsführer der Patriarch Multi-Manager GmbH, befragen, der sich schon seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt.

FondsTrends: Robo-Advisor gibt es ja nicht erst seit gestern und mittlerweile sind zahlreiche Anbieter damit auf dem Markt vertreten. Welche Anlegergruppen kann man heute damit erreichen?

Dirk Fischer: Die Statistik zeigt, dass die Kunden, die in Robo-Advisor investieren nicht – wie vielleicht vermutet – die klassischen 20-jährigen Nerds sind. Der klassische Nutzer ist zu 80% männlich, Mitte 40 und kann relativ hohe Summen investieren. Dabei gibt es vor allem zwei Arten von Kunden, die Robo-Advisor nutzen. Zum einen die Kostensensiblen und zum anderen diejenigen, die wenig Zeit haben, eine klassische Beratung in Anspruch zu nehmen. Und dann gibt es auch immer wieder die Kunden, die in irgendeiner Form schlechte Erfahrungen mit der Beratung gemacht haben und das selbst in die Hand nehmen wollen.

FondsTrend: Gibt es aus Ihrer Sicht auch Gruppen, die man aktivieren kann, die zuvor nicht an Geldanlagen interessiert waren?

Dirk Fischer: Ich denke schon – vor allem junge Kunden, denen eine normale Beratung schlichtweg zu langweilig ist, die noch nie eine Bank von innen gesehen haben, weil sie es gewohnt sind, all ihre Geschäfte online zu erledigen. Für diese Zielgruppe ist das sehr bequem, weil man sich zum Beispiel per Video-Legitimation anmelden kann. Aber dass man den ganz klassischen langjährigen Sparbuchbesitzer oder Festgeldanleger bewegt, nein, das glaube ich eher nicht.

FondsTrends: Sie haben vorhin Kunden angesprochen, die schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sind Robo-Advisor denn der richtige Weg, um Vertrauen zu schaffen?

Dirk Fischer: Der klassische Robo-Advisor kann wahrscheinlich bei Menschen, die Wert auf eine Beratung legen und ein persönliches Gespräch zur Vertrauensbildung schätzen, nicht punkten. Wir haben uns mit Truevest daher für einen hybriden Robo-Advisor entschieden, der aktives Zielfondsmanagement von Beratern mit digitaler Entscheidungsunterstützung kombiniert. Der Mensch entscheidet, WAS gekauft wird und die Technik entscheidet, WANN gekauft bzw. verkauft wird. Und ich denke durch die Kombination aus Technik und Mensch sowie der Transparenz durch vorhandene Track-Records kann Vertrauen geschaffen werden. Wir nennen unseren Robo-Advisor auch eher Cyborg, weil er eben die menschliche Komponente vorweisen kann.

FondsTrends: Die meisten Robo-Advisor bieten größtenteils Kombinationen aus ETFs an – andere Anlageklassen stehen hinten an. Was halten Sie davon?

Dirk Fischer: ETFs machen grundsätzlich Sinn, weil sie kostengünstig sind. Gerade bei der jetzigen Marktlage ist das auch besonders verständlich. Bei einer Hausse, die mittlerweile schon 9 Jahre andauert, haben es aktive Fonds schwer, besser zu performen als ETFs. Wir glauben, dass ETFs aber Nachteile haben, wenn der Markt fällt. Dann fallen sie wie ein Stein, denn es gibt keine Absicherungskomponente. Viele Selbstanleger werden das dann zum ersten Mal erleben. Und weil wir ja nie wissen, wie viel Fachwissen der Nutzer des Robo-Advisors hat, haben wir bewusst auch Strategien gewählt, bei denen aktive Fonds eine Rolle spielen. Beide Ansätze verfügen aber IMMER über eine Reißleine (Trend 200-Systematik) für fallende Märkte. Das ist uns besonders wichtig.

FondsTrends: 2017 haben sich die Aktienmärkte weltweit besser entwickelt als ursprünglich angenommen. Und auch für 2018 wird weiterhin Wachstum vorhergesagt. Welche Bedeutung hat das für Robo-Advisor wie Ihren?

Dirk Fischer: Natürlich besitzen wir keine Glaskugel, aber normalerweise dauert ein Wirtschaftszyklus etwa sieben Jahre. Nun sind wir schon im neunten Jahr in der Hausse und statistisch für eine Marktkorrektur überfällig. Diese Erkenntnis nutzen wir für unsere Strategie und bauen die zuvor genannten Absicherungen ein, zur Vorbeugung falls der Markt fallen sollte. Dann werden die Kunden in Cash gestreut.

FondsTrends: Robo-Strategien sind ja traditionell Basis-Investments. Haben Sie abschließend noch einen Geheimtipp für ein aussichtsreiches Satelliten-Investment als offensive Beimischung?

Dirk Fischer: Ich empfehle derzeit Investments im asiatischen Bereich. Seit der Finanzkrise 2008 sind alle Schwellenländer bei den großen Finanzakteuren untergewichtet. Es dauerte, bis die Emerging Markets wieder ins Rollen kamen, im Moment ist das jedoch der beste Aktienmarkt. Und es müssen dort auch Korrekturen vorgenommen werden. Betrachten wir zum Beispiel den MSCI World – im Moment sind die USA mit 59% gewichtet und China nur mit 1%. Das entspricht nicht mehr der aktuellen Wirtschaftslage. Wir bieten zum Beispiel den GAMAX Asia Pacific Fund mit einer breiten Streuung im Asien-Pazifik-Raum einschließlich asiatischer Schwellenländer an. Und seit 25 Jahren investieren wir hier auch in Japan – andere Asienfonds lassen Japan meistens außen vor, wir sehen es jedoch als Pluspunkt. Japan entwickelt sich schon längst nicht mehr synchron mit der Entwicklung Chinas. Oft genug sogar genau konträr. Damit ist ein Markt wie Japan, welcher viele Weltmarktführer, wie z.B. Shimano beinhaltet, ein absoluter Muss-Baustein für jedes breit aufgestellte Asieninvestment.  Insgesamt bleiben die Aussichten für Asien weiterhin sehr attraktiv.

FondsTrends: Vielen Dank für das Interview!

Dirk Fischer im Interview mit Andreas Franik auf dem Fondskongress 2018 in Mannheim

13. Februar 2018

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Autor

Dirk Fischer

Dirk Fischer ist Geschäftsführer der Patriarch Multi-Manager GmbH in Frankfurt. Seit 2007 führt er den unabhängigen Produktentwickler, welcher für seine Konzepte stets die favorisierten Manager am Markt mit dem jeweiligen Asset Management seiner verschiedenen Produktideen beauftragt. Der Dipl.-Bankbetriebswirt begann seine berufliche Karriere im Private Banking der Deutschen Bank AG. Danach war er sechs Jahre als Vertriebsleiter und Prokurist beim Maklerpool Jung, DMS & Cie. AG für die Betreuung von unabhängigen Finanzdienstleistern verantwortlich. Seit 2014 ist er gefragter Referent in der exklusiven Rednervereinigung „Speakers Excellance“. Im Bereich der Top100-Unternehmer im Kreise von Persönlichkeiten wie Wolfgang Grupp, Dietmar Hopp oder Günter Netzer belegt er den Themenbereich Unternehmensaufbau und -entwicklung.

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