Ein Rückblick auf das Kapitalmarktjahr 2017

Europäische Aktien, US-Aktien, Technologietitel, High Yield Bonds, Emerging Markets Aktien und Bonds, Real Estate und selbst Kryptowährungen entwickelten sich extrem gut in 2017. Wie werden die steilen Aufwärtsbewegungen enden? Hagen-Holger Apel von DNB Asset Management wirft dazu einen Blick zurück auf den Kapitalmarkt in 2017.

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen und erneut blicken wir aus der Anlegerperspektive auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Europäische Aktien, US-Aktien, Technologietitel, High Yield Bonds, Emerging Markets Aktien und Bonds, Real Estate und selbst Kryptowährungen entwickelten sich extrem gut. Anleger reiben sich zuweilen verwundert die Augen und fragen sich, wie die steilen Aufwärtsbewegungen enden werden.

Im Jahresrückblick 2016 haben wir über Unsicherheiten und Kaufgelegenheiten geschrieben und auch in diesem Jahresrückblick könnte ich das Gleiche schreiben. Die Märkte, so ist mein Eindruck, werden zunehmend fragiler und ich bezweifele, dass die Aufwärtsbewegungen wie mit einem Lineal gezogen weitergehen werden. Dennoch, davon bin ich überzeugt, wird es im kommenden Jahr für aktive Anleger auch wieder eine Reihe guter Chancen geben. Doch zunächst zum jahresrückblick. Im August 2017 haben wir 5 Jahre Whatever it takes analysiert und im Mai die Wichtigkeit gesunder Cash-Flows bei der Unternehmensanalyse hervorgehoben. Im März haben wir einen Blick auf den Zustand der High Yield Märkte geworfen nachdem wir im Februar gefragt haben, wie lange die politischen Börsen die Aufwärtsbewegung stützen werden. Aber der Reihe nach:

Man kann den Eindruck gewinnen, dass die Europäische Zentralbank zwar nicht aus ihrer unkonventionellen Geldpolitik aussteigen wird, sie aber langsam und vorsichtig beginnen wird, das Volumen der Anleihekäufe zu reduzieren. Sie tut gut daran, mittelfristig eine andere Geldpolitik durchzuführen. Zu viele Risiken häufen sich in der Bilanz der EZB an, und das künstlich geschaffene Niedrigzinsumfeld schafft mehr und mehr Probleme. Insbesondere verhindern die niedrigen Zinsen Innovationen. Innovationen sind für das dringend benötigte Wirtschaftswachstum zwingend erforderlich und sollten keine Befürchtungen hervorrufen. Zu oft wird meiner Meinung nach das Ende der meisten Jobs herbeigeschrieben, zu oft wird panisch argumentiert, dass Innovationen ein Heer von Arbeitslosen erzeugen werden. Im Gegenteil, die Geldpolitik verhindert dringend notwendige strukturelle Reformen und lässt Unternehmen auf nicht nachhaltige Ideen des Aktienrückkaufs kommen. Wir werden dennoch leider ein weiteres Jahr „Whatever it takes“ sehen.

Umso wichtiger ist es, weiterhin die Unternehmen zu finden, die in der Zukunft Cash-Flows generieren. Je mehr Anleger in passive Anlagen investieren, desto weniger wird (zwangsweise) auf die einzelnen Unternehmen geachtet, denn das Anlegerkapital fließt proportional in alle in einem Index enthaltenen Werte. Ich befürchte, dass die aktuell niedrige Volatilität, die inzwischen selbst passiven Anlagen als Underlying dient, eines Tages aus der Lethargie erwachen wird. Das bietet Chancen für aktive Anleger und Fondsmanager, die dann nicht gezwungen sein werden ihre Portfolios anzupassen. Allerdings, und das ist auch klar, muss das nicht zwingend in 2018 geschehen. Langfristiges Denken wird sich dennoch auszahlen, denn Märkte entwickeln sich in Zyklen und dieser Aufwärtszyklus ist bereits alt und wird sich eines Tages umkehren. Was viele Anleger (mal wieder) vergessen: Der Aktienmarkt bietet langfristig, über alle Zyklen hinweg, eine bestimmte durchschnittliche Rendite. Allerdings wird er diese durchschnittliche Rendite nicht in jedem Jahr liefern, Verluste von 10 oder 20 Prozent in einem Jahr sind durchaus im Rahmen des Möglichen.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass der heutige Preis eines Assets nichts anderes ist als die zukünftigen Zahlungsströme, diskontiert auf den heutigen Tag. Anleger, die immer wieder die niedrigen Zinsen als Kurstreiber anführen, sollten sich fragen, wie hoch das zukünftige Wachstum ausfallen wird wenn sie die Cash-Flows diskontieren. Niedrige zukünftige Renditen könnten aktuell in den Kursen eingepreist sein, daher wird es umso wichtiger sein, aktive Fondsmanager mit der Allokation von Kapital zu beauftragen.

Ein Rückblick auf die politischen Börsen ist relativ schnell abgehandelt, denn durch die (politisch gewollte) Geldpolitik sind auch die Börsen weiterhin politisch. Vor allem zu Beginn des Jahres standen die Börsen stark unter dem Einfluss des Wahlergebnisses in den USA. Präsident Trump verbucht die Kursgewinne für sich und twittert fleißig darüber. Ob das eine gute Strategie ist, sei dahingestellt, Anleger können sich trotzdem über seine ersten Erfolge, zum Beispiel die Steuerreform, freuen.

2018 wird nach vielen positiven Börsenjahren meiner Meinung nach ein durchwachsenes Jahr. Die Entwicklungen der Zinskurven, die massiven Einflüsse der Geldpolitik und die Sorglosigkeit der Anleger sind möglicherweise ein ungesunder Cocktail für das kommende Jahr. Es gibt keine Gründe für übermäßigen Pessimismus oder Optimismus, ich sehe dem kommenden Jahr eher entspannt entgegen.

Mit diesem Rückblick möchte ich deutlich machen, dass sich höchstwahrscheinlich nicht viel ändern wird, so lange die Märkte politisch getrieben sind und beeinflusst werden. So lang es nicht zu großen militärischen Konflikten kommt oder sonstige Verwerfungen stattfinden, wird sich wenig ändern. Es gibt leider viel zu viele Stellvertreterkriege und militärische Auseinandersetzungen auf der Welt, diese lassen die Weltbörsen bisher jedoch kalt. Wünschen wir uns also, dass 2018 in dieser Hinsicht ein besseres Jahr als 2017 wird, denn beim Rest gelten die von mir genannten Themen, über die ich 2017 in verschiedenen DNB Insights berichtet habe, weiterhin. Setzen Sie auf gute Unternehmen und gute, aktive Manager, denn diese nehmen Ihnen einen Teil Ihrer Arbeit ab.

28. Dezember 2017

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Autor

Hagen-Holger Apel

Hagen-Holger Apel ist seit Juli 2015 bei DNB Asset Management S.A. als Senior Client Portfolio Manager beschäftigt. Herr Apel ist Diplom-Volkswirt (LMU München) und Certified International Investment Analyst der DVFA Frankfurt. Er ist mehr als 10 Jahre am luxemburgischen Finanzplatz tätig und spricht Deutsch, Englisch und Schwedisch.

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