„Wir wollen Rendite, aber auch überschaubare Risiken - so sind unsere Strategien konzipiert“

Droht an den Börsen demnächst Ungemach oder zumindest eine nachhaltig höhere Volatilität? Wie geht eine Investmentboutique mit den steigenden regulatorischen Anforderungen um und was sieht sie als Herausforderung für die kommenden Jahre? FondsTrends.lu sprach darüber mit Robert Beer, Geschäftsführer der Fondsboutique Robert Beer Investments GmbH, der für drei Fonds bzw. 150 Millionen Euro Anlagevolumen verantwortlich zeichnet.

FondsTrends: Herr Beer, die Dividendenrendite von US-Aktien liegt – erstmals seit der Zeit vor dem Lehman-Kollaps 2008 – niedriger als die Rendite von zweijährigen US-Staatsanleihen. Der Renditeabstand von diesen zu zehnjährigen US-Staatsanleihen hat sich im Mai weiter eingeengt und ist so tief, wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Robert Beer: US-Aktien sind stark gestiegen und inzwischen ambitioniert bewertet. Einige Werte erreichen ein 30er KGV und somit eine 3er Gewinnrendite. Insofern werden Anleihen mit einem sicheren Coupon natürlich attraktiver. Wir nähern uns einer Grenze, an der es für US-Aktien gefährlich wird. Insbesondere die sehr hoch bewerteten US-Tech-Werte erscheinen anfällig für Rückschläge in den nächsten ein bis zwei Jahren.

FondsTrends: Nach der Fed deutete zuletzt auch die EZB eine Wende in der Notenbankpolitik an. Droht daher an den Börsen womöglich Ungemach in den nächsten Monaten?

Robert Beer: Ja, das ist eine sehr spannende Entwicklung. Die Notenbaken haben durch ihre Aufkaufprogramme wahnsinnig viel Geld in die Märkte gepumpt. Durch die massive Liquidität sind die Kurse von Anleihen gestiegen und die Renditen entsprechend gefallen und natürlich hat die Liquidität auch ihren Weg in die Aktienmärkte gefunden. Staaten und Unternehmen konnten sich sehr günstig refinanzieren und somit investieren.

Doch die US-Notenbank hat drei Schritte vollzogen, die auch die anderen Notenbanken wiederholen werden: Erstens Anleihekäufe reduzieren, zweitens Anleihekäufe einstellen, drittens Zinsen erhöhen. Die EZB signalisiert nun, dass sie den zweiten Schritt angehen wird und das ist auch notwendig, denn die Inflation ist im Kommen.

Weniger Liquidität bedeutet volatilere Aktienmärkte. Die Märkte müssen sich nach zehn Jahren auf andere monetäre Gegebenheiten einstellen, den Märkten fehlt dann die Sicherheit der permanenten Notenbankkäufe. Die Rendite wird steigen, die Finanzierung für Unternehmen und Staaten wird teurer und somit schwieriger, große Deals lassen sich nicht so leicht finanzieren. Allerdings ist gerade in Europa nicht viel Potenzial für steigende Zinsen, denn insbesondere die südlichen Länder können steigende Zinsen kaum tragen. Waren früher Politik und Notenbank Gegenspieler, sitzen sie heute in einem Boot.

FondsTrends: In Ihren Fonds spielen Optionsstrategien eine wesentliche Rolle. Erstmals seit der Einführung der beiden Volatilitätsindizes nach neuer Berechnung (2004 bzw. 2005) notiert der amerikanische VIX über längere Zeit signifikant höher als der europäische VSTOXX. Wie richten Sie sich in diesem Umfeld aus? Erwarten Sie generell höhere Volatilität in den kommenden Monaten?

Robert Beer: Die extrem niedrige Volatilität hat auch was mit der Überliquidität durch die Notenbanken zu tun, das wird sich ändern. Die Phase niedriger Volatilität neigt sich dem Ende entgegen, wir erwarten mehr Volatilität an den Märkten. Für unsere Fonds wäre das eine positive Entwicklung, denn in den letzten Jahren haben die Absicherungen über Optionen nur Geld gekostet. Kommt es nun zu einer Korrektur von zehn bis fünfzehn Prozent, ist das geradezu ein „Garant“ für Outperformance in unseren Fonds. Eine steigende Volatilität kommt uns also entgegen.

FondsTrends: Sie sind in den vergangenen Jahren mit ständig wachsenden regulatorischen Anforderungen konfrontiert. Wie gehen Sie bei Robert Beer Investment GmbH damit um?

Robert Beer: Wir mussten in diesem Bereich kräftig investieren, monetär und personell. Über ein Jahr lang haben wir Prozesse durchleuchtet und dokumentiert, neue Prozesse eingeführt, in die EDV investiert und das Reporting verbessert. Insofern hat das Thema für uns sogar Vorteile gebracht. Wir sind als mittelständisches Unternehmen nun perfekt aufgestellt und sehen das als Wettbewerbsvorteil. Zudem sind wir es gewohnt, systematisch zu denken und zu arbeiten – insofern unterstützen die regulatorischen Anforderungen unseren ohnehin vorhandenen strukturierten Ansatz.

Logo Robert BeerBeer Unternehmenssitz

Unternehmenssitz im idyllischen Parkstein in der nördlichen Oberpfalz

FondsTrends: Wo sehen Sie generell die größten Herausforderungen in den kommenden zwei bis drei Jahren für Ihr Unternehmen?

Robert Beer: Wir möchten uns bewusst vom Mainstream und von Modeerscheinungen klar abgrenzen. Darunter fallen Trends, wie long only ETFs, Faktorinvesting, Fintechs, Bitcoins, um nur einige Begriffe zu nennen. Für uns gibt es nur zwei große Anlageklassen; Aktien und Anleihen – alle anderen Formen sind Randerscheinungen, auf die wir unsere Strategie nicht ausrichten. Wir wollen den Anlegern zeigen, dass unsere Vorgehensweise nicht „langweilig“ ist, sondern lohnend und weniger risikoreich. Sie basiert nicht auf aktuellen Trends die Schlagzeilen machen und kurzfristig hohe Gewinne versprechen. Uns ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen für unsere nachhaltige Strategie. Darin sehen wir unsere größte Herausforderung. Wir möchten weiterhin Konzepte entwickeln, die sich dauerhaft bewähren, denn wir denken als Vermögensverwalter und wollen Rendite, aber auch überschaubare Risiken – so sind unsere Strategien konzipiert.

FondsTrends: In den letzten Monaten machen Fintechs Furore, immer mehr Asset Manager bieten Robo Advisor an, der Trend zu passiven Anlagestrategien ist ungebrochen. Mit Ihrem LuxTopic –Aktien Europa B konnten Sie jedoch in den vergangenen 14 Jahren den Benchmark-Index deutlich schlagen und Ihr betreutes Anlagevolumen hat sich sehr positiv entwickelt. Was ist Ihr „Erfolgsgeheimnis“?

Robert Beer: Unser Erfolgsgeheimnis liegt in unserem konsequent strategischen Ansatz. Wir haben unsere Hausaufgaben schon vor dem Start unserer Produkte gemacht und bereits von 2000 bis 2003 Forschungen zu einer Strategie betrieben, die einen nachhaltigen Ansatz verfolgt und gerade auch in Zeiten von Marktturbulenzen und Volatilität gewinnbringend ist. Zunächst fokussierten wir eine indexnahe Anlage, entwickelten dann ein Momentum-Modell um besser zu sei als der Markt und ergänzten dann Optionsstrategien zur Absicherung. Erst danach haben wir unsere Fonds auf den Markt gebracht.

Wir verfolgen seit 15 Jahren konsequent und diszipliniert die gleiche Strategie und reagieren wie bereits erwähnt nicht auf kurzfristige Modeerscheinungen und neue Trends, sondern grenzen uns hier klar vom Mainstream ab. In Aufwärtsphasen sind unsere Fonds tendenziell eher durchschnittlich, der große Vorteil liegt in den Abwärtsphasen; das sind unsere „goldenen Zeiten“. Hier verliert unser Fonds deutlich weniger als der Markt, da wir in diesen Zeiten Sondererträge generieren können, die wir wiederum in Aktien investieren.

Daher werden wir unser Erfolgskonzept auch in den nächsten 15 Jahren konsequent weiterverfolgen. Große global agierende Unternehmen verdienen immer – lediglich die Bewertungen an den Märkten können zweitweise zu hoch werden und passen sich dann wieder an. Wohin der Markt kurzfristig läuft wissen wir nicht – aber langfristig verläuft die Kurve von links unten nach rechts oben.

Quelle: Robert Beer Investment GmbH

FondsTrends: Planen Sie eventuell die Auflage weiterer Fonds in der Zukunft?

Robert Beer: Wir planen aktuell keine Auflage von weiteren Fonds und möchten uns lieber auf unsere vorhandenen Stärken fokussieren. Wir betreiben weiterhin sehr viel Forschung. Unsere bewährte Strategie, die wir momentan auf dem europäischen Markt anwenden, könnten wir auch schon auf andere Märkte anwenden, speziell auf dem US Markt. Daher wäre es denkbar, dass wir das in der Zukunft umsetzen. Generell möchten wir das Mandatsgeschäft mit institutionellen Investoren ausweiten. Und wenn es wie beschrieben in den kommenden Jahren wieder zu höherer Volatilität und größeren Korrekturen kommt, sollten wir auch mit dem LuxTopic – Aktien Europa größere neue Anlagevolumina gewinnen. Schon jetzt sprechen uns Investoren an, die vorsichtiger werden und für unruhigere Zeiten passende Zielfonds suchen.

FondsTrends: Herr Beer, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

 

18. Juni 2018

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Robert Beer

Robert Beer

Robert Beer, Inhaber und Geschäftsführer der Robert Beer Investment GmbH, verfügt über 30 Jahre an Erfahrung im Bereich der Aktienmärkte. Bereits 1986 entwickelte er ein Optionsanalyseprogramm und publizierte das Buch „Optionen und die Doppelstrategie“. Neben der Publikation weiterer Fachliteratur, z.B. über den Euro und Indexing, sammelte Robert Beer Erfahrung in der Vermögensverwaltung und im Fondsmanagement. Er entwickelte eine systematische Index Outperformance Methode und lancierte darauf aufbauend im Jahr 2003 den Fonds „LuxTopic – Aktien Europa“, 2004 den Fonds „LuxTopic – Flex“ sowie 2015 den „LuxTopic – Systematic Return“.

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