Warum sind Wandelanleihen gerade jetzt eine Alternative für risikoaverse Investoren?

Hohe Bewertungen an den Aktienmärkten, niedrige Rendite an den Rentenmärkten. Das aktuelle Marktumfeld bietet für risikoscheue Investoren nicht unbedingt ein Füllhorn an Investitionsmöglichkeiten.

Die klassischen Investments in festverzinsliche Anlageformen erwirtschaften bei konservativem Risikoprofil kaum einen Inflationsausgleich. Zudem verliert die Dividendenrendite auf Grund der historisch hohen Aktienkurse an Attraktivität. Warum sind gerade in dieser Situation Wandelanleihen eine gute Möglichkeit, eine attraktive Rendite bei überschaubarem Risiko zu erzielen? Roland Haller, Geschäftsführer der NOBIS Asset Management S.A. und erfahrener Fondsmanager, steht Christoph Ludwig, Portfolio Manager bei Hauck & Aufhäuser, Rede und Antwort. Erfahren Sie mehr im Experteninterview auf FondsTrends.

Christoph Ludwig: Warum sind Wandelanleihen bei den meisten Investoren nicht auf der Tagesordnung?
Roland Haller: Investments in Wandelanleihen verlangen auf Grund der Komplexität der Assetklasse ein spezielles Know-how. Begriffe wie Soft Call, Change of Control Put oder Dividend Protection sollten für den Investor bekannte Begriffe sein. Oft schließt auch die handelbare Mindestgröße von bis zu 200.000 US Dollar oder Euro private Anleger von vorne herein von diesem Markt aus. Ein weiterer Grund dafür, dass diese Assetklasse für Einzelinvestments den institutionellen Investoren vorenthalten bleibt, ist die Tatsache, dass die größten Märkte für Wandelanleihen USA und Asien sind. Hier sind die meisten Emittenten dem europäischen Anleger eher unbekannt.

Christoph Ludwig: Im Vergleich zu den ohnehin schon niedrig rentierenden Unternehmensanleihen sind Wandelanleihen noch teurer. Was spricht dennoch für den Erwerb?
Roland Haller: Wandelanleihen rentieren in der Tat niedriger als normale Unternehmensanleihen der gleichen Emittenten. Dies ist bedingt durch die in die Wandelanleihe eingebaute Call-Option auf die jeweilige Aktie. Dadurch profitiert der Anleger von einer positiven Entwicklung des Aktienkurses. Die einfache Gleichung heißt also: Verzicht auf etwas Rendite, um an einer positiven Aktienkursentwicklung zu partizipieren. Sollte die Aktie tatsächlich einen positiven Kursverlauf nehmen, wird die bei Erwerb der Wandelanleihe im Vergleich zur normalen Unternehmensanleihe eingekaufte Minderrendite mehr als ausgeglichen.

Christoph Ludwig: Inwiefern passt Aktienexposure ins Bild eines risikoaversen Investors?
Roland Haller: Es handelt sich ja lediglich um ein indirektes Aktieninvestment, bei dem letztlich die Anleihe mit Rückzahlung dem Investor die Sicherheit seines eingesetzten Kapitals gewährt, sollte die entsprechende Aktie, in die gewandelt werden kann, nicht steigen.
Zwischenzeitlich gilt die Faustformel, dass die Wandelanleihe zu zwei Dritteln die Aufwärtsbewegung der zugrundeliegenden Aktie mitmacht, die Abwärtsbewegung jedoch nur zu einem Drittel. Hier bietet der sogenannte Bondfloor, der Kurs bei dem die Wandelanleihe die gleiche Rendite wie eine normale Anleihe des Schuldners ausweist, dem Anleger ein Sicherheitsnetz.

Christoph Ludwig: Ist die Bewertung von Wandelanleihen nicht wesentlich schwieriger als bei normalen Anleihen?
Roland Haller: In der Tat bedarf es bei der Bewertung von Wandelanleihen umfassender Kenntnisse. Während bei normalen Anleihen fast ausschließlich die Credit Default Swaps und das Zinsniveau zur Bewertung herangezogen werden, spielen bei der Wandelanleihe zusätzlich Begriffe wie Volatilität der Aktie und diverse Sonderausstattungen (Put Option, Dividend Protection, usw.) eine wichtige Rolle.

Christoph Ludwig: Könnte man nicht eine Wandelanleihe durch die Kombination aus Anleihe plus einer Call Option darstellen und damit in seiner Investitionsentscheidung weniger abhängig vom aktuellen Angebot in Wandelanleihen sein bzw. die oben genannten Bewertungsproblematiken vermeiden?
Roland Haller: Es dürfte schwierig bzw. unmöglich sein, eine Calloption in der Größenordnung mit einem Basispreis, der aus dem Geld liegt, sowie der entsprechenden Laufzeit an einem dazu noch liquiden Markt darzustellen. Zudem müsste der Anleger in diesem Fall auf Schutzmaßnahmen wie Take over Protection und Dividend Protection verzichten.

Christoph Ludwig: Welche Marktgegebenheiten sind aktuell für Sie ausschlaggebend zum Kauf von Wandelanleihen?
Roland Haller: Wir achten bei unseren Investments in Wandelanleihen auf verschiedene Parameter. Die Bonität des Emittenten sollte gut sein (am besten offizieller bzw. implizierter Investmentgrade), die Prämie (Aufgeld) sollte akzeptabel sein und die Wandelanleihe sollte eine positive Rendite auf die Endfälligkeit aufweisen. Wenn dann auch noch die Story und die Branche der Aktie, in welche gewandelt werden kann, stimmt, steht einem Investment durch uns in der Regel nichts mehr im Weg.

09. Oktober 2017

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Autor

Roland Haller

Das geschäftsführende Verwaltungsratsmitglied Roland Haller bekleidet seit 1986 verschiedene Positionen am Bankenplatz Luxemburg und verfügt über langjährige Erfahrungen in den Bereichen Asset Management und Wertpapierhandel. Roland Haller ist Mitglied des Fondsmanagements der NOBIS-Fonds LiLux Rent und LiLux Convert. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der NOBIS Asset Management S.A. übte er bis zum 21.08.2011 in der HSH Nordbank Private Banking S.A. die Funktion des Stellvertreters der Geschäftsleitung aus.

Autor

Christoph Ludwig

Christoph Ludwig ist als Portfolio Manager im Bereich Funds Management bei Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft S.A. tätig. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er im Bereich Geld- und Devisenhandel. Zuletzt war er als Wertpapierhändler der Credit Suisse in Luxemburg beschäftigt. Er verfügt über 15 Jahre Erfahrung am Finanzplatz Luxemburg.

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