"Viel Neues im Osten"

Nach nicht einmal zehn Jahren verwaltet die 2010 in Hongkong gegründete Silverhorn Investment Advisors mittlerweile ein Vermögen von über 2 Mrd. USD. Silverhorn bietet dabei sowohl institutionellen Anlegern als auch Privatinvestoren das Know-how Schweizer Investmenttradition in der hochdynamischen Umgebung Asiens.

Als Multi-Asset Investment Boutique bietet das Unternehmen diversifizierte, aber auch absichtlich konzentrierte Portfolios verbunden mit engem Kundenkontakt. FondsTrends sprach mit Jürg Niederberger, Co-Founder und Managing Partner, über die Herausforderungen und das Potential des Anlageplatzes Hongkong.

FondsTrends: Herr Niederberger, bitte stellen Sie unseren Lesern kurz Ihr Unternehmen und dessen Leistungen – besonders die Modulstruktur ihrer Investmentplattform – vor.

Jürg Niederberger: Wenn man langjährige Erfahrungen von Asset Management und Risk Management zusammenbringt, dann sollte dies die perfekte Kombination für eine Investment Boutique sein. So gesagt, so getan mit meinem Gründungspartner Mike Imam, mit seiner weitreichenden Asset Management-Erfahrung und meiner Risk Management-Erfahrung haben wir die Vision kreiert, mit Silverhorn eine Investment Boutique zu gründen. Wir wussten von Anfang an, dass wir mit dem reinen Kopieren von Strategien, die Banken ihren Kunden verkaufen, keine faire Chance bekommen. Darum war es für uns klar, dass wir von Tag eins an Produkte mit wirklichem Mehrwert an den Tisch bringen mussten. Seit 2010 haben wir an eben diesen Produkten gearbeitet und mit 32 Mitarbeitern verwalten wir hier in Hongkong mittlerweile 18 verschiedene Fonds.

Sie sprechen uns speziell auf unsere Modulstruktur an. Ja, nach einiger Entwicklungszeit und konstanten Verfeinerungen haben wir vor einigen Jahren voll auf unsere eigene  Modulstruktur umgestellt. Diese besagt, dass Portfoliorisiken nicht nach Volatilität sondern vielmehr nach historischen Gewinnentwicklungen innerhalb verschiedener Wirtschaftszyklen (dies sind: „Boom“, „Expansion“, „Stagnation“, „Contraction“ und „Crisis“) kategorisiert werden. In anderen Worten: wir analysieren, welche Gewinnentwicklung eine bestimmte Investition zum Beispiel in einer Phase von „Stagnation“ erreicht hat. Aufgrund dieser Analyse stellen wir dann Portefeuilles nach den Bedürfnissen von Kunden oder ganzen Investorengruppen zusammen.

FondsTrends: Sie haben in weniger als 10 Jahren über 2 Mrd. USD Assets aufgebaut. Wie haben Sie das geschafft, was ist das „Geheimnis“ Ihres Erfolgs?

Jürg Niederberger: „Durch harte Arbeit“ hört sich vielleicht klischeehaft an, aber es ist wohl wirklich so. Man muss sich, seine eigene Denkweise und die Unternehmung selbst kontinuierlich weiterentwickeln. Was vor drei, vier Jahren funktionierte, ist heute wahrscheinlich nicht mehr auf dem Stand der Dinge. Zudem muss das Management-Team funktionieren, man muss offen sein, den Geschäftspartnern zuhören können, dann andere Meinungen einholen, um am Schluss eine Entscheidung zu treffen, die dann von allen gelebt werden kann.

Man muss zudem auch viel, sehr viel Zeit investieren, um über die Jahre hinweg eine starke Vertrauensbasis mit verschiedensten Parteien aufzubauen. Mit vielen Leuten, die wir schon früh getroffen haben, haben wir lange keine Geschäfte machen können oder wollen, aber irgendwann einmal ist der richtige Zeitpunkt gekommen und dann muss man das (hoffentlich Win-Win-) Geschäft fertig machen und abschließen können.

Es hilft natürlich auch, dass unsere Produkte ein klares Bedürfnis von Kunden und Investoren abdecken. Da kommt mir zum Beispiel unser Asian Growth Fund („AGF“) in den Sinn, der 2018 in einem schweren Marktumfeld einen Nettoertrag von +9.24% erzielt hat. Dieser AGF beinhaltet all unser Wissen und alle Investitionsmöglichkeiten, die wir zur Verfügung haben. Und dann ist da natürlich auch unser zweites „Flaggschiff“, der Asian Lending Squared Fund („ALSq“). Über den ALSq möchte ich noch kurz ein paar Worte verlieren, weil dieser Fonds doch vieles verkörpert, was uns von anderen unterscheidet. Der ALSq wurde so aufgesetzt, dass er die Renditen von Private Debt erzeugt, dabei die panasiatische Region abdeckt, gleichzeitig aber eine monatliche Liquidität offeriert und keine Korrelation zu Bond-Märkten aufweist. Dieser Luxemburger Fonds wurde von uns im Jahre 2014 lanciert und die Konsistenz der jährlichen Erträge von jeweils um die 7% weckt nun das Interesse von Fund-of Funds und institutionellen Investoren. Wir nehmen dies nicht als selbstverständlich an, aber sehen es als eine weitere Bestätigung, dass wir vieles richtig machen.

FondsTrends: Derzeit betreuen Sie 18 Fonds, unter anderem in den Sektoren Technologie. Was bedeutet es für den Alltag einer Investment Boutique mit 32 Mitarbeitern, einer solch hohen Portfoliodiversifikation gerecht zu werden? Wie ist Silverhorn organisatorisch aufgestellt? Planen Sie in Zukunft die Auflage weiterer Fonds oder anderer Investmentvehikel?

Jürg Niederberger: Unsere Philosphie und entsprechend dann auch unsere Organisation spiegeln eine unserer Überzeugungen wider: was wir in-house machen können, dass machen wir in-house, und wo externe Experten besser sind, dort nehmen wir externe Experten. Bei einem großen Teil unserer Fonds arbeiten wir mit lokalen Spezialisten zusammen. Diese Spezialisten sind unsere lokalen Ohren, unsere lokalen Augen, und wir bringen dann die regionale oder globale Sicht rein und all dies zusammen gibt dann unserem Investment Committee („IC“) die perfekte Kombination, um eine gute Investitionsentscheidung zu treffen. Wir arbeiten mit solchen Spezialisten in verschiedenen Ländern zusammen, wie zum Beispiel in China, Indien, Singapur, Vietnam, Israel oder Neuseeland.

Da wir die Fondsstrukturen schon haben (jeweils eine Umbrella-Struktur in Luxemburg, im BVI und auf den Cayman Islands), ist das weitere Aufsetzen eines weiteren Fonds für uns zeit- und kosteneffizient. Unser kleinster Fonds hat ein Fondsvermögen von 2 Mio. USD, der größte ist jedoch bei 350 Mio. USD. Wir setzen jeweils Fonds auf, die einen relativ engen, klar definierten Investitionszweck verfolgen. Zudem verfolgen wir in unseren Fonds oft eine beabsichtige Investitions-Konzentration, dies ermöglicht unseren Investoren innerhalb ihrer Gesamtvermögen eine sehr spezifische Allokation.

FondsTrends: Silverhorn verspricht seinen Kunden maßgeschneiderte Anlageberatung vor dem Hintergrund Schweizer Investmenttradition. Was zeichnet diese Tradition Ihrer Ansicht nach aus und wie ist diese mit einem so schnelllebigen und dynamischen Finanzplatz wie Hongkong vereinbar?

Jürg Niederberger: Wir sehen dies als eine perfekte Kombination. Obwohl, wir nennen es eigentlich nicht eine Schweizer Investmenttradition, wir sprechen einfach von Transparenz, Flexibilität und Effizienz. Wir hören unseren Kunden zu, stellen Detailfragen und sind dann in der Lage, entsprechende Investitionslösungen bereitzustellen. Wie bereits erwähnt haben wir interne und externe Investitionsmodule, mit denen wir die Ideen und Bedürfnisse unserer Kunden sehr konkret abdecken. Was wir sicher nicht machen, ist einfach eine „Balanced“- (oder „Defensive“- oder „Aggressive“-) Fondsstrategie zu nehmen, diese dann dem Kunden ins Depot zu geben, um am Ende des Jahres zu sehen, ob der Benchmark erreicht wurde oder nicht. Apropos Benchmark, wir sind Benchmark-agnostisch, unser Augenmerk richtet sich eigentlich immer auf Absolute Return. Wir haben noch nie von jemandem gehört, der mit -4% zufrieden gewesen wäre, nur weil der Benchmark mit -7% noch schlechter war. Mehrwert generiert man nicht mit einer weniger negativen Zahl, Mehrwert muss eine positive Zahl als Resultat haben.

FondsTrends: Vor gut 30 Jahren setzte Luxemburg als erster Mitgliedstaat in der Europäischen Union die UCITS-Richtlinie in das nationale Recht um. Als Europas größtes Fondszentrum unterzeichnete das Land jüngst ein Abkommen mit der SFC, um zukünftig grenzüberschreitende Fondsgeschäfte noch stärker zu fördern. Was macht Luxemburger Fonds Ihrer Meinung nach so beliebt bei chinesischen Investoren?

Jürg Niederberger: Wie Sie gesagt haben, Luxemburg ist Europas größtes Fondszentrum. Größe ist ein ebenso wichtiger Faktor wie natürlich auch der ausgezeichnete Ruf Luxemburgs. Asiatische Investoren, ich würde es nicht auf chinesische Investoren limitieren, brauchen diese Sicherheit, brauchen einen „Markennamen“. Bei Luxemburger Fonds weiß man einfach, dass nicht nur die Packung stimmt, sondern auch die Zulieferer (d.h. Fondsadministrator, Depotbank, Wirtschaftsprüfer etc.) des Inhalts von höchster Qualität sind. Und nun das Wichtigste: dieses Qualitätssiegel ist global bekannt und anerkannt. Asiatische Investoren suchen diese Merkmale bei allem, ob dies Luxusgüter sind oder Fonds – ein Qualitätssiegel muss dabei sein.

FondsTrends: Erst kürzlich verlegten mehrere Bitcoin-Wallets ihren Sitz von Hongkong in die Schweiz und begründeten diesen Schritt mit den im November 2018 von der Aufsicht Securities and Futures Commission (SFC) erlassenen Richtlinien für Krypto-Fonds. Wie bewerten Sie solche Schritte und die Entwicklung neuer Technologien wie AI und Blockchain generell am Finanzplatz Hongkong? Sind diese Themen für Silverhorn in irgendeiner Form relevant?

Jürg Niederberger: Wie erwähnt haben wir einen gewissen Schwerpunkt mit Investitionen in Technologiefirmen, entsprechend sind AI und Blockchain sehr relevante Themen bzw. Produkte für uns. Die Entwicklung dieser Techonologie geht unglaublich schnell voran, vor allem in der AI-Sparte. Shenzhen, die an Hongkong grenzende chinesische Großstadt, ist sicher einer der Hauptstandorte und Entstehungspunkte vieler neuer AI-Ideen. Dies nützen wir natürlich aus und sind nicht nur selber immer häufiger dort, sondern nehmen auch Kunden immer öfters mit, damit sie sehen, in was für Unternehmen und Unternehmer wir investieren. Und glauben Sie mir, wenn ich sage: wir haben noch nie gehört, dass jemand sagte, „Oh, das habe ich in Europa auch schon gesehen, das ist nichts Neues“.

FondsTrends: Noch zum Abschluss: Neben einem recht ausgefüllten Arbeitstag als Investmentmanager finden Sie immer noch die Zeit für Trail Running und Fußball, und ab und zu sind Sie sogar auf Pokerturnieren anzutreffen. Beziehen Sie aus solchen Aktivitäten Kraft für Privat- und Berufsleben gleichermaßen?

Jürg Niederberger: Ja, unbedingt, ein Ausgleich muss her und in meinem Fall ist es vor allem mit körperlichen Aktivitäten getan. Meine Gedanken kann ich dann einfach abstellen und mich in eine andere Welt begeben. Trail Running ist ideal dafür, draußen in der Natur, entweder ganz alleine oder dann im Einklang und Gleichtakt mit anderen Läufern. Die Müdigkeit, die man danach spürt, ist eine ganze andere Müdigkeit als nach einem langen Arbeitstag, es ist eine Müdigkeit, die einem irgendwie wieder neue Energie für den nächsten Arbeitstag gibt.

FondsTrends: Herr Niederberger, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

08. April 2019

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Autor

Jürg Niederberger

Jürg Niederberger ist Managing Partner und Co-Founder der 2010 gegründeten Silverhorn Investment Advisors Limited, einer Investment Boutique mit Sitz in Hongkong. Zuvor war Herr Niederberger Chief Risk Officer APAC der Standard Bank, verantwortlich für die Teams Risk, Market Risk, Operational Risk sowie Client & Legal. Durch Positionen bei internationalen Investmentbanken und mehr als 25 Jahre in der Finanzindustrie verfügt er über weitreichende Erfahrungen im Bereich Risk Management und , u.a. als Managing Director bei Bear Stearns sowie durch Stationen bei BNP Paribas und UBS. Bevor er 1999 in Tokyo und Hongkong die ersten Asien-Erfahrungen sammelte, war er in Frankfurt, London und Zürich beschäftigt. Jürg Niederberger verfügt über einen Masterabschluss in International Finance von der Universität Amsterdam.

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