Kampf dem heimtückischen Virus

BioPharma-Unternehmen arbeiten mit Hochdruck an Therapien, um die pandemische Infektionskrankheit durch das Coronavirus zu bekämpfen. „Die Aktien solcher Player sind an der Börse heiß begehrt, verdienen dennoch eher eine Gewichtung mit Augenmaß.“

So Jürgen Harter, Geschäftsführer der Medical Strategy, deren MEDICAL BioHealth Fonds zu den erfolgreichsten Biotechnologie-Fonds Europas zählt.

Spätestens seit den ersten publizierten Fallzahlen in Italien im Februar 2020 war klar, dass das Virus SARS-Cov-2 und die von ihm ausgelöste Krankheit COVID-19 in Europa angekommen sind. Inzwischen hält das Coronavirus als Pandemie die ganze Welt im Bann: Hunderttausende Menschen sind daran erkrankt und zehntausende daran gestorben, weil die Bevölkerung für den neuen RNA-Virus aus der Familie der Coronaviren mangels Immunität noch kein Gegenmittel parat hat. Die virale Infektionskrankheit, die sich als Atemwegserkrankung mit Fieber, Husten in leichten Fällen und mit Atemnot und Lungenentzündung bis hin zu Multiorganversagen in schweren Fällen äußert und hauptsächlich über Tröpfcheninfektion übertragen wird, ist inzwischen allerorts des dominierende Thema – in der Politik, Wirtschaft, im Arbeits- oder Schulalltag und vor allem unter Ärzten und in Spitälern.

BioPharma-Unternehmen als Schlüsselbranche für innovative Therapien sind ganz besonders gefordert, um wirkungsvolle Behandlungsmethoden sowie proaktiven Schutz durch Impfstoffe im Kampf gegen das heimtückische neuartige Virus zu entwickeln. Companies, die mit Hochdruck an vielversprechenden Lösungen arbeiten, sind deshalb rasch in den Blickpunkt zahlreicher Investoren gerückt und haben einen Hype um deren Aktienkurse ausgelöst. Dabei wird jedoch leicht übersehen, dass neue Therapien in aufwendigen klinischen Studien erst auf ihre tatsächliche Wirksamkeit und Sicherheit getestet werden müssen, bevor sie von den Arzneimittelbehörden zum großflächigen Einsatz zugelassen sind. Das heißt: Wer die Gewinner von neuen und wirkungsvollen Therapeutika sind, wird sich erst im Rückblick herausstellen. Und wenn vom aktuellen Schock wieder in den Normalmodus geschaltet werden kann, wird evident, dass SARS-Cov-2 für die BioPharma-Branche nur ein Teilgebiet aus einer ganzen Palette schwerer und oft letaler Krankheiten ist, an deren wirkungsvollen Therapien sie forscht – wie etwa Herzkreislauferkrankungen, Krebs, seltenen Erkrankungen oder Zivilisationskrankheiten wie Diabetes. Aus Anlegersicht macht es deshalb Sinn, nicht ziellos auf vermeintlich erfolgreiche Einzeltitel zu setzen, sondern auf ein breit diversifiziertes Portfolio.

SARS-Cov-2 einbremsen

Statt Angst und Panik lohnt eine rationale Analyse: Die ebenfalls von Coronaviren ausgelösten Infektionskrankheiten SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) und MERS (Middle East Respiratory Syndrom) waren letaler. Das Tückische an SARS-Cov-2 ist sein hoher Ansteckungsgrad, der in etwa bei eins zu drei liegt. „In 80 Prozent der Erkrankten führt das Virus zu gemäßigten Infektionen, in 20 Prozent jedoch zu schwierigen Verläufen, die man in den Griff bekommen kann, solange in den Krankenhäusern ausreichend Intensivbetten vorhanden sind“, betont Michael Fischer, Mediziner, Unternehmensgründer und geschäftsführender Gesellschafter der Gesundheitsfondsboutique Medical Strategy. Primäres Ziel der inzwischen nahezu allerorts ausgegebenen Devise, soziale oder vielmehr räumliche Distanz zum Nächsten zu wahren, zielt einerseits darauf ab, die Ansteckung zu bremsen, also die Verbreitungskurve zeitlich zu verflachen, und andererseits Zeit für die Entwicklung entsprechender Arzneimittel zu gewinnen.

Basierend auf den wissenschaftlichen Kenntnissen über den SARS-Virus gelang es der modernen Biotechnologie-Forschung in kürzester Zeit, die Struktur von SARS-Cov-2, einem einzelsträngigen RNA-Virus, aufzuklären. Das Verständnis für die Mechanismen der viralen Replikation bildet nun die Basis für Impfstoff- und Medikamentenentwicklung. „Die vielfältigen Ansatzpunkte zur Therapie reichen von Antikörpern über die Hemmung der viralen Fusion, Protease-Inhibitoren sowie Hemmung der RNA-Synthese bis hin zur Immunstimulierung“, erklärt Medical Strategy-Molekularbiologe Mario Linimeier.

Optionale Therapien

In der Behandlung von mittelschweren bis schweren Krankheitsfällen wird mangels eigens dafür verfügbarer Medikamente auf so genannte Repurposed Agents zurückgegriffen, also Substanzen, die bereits in anderen Indikationen in der Entwicklung waren oder auf dem Markt sind. Bei besonders schweren Verläufen stellt oftmals nicht das Virus selbst das Hauptproblem dar, sondern im Körper ausgelöste Immun-Überreaktionen. Dabei kann es zum Zytokin-Sturm, einer potentiell lebensgefährlichen Entgleisung des Immunsystems, kommen und in weiterer Folge zu Multiorganversagen und schließlich zum Tod. Verschiedene Firmen entwickeln Präparate, die immunbedingte Komplikationen kontrollieren sollen.

Aktive Immunisierung

Zudem arbeitet eine Vielzahl an Firmen in mehr als 50 Projekten an der Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffes. Bei vielen Projekten geht es um mRNA-basierte Impfstoffe, die nach der Injektion die Bildung von ungefährlichen Virusproteinen hervorrufen sollen, die dann wie bei einem konventionellen Impfstoff den Aufbau des Immunschutzes bewirken. Solche mRNA-basierten Impfstoffe haben den Vorteil, dass die Entwicklungszeit für Vakzine potentiell stark verkürzt werden kann. Das ist die gute Nachricht. Allerdings: Bislang ist ein solcher Impfstoff noch gegen keine Krankheit auf dem Markt. Angesichts der Dringlichkeit häufen sich die Stimmen, ein solches Vakzin in einem verkürzten Entwicklungsverfahren zu lancieren, statt die obligaten mehrstufigen Testphasen zu durchlaufen. Linimeier warnt jedoch vor einer voreiligen Zulassung, „weil durch den Impfstoff potentiell immunverstärkende Antikörper die Krankheit auch verschlimmern können“. Deshalb sei es wichtig, die Sicherheit und Wirksamkeit in klinischen Studien in ausreichend großen Populationen nachzuweisen.

Healthcare, Corona und Kapitalmarkt

Die durch das Coronavirus ausgelösten globalen Kurseinbrüche auf dem Kapitalmarkt haben auch die Aktienkurse von Healthcare-Companies mitgerissen, nicht zuletzt wegen passiver Instrumente wie Indexfonds oder ETFs, die durch unselektive Verkäufe den Abwärtstrend beschleunigten. Zumindest fielen die Verluste per saldo geringer aus als im breiten Markt. Denn die Nachfrage nach Medikamenten und Gesundheitsdienstleistungen erfolgt weitgehend unabhängig von konjunkturellen Zyklen. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen hängt weniger von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung, sondern vielmehr von deren Marktposition, Patentschutz und Innovationserfolg ab.

Die Aktienkurse von Unternehmen mit Corona-Bezug haben sich anlassbedingt besser entwickelt als solche ohne. Anleger, die sich auf die möglichen Gewinner der Viruskrise fokussieren, gehen jedoch erhebliche Risken ein. Denn erst im Nachhinein wird sich zeigen, ob die Therapie erfolgreich ist und inwieweit sie in der Gewinnentwicklung des Unternehmens durchschlägt. Besonders riskant sind Aktien von Unternehmen, die noch kein Produkt auf dem Markt haben und finanziell schwach aufgestellt sind.

Auch wenn der unvermutet aufgetauchte Virus die Welt aktuell im Bann hält, sollte nicht übersehen werden, dass BioPharma-Unternehmen an einer ganzen Reihe von innovativen Therapien forschen, wie etwa im Bereich der Onkologie, seltenen Krankheiten oder solchen des Zentralnervensystems sowie den Folgen von Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen. Viele Healthcare-Aktien sind aktuell mit einem Abschlag bewertet, obwohl sie aufgrund ihrer Defensiv-Qualitäten sehr attraktiv sind. Sie sollten daher nach Bewältigung der Krise wieder verstärkt in den Blickwinkel der Anleger rücken. Gut möglich, dass die Lösungsmöglichkeiten, die der Sektor bietet, dann grundsätzlich mehr geschätzt werden.

Der MEDICAL BioHealth Fonds hat auch im aktuell volatilen Marktumfeld seine bewährte Strategie unverändert fortgesetzt: Es wird gezielt in Innovationsführer mit überzeugendem Chance-Risiko-Profil investiert, das Portfolio ist über Titel breit gestreut und über Subsektoren diversifiziert. Marktverwerfungen wurden selektiv für Nachkäufe oder Umschichtungen genutzt, höher kapitalisierte, liquidere Werte stärker gewichtet und die Cash-Quote sukzessive erhöht – in der Spitze auf bis zu 13 Prozent. COVID-19-Player stellen eine kleine Beimischung dar, sind aber kein zentrales Investmentthema im Fonds.

Bisher hat der Fonds nach größeren Krisen eine deutliche Outperformance gezeigt, weil er in chaotischen Marktphasen gezielt Opportunitäten fand. Im Gegensatz zu vielen Investoren, denen in solchen Situationen der Durchblick auf fundamentale Daten wie Marktpotential der Pipeline oder Cash-Situation fehlt, kann Medical Strategy solche Informationen erfolgreich aus ihrer umfangreichen Datenbank und langjährigen Expertise ableiten. So führt Jürgen Harter aus: „Wir wissen nicht, wie lange diese Krise andauert, aber wir erkennen Gelegenheiten und nutzen diese konsequent und emotionslos für unsere Investoren aus“.

 

17. April 2020

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Autor

Jürgen Harter

Jürgen Harter ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der in Gräfelfing bei München ansässigen Medical Strategy GmbH, einer der führenden, unabhängigen Healthcare-Investmentberater Europas. Das Unternehmen konzentriert sich ausschließlich auf das Management und die Beratung von Aktienportfolios aus dem Gesundheitsbereich und wurde vielfach ausgezeichnet. Jürgen Harter startete seine Karriere 1980 bei der Stadtsparkasse Augsburg und war anschließend als Vermögens- und Anlageberater bei der National Westminster AG und der Apotheker- und Ärztebank eG tätig. 1998 wechselte er ins Marketing der Lacuna Fondsverwaltung, im Jahr 2000 dann zu Medical Strategy, wo er seit 2007 als Geschäftsführer fungiert und für Finanzen, Aufsicht und Recht, Vertrieb sowie Marketing zuständig ist.

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