Grüne DNA

Innovation als treibende Kraft der Klimafinanzierung

Die Zeit drängt. Der Klimawandel macht Schlagzeilen, denn gefühlt vergeht kein Tag ohne Berichte von neuen Umweltkatastrophen oder Dringlichkeitsdebatten. Endlich eckt das Thema an, so scheint es: Die streikende Jugend lässt sich nicht von der Skepsis der Hardliner beeinflussen und auch in der Finanzbranche wird der Klimaschutz zunehmend zum Diskussionsthema. Und doch fehlt es noch immer an genügend Finanzvolumen und -produkten, um dem Klimawandel souverän entgegenzusteuern. Was muss also getan werden? Erfahren Sie mehr dazu im folgenden Beitrag von LuxFLAG.

Folgt man den Berichten des Weltklimarats IPCC, steht das Klima-Chaos seit einigen Jahren kurz bevor. Die Zeit ist reif für eine Neuordnung, kommt Joseph Schumpeter zufolge nach der Destruktion doch die Kreativität. Auf vielen Seiten wird an Lösungen gearbeitet, denn der Finanzbedarf ist riesig: mindestens 2,5 Trillionen USD sind laut IPCC pro Jahr notwendig, um die voranschreitende Erderwärmung zu verlangsamen.

Vom Risikofaktor zur unternehmerischen Gelegenheit

Für weltweit agierende Unternehmen haben die Folgen des Klimawandels bereits jetzt finanzielle Auswirkungen. Die Erderwärmung mit ihren Wetterextremen ist ein klarer finanzieller Risikofaktor, den es in den klassischen Risikomanagementprozess längst einzubauen gilt. Auch das Weltwirtschaftsforum hat den Klimawandel in mehreren Risikokategorien ganz weit oben eingestuft (siehe Infografik). Paul Polman, CEO des Konsumgüter-Konzerns Unilever, schätzt die Kosten des Klimawandels für sein Unternehmen bereits jetzt auf mehr als 300 Millionen USD pro Jahr.

Zwar sind alle Sektoren betroffen, vor allem aber die Energie-, Agrikultur-, Transport- und Finanzbranche. Dabei ist der Klimawandel jedoch nicht nur Risikofaktor, sondern bietet vielversprechende unternehmerische Gelegenheiten, um neue Investoren anzulocken.

 

Globale, vor allem umweltspezifische Risiken gemäß dem Weltwirtschaftsforum

Quelle: The WEF Global Risks Report 2019, Seite 8

Klimaprojekte haben eine große Bandbreite, von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien über Solar-, Wind- oder Wasserkraft  bis hin zu nachhaltiger Forst- und Landwirtschaft. Dabei werden die Maßnahmen vor allem anhand ihrer Anpassungen und Milderungen in Bezug auf den Klimawandel kategorisiert, der Wirkungsgrad soll dabei messbar dargelegt werden. Insgesamt wird geschätzt, dass 2017 etwas mehr als 500 Milliarden USD in die Klimafinanzierung investiert wurden – also längst noch nicht genug, um an die Schätzungen der IPCC heranzukommen.

1) Innovation als Stichwort für den Klimaschutz

Vor allem in den Entwicklungsländern könnte die Etablierung umweltfreundlicherer Technologien dafür sorgen, dass sich die Fehler industrialisierter Länder im Aufbau fossiler Energien nicht wiederholen. Ein großes Risiko besteht nämlich auch darin, die negative CO2-Bilanz weiter voranzutreiben. Potential sehen Investoren daher besonders im Bereich erneuerbarer Energien. Fallende Preise haben hier zwar den Weg zu einer kostengünstigen Alternative frei gemacht. Bisher fehlt es jedoch vor allem noch an Geldern für Anpassungsprojekte, die sozialen Katastrophenszenarien in besonders gefährdeten Entwicklungsländern vorbeugen könnten.

Innovation wird in der Klimafinanzierung eine übergeordnete Rolle spielen. Neuartige Lösungen zeigen, an welchen Lösungen derzeit geforscht wird: IKT-Werkzeuge (Informations- und Kommunikationstechnologie) zur Frühwarnung vor Klimakatastrophen, Mangrovenanpflanzungen gegen Überschwemmungen, die Nutzung der Wellen-Energie unserer Ozeane oder der geothermischen Energie von Vulkanen sowie das Einfangen des Treibhausgases Methan. So wird aktuell auch mit Hochdruck an der Entwicklung grüner Batterien gearbeitet, deren Komponenten zu 100% recyclingfähig sind und aus nachhaltigem Bergbau extrahiert werden. Elektrische Autos könnten damit in Zukunft ihre Nachhaltigkeits-Bilanz noch weiter aufbessern.

In Luxemburg gehören besonders die Sektoren Transport, Agrikultur und Wohnungsbau zu den höchsten Emissionstreibern in Bezug auf Treibhausgase. Mit einem extensiven Klimaplan zielt die Regierung deshalb darauf ab, den CO2-Fußabdruck bis 2030 (und im Vergleich zu 2005) um 50% zu reduzieren. Dabei setzt Luxemburg verstärkt auf grüne und innovative Finanzinitiativen, um Investitionen zu sammeln und somit den Klimaschutz international voranzutreiben.

Bild Welle

2) Klima-Projekte in skalierbare Finanzprodukte umwandeln

Der Knackpunkt: einerseits mangelt es vielen Projekten oftmals noch an Investoren, andererseits sind Vermögensverwalter auf der ständigen Suche nach wachstumsfähigen Projekten. Hier zeigt sich ein dringender Nachholbedarf in Sachen Vermittlung und Erfahrungsaustausch.

Wie man aus vielversprechenden Projekten skalierbare Finanzprodukte entwickelt, zeigt in Luxemburg die Initiative des Förderprogramms „International Climate Finance Accelerator“. Das ICFA unterstützt Klimaschutzprojekte bei der Gründung von Klimafonds, um so Investoren für den Klimaschutz zu gewinnen. So sollen direkte Investitionen dazu beitragen, dass die Projekte einen messbaren Mehrwert generieren. Klimaprojekte werden zudem auch von der „Climate Finance Platform“ des Luxemburger Staates und der Europäischen Investitionsbank unterstützt. Erste Risiken werden also von öffentlichen Instanzen getragen, um so private Investoren mittels unterschiedlicher Risiko-Rendite-Profile, sogenannter „Blended Finance“, mit ins Boot zu holen.

Auf der einen Seite gilt es somit, Nachhaltigkeitsaspekte vorzeitig und strategierelevant in die generelle Entwicklung von Finanzprodukten zu integrieren – sei es auf den Kapitalmärkten, in der Banken- oder der Fondsbranche. Auf der anderen Seite müssen Investitionen in Klimalösungen weiter stark zunehmen, um dem Pariser COP21-Abkommen gerecht zu werden.

3) Mehr als nur Modeerscheinung

Zurzeit machen grüne Fonds nur einen kleinen Teil des heutigen Gesamtmarktvolumens aus. Mit Nachdruck versucht die EU, das zu ändern: Gesetzgebungsvorschläge sind bereits in Vorbereitung, um auf dem gesamten Markt das nötige Finanzvolumen generieren.  Die einberufene „Technical Expert Group“ der Europäischen Kommission hat dafür in ihrem ersten Bericht klare Linien dargelegt. So soll es beispielsweise zukünftig nicht mehr ausreichen, nur die Auswirkungen des Klimawandels auf die Performance eines Unternehmens offenzulegen. Vielmehr muss künftig auch publiziert werden, welchen konkreten Einfluss die Unternehmensaktivitäten auf die Klimabilanz haben. Dies soll mittels einer Taxonomie, also einer Kategorisierung der Klimaaktivitäten, unterlegt und das Reporting somit vergleichbarer gemacht werden. Gütesiegel wie das Umwelt- oder Klimafinanzierungslabel von LuxFLAG sind aktiver Teil der Diskussionen in Brüssel zugunsten größerer Glaubwürdigkeit und Transparenz am Markt. Mittels dieser Maßnahmen soll es für Anleger leichter werden, Vertrauen in grüne Finanzprodukte zu gewinnen.

Dennoch: die größte Herausforderung wird vor allem darin liegen, Klimalösungen auch Retail-fähig zu machen, denn oft sind die momentan aufgelegten Finanzprodukte nur für professionelle Anleger zugänglich. Hier bedarf es einer größeren Zahl innovativer Strukturierungslösungen, um das Risiko für Investitionen in grüne Finanzinstrumente zu minimieren – Blended Finance ist dabei nur eine solcher Lösungen. Letztlich werden vor allem eine globale Kooperationsbereitschaft sowie ein allgemein klimafreundlicher Ansatz in sämtlichen Branchen die entscheidende Wende bringen.  Die Grundsteine sind gelegt – bleibt zu hoffen, dass mit dem COP25-Bündnis in Chile auf Worte weitere Taten folgen.

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17. April 2019

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Zusammengefasst
  • Innovation wird in der Klimafinanzierung eine zentrale Rolle spielen.
  • Das Weltwirtschaftsforum sieht den Klimawandel und die extremen Wetterereignisse als Hauptrisikofaktor mit dem größten Einfluss auf unser Wirtschaftssystem.
  • Strukturierungslösungen wie die Blended Finance minimieren das Risiko für Investitionen in grüne Finanzinstrumente und können maßgeblich zu einer Erhöhung des Investitionsvolumens beitragen.
  • Klimalösungen müssen Retail-fähig strukturiert sein, um auch für die breite Masse zugänglich zu werden.
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Am 25. April findet erstmals die Leading Edge Conference zum Thema Sustainable Investments in Luxemburg statt. LuxFLAG ist offizieller Partner der Konferenz. Hier geht es zur Anmeldung und Agenda.

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Sachin Vankalas

Sachin Vankalas

Sachin Vankalas ist Direktor für Verwaltung und Nachhaltigkeit bei LuxFLAG und leitet die Analyseprozesse der nachhaltigen Investmentfonds. Er verfügt über eine weitreichende Expertise in nachhaltigen Finanzthemen wie ESG, Klimafinanzierung und Mikrofinanz, zudem sitzt er in Verwaltungsräten mehrerer Organisationen, die im nachhaltigen Finanzmilieu aktiv sind. Sachin Vankalas besitzt einen Masterabschluss in Banking and Finance der Luxembourg School of Finance.

Autor

Julie Didier

Julie Didier

Julie Didier ist Head of Marketing & Communication bei LuxFLAG. Sie ist verantwortlich für die Planung, Entwicklung und Implementierung der Marketing- und Kommunikationsaktivitäten und betreut Unternehmensveranstaltungen, die sich der Förderung nachhaltiger Finanzen widmen. Julia Didier besitzt einen Abschluss in Marketing und Kommunikation der Universität St. Gallen.

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