"Infrastruktur bietet einen wichtigen Faktor zur Stabilisierung des Portfolios"

Langfristiges Investieren, verantwortliche Verwaltung und aktives Fondsmanagement – seit ihrer Gründung im Jahre 1931 steht die englische Fondsgesellschaft M&G Investments für diese Prinzipien. „Klassische“ Investmentaspekte sind ebenso fundamentaler Bestandteil der Anlagestrategie wie ESG-Themen und -Faktoren. Mit einer breiten Palette an Aktien-, Anleihen-, Multi-Asset- und Wandelanleihenfonds betreut M&G Investments als einer der größten aktiven Investmentmanager Großbritanniens und Europas für seine Kunden mittlerweile ein Vermögen von mehr als 309 Mrd. Euro (Stand 30. Juni 2019). FondsTrends sprach mit Werner Kolitsch, Head of M&G Deutschland und Österreich, über Infrastruktur als Anlageklasse, die Bedeutung von Impact Investing sowie die Stimmungslage auf Fondskongressen.

FondsTrends: Herr Kolitsch, bitte erläutern Sie unseren Lesern doch kurz das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens. Was unterscheidet M&G von anderen aktiven Asset Managern?

Werner Kolitsch: Wir wollen dem Markt nicht einfach folgen, sondern Vorreiter sein. Für uns bedeutet das: Kreativ zu denken und aus Überzeugung zu handeln. So unterstützen wir unsere Anleger beim Aufbau ihres Vermögens. Seit wir im Jahr 1931 den ersten professionell gemanagten Fonds in Europa auflegten, entwickeln wir immer wieder neue Investmentideen. Das macht uns zu einem Vorreiter der Branche – sei es nun für private oder institutionelle Investoren.

Besonders ist dabei die Flexibilität unserer Fondsmanager. Die einzelnen Teams haben bei uns eine große Entscheidungsfreiheit, es gibt keine Hausmeinung. Jedes Anlageteam hat seine eigene Überzeugung, nach der es, im Rahmen seiner Risikovorgaben, die Assets auswählt und managt. Wir sind überzeugt, dass dieses hohe Level an Gestaltungsmöglichkeiten bessere langfristige Resultate für unsere Anleger bringt und eine hohe Motivation des gesamten Teams.

FondsTrends: 2017 legten Sie den M&G (Lux) Global Listed Infrastructure Fund auf, der sich mit dem Status Quo infrastruktureller Themen beschäftigt. 2019 folgte der M&G (Lux) Global Themes Fund, der sich neben dem demografischen Wandel und technologischen Innovationen auch dem Ausbau und der Erneuerung der Infrastruktur widmet. Von der thematischen Ergänzung abgesehen – ist Infrastruktur ein Schwerpunktthema für M&G? Wie kam es dazu?

Werner Kolitsch: Das Thema Infrastruktur ist ohne Zweifel eines der ganz großen Zukunftsthemen, denn es betrifft in seinen Auswirkungen einen jeden von uns. Das beginnt mit der morgendlichen Dusche, für die die Wasserversorgung gesichert sein muss, geht dann über einen gut funktionierenden Personennahverkehr und endet beim abendlichen Fernsehen, für das ein gutes digitales Netz erforderlich ist. Global sind die Herausforderungen für den Auf – und Ausbau von Infrastruktur enorm. Insgesamt sprechen wir bis 2040 von einer Investitionslücke von 15 Billionen Dollar weltweit – laut den Erhebungen des Global Infrastructure Hub der G20-Initiative.

Einige Unternehmen haben besonders gute Lösungen oder Services entwickelt, um diesen Bedarf zu decken und die Lücken zu schließen. Mit unserem M&G Global Themes Fund investieren wir zum Beispiel in den amerikanische Elektroversorger Edison International, der sehr aktiv beim Wandel der Energiewirtschaft ist.

Unser M&G Global Listed Infrastructure Fund war bei Auflage weltweit der erste Fonds, der in börsennotierten Unternehmen investiert, die bedeutende physische Infrastrukturanlagen besitzen oder kontrollieren, wie etwa der in Frankreich notierte, weltweit tätige Konzessions- und Baukonzern Vinci, dem Eigentümer des Flughafens Lissabon.

Infrastruktur bietet auch einen wichtigen Faktor zur Stabilisierung des Portfolios, durch langfristig stabile Dividenden. Aufgrund der defensiveren Natur dieser Anlagen bieten die Erträge Schutz vor Inflation und Rezession.

FondsTrends: Mit dem Positive Impact-Fonds widmen Sie sich auch dem Thema nachhaltiger Investments und damit einem zunehmenden Bewusstsein für Ethik- und Umweltaspekte im Asset Management. Bitte erläutern Sie für unsere Leser doch kurz Ihren Impact Investing-Ansatz.

Werner Kolitsch: Die Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungspraktiken, kurz ESG, ist in aller Munde. Bei uns ist das ein wichtiger Bestandteil des gesamten Anlageprozesses. Mit Impact Investing gehen wir aber noch einen Schritt weiter: Dieser Ansatz ist für Anleger gedacht, die mehr wollen als „nur“ ein verantwortungsvolles Investment. Für diesen Fonds kommen nur Aktien von Unternehmen in Frage, deren Arbeit oder Produkte messbar positive Wirkungen im Verhältnis zu einem oder mehreren der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN haben. Für unseren Fonds haben wir die Ziele in drei ökologische und drei soziale Säulen aufgeteilt, wie etwa Klimalösungen und Abfall oder Arbeitsbedingungen und die Bekämpfung von Ungleichheit.

Als Beispiel für ein Unternehmen aus unserem Portfolio lässt sich Ørsted aus Dänemark nennen, der weltweit führende Betreiber und Entwickler von Offshore-Windkraftanlagen.

FondsTrends: Bereits zum fünften Mal findet am 18. Oktober der FONDSKONGRESS TRIER statt. Vor ein paar Wochen baten wir bereits den Initiator des Kongresses, Dirk Stöwer, um eine Prognose für die kommende Veranstaltung. Welche Trends werden Ihrer Meinung nach dieses Jahr im Mittelpunkt stehen? Welche Erkenntnis erhoffen Sie sich?

Werner Kolitsch: Die Zukunft der Regulatorik wie MiFID II wird sicherlich ein Thema der Veranstaltung sein.

Dazu kommt die Integration von ESG-Bewertungen in die Investmentprozesse sowie die Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen, allen voran Demografie, Umweltthemen, Innovationen und natürlich die infrastrukturellen Entwicklungen. Auch die Rolle und die Verantwortung der Fondsgesellschaften in diesem Zusammenhang.

Als Antwort auf die weiter andauernde Niedrigzinsphase werden Aktien immer wichtiger – hier wird auch Aufklärung der Anleger ein Thema sein.

Über alternative Anlagemöglichkeiten, zum Beispiel in Private Assets, die nicht über die Börse verfügbar sind, werden wir ebenfalls sprechen.

FondsTrends: Ihr Kollege Ivan Domjanic wird auf dem Kongress zum Thema „Das Fundament der industrialisierten Welt“ sprechen. Können Sie uns vorab bereits etwas zum Inhalt des Vortrags verraten?

Werner Kolitsch: Im Fokus des Vortrags werden die großen Trends unseres Jahrhunderts stehen und im besonderen das Thema Infrastruktur. Wir präsentatieren u.a. den M&G Global Themes Fund, der auf die vier strukturellen Themen Demografie, Umwelt, Innovationen und Infrastruktur setzt. Wir zeigen, wie Anleger durch die Fokussierung speziell auf solche Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, mit denen Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit entwickelt werden, an diesen langfristigen Trends teilhaben können. Wir stellen darüber hinaus auch das Thema börsennotierte Infrastruktur vor. Unser Fonds investiert in Unternehmen, die wichtige Infrastrukturobjekte besitzen oder kontrollieren mit dem Ziel, einen stabilen Ertragsstrom mit langfristigen Wachstumsperspektiven zu generieren. Die Anlageklasse zeichnet sich typischerweise durch eine geringere Volatilität und begrenztes Abwärtspotential bei Marktschocks aus.

FondsTrends: Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Neben Ihrer Tätigkeit als Manager in einer so umtriebigen Branche wie der Finanzwelt dürfte nur wenig Zeit für Freizeitaktivitäten bleiben. Wie gestalten Sie Ihren Berufsalltag, um Ausgleich zu erhalten? Worin besteht dieser Ausgleich?

Werner Kolitsch: Skifahren im Winter ist für mich als Österreicher ein Muss. Außerdem laufe ich gern und nutze, so oft es geht, mein Fahrrad. Wann ich allerdings meinen Traum von einer Teilnahme an einem Olympischen Triathlon wahrmachen kann, steht noch in den Sternen. Auf jeden Fall ist ein gewisser körperlicher Ausgleich notwendig, um sich fit zu halten und auch im Job das Beste zu geben.

Die Familie ist mir ebenfalls sehr wichtig. Ich habe feste Familientermine in meinem Kalender, die ich freihalte, z. B. für mindestens zwei Abendessen unter der Woche gemeinsam mit meiner Frau und den Kindern.

FondsTrends: Herr Kolitsch, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen für die Zukunft sowie den FONDSKONGRESS 2019 viel Erfolg!

 

Bereits zum fünften Mal findet am 18. Oktober 2019 der FONDSKONGRESS TRIER statt, bei dem auch M&G Investments vertreten sein wird. Hier geht es zu Anmeldung und Agenda.

 

08. Oktober 2019

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Autor

Werner Kolitsch

Werner Kolitsch ist seit 2015 Country Head Germany & Austria bei der englischen Fondsgesellschaft M&G Investments. Der studierte Betriebswirt kam von der Asset Management-Gesellschaft Threadneedle, wo er seit 2001 verschiedene Rollen innehatte – ab 2009 die Geschäftsleitung für Deutschland und Österreich. Zuvor arbeitete er vier Jahre bei der Privatbank Krentschker & Co. Dort verantwortete er als Leiter Asset Management mehrere Dachfonds.

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