Liquid Alternatives (4): Hedge-Fonds im UCITS-Mantel

Als Liquid Alternatives werden Fondsmanagement-Strategien beschrieben, die aus den Federn von Hedge-Fonds stammen und nun im Rahmen eines Publikumsfonds umgesetzt werden. Die wichtigsten Vorteile dieser Publikumsfonds-Hüllen, die im gesetzlichen Rahmen der UCITS- (oder Deutsch: OGAW-) Richtlinien umgesetzt werden, sind die Liquidität, Leverage, die rechtliche Sicherheit, das Risikomanagement sowie die Transparenz. Generell sind dies die am häufigsten genannten Kriterien, die eine alternative von einer traditionellen Asset-Klasse unterscheiden. Wie aber wird eine Hedge-Fonds-Strategie liquide? Oft werden in diesen originären Hedge-Fonds-Strategien illiquide Assets wie Distressed Debt gehandelt oder Portfolios durch den Einsatz von Fremdkapital gehebelt, was in einem Publikumsfonds durch regulatorische Vorschriften nicht möglich ist.

„Über Derivate, ob nun ETD oder OTC, werden viele typische Hedge-Fonds-Strategien innerhalb der UCITS-Richtlinien investierbar gemacht.“

Benjamin Linn

Insbesondere die Themen Liquidität und Leverage spielen eine besonders große Rolle bei der Investitionsentscheidung innerhalb der UCITS-Richtlinien. Durch Derivate können Assets gehebelt werden, was allerdings nur in gewissen Grenzen möglich ist. Vor allem das Risiko – innerhalb der UCITS-Vorgaben durch den Value at Risk (VaR) gemessen – darf eine festgelegte (relative) Schwelle nicht überschreiten. Derivate, ob in börsengehandelter Form oder als OTC-Geschäft gehandelt, können zum Hedging oder Spekulieren eingesetzt werden. Häufig werden so Short-Positionen auf Indizes oder Einzeltitel eingegangen, die in den Offshore-Fonds leer verkauft werden können.

Assets, die bei den Hedge-Fonds-Strategien Distressed Securities, Convertible Bond Arbitrage oder Special Situations gehandelt werden, sind oft illiquide oder haben keine Möglichkeit, über Derivate gehandelt zu werden. Dadurch sind Sie auch für einen UCITS-Fonds nicht kaufbar und auch eine indirekte Investition ist nicht möglich.

Welche Strategien nun aber im Publikumsfonds umsetzbar sind, finden Sie hier im Überblick:

*Quelle: Eurekahedge/Absolut Research/Feri

Liquidität

Liquidität, also die Möglichkeit, einen investierten Betrag wieder zurück zu erhalten und für eine neue Investition verfügbar zu machen, ist für viele Investoren enorm wichtig. Doch diese wichtige Eigenschaft einer Investitionsmöglichkeit ist nicht ausschließlich mit Vorteilen verbunden. Denn um eine tägliche Verfügbarkeit zu gewährleisten und um insbesondere bei einer Fondsstruktur Anteilscheingeschäfte abzuwickeln, werden Teile des Portfolios in täglich fälligen Anlagen geparkt. Darüber hinaus müssen die Investitionsobjekte des Fonds so liquide sein, dass sie bei einer größeren Deinvestition liquidiert werden können und es nicht zu einem größeren Preisverfall durch den Market Impact kommt. Das Vorhalten dieser Liquidität führt unweigerlich zu einer nicht zu unterschätzenden Einbuße an Rendite. Diese stellt für manchen Experten den entscheidenden Nachteil der Liquid Alternatives gegenüber den klassischen Hedge-Fonds dar. Liquid Alternatives bieten wie die meisten UCITS-Fonds ein tägliches Rückgaberecht. Der gesetzliche Rahmen schreibt an dieser Stelle mindestens eine 14-tägige Liquidität vor.

Quelle: Absolut Research

Leverage

Die klassische Aufnahme von Fremdkapital zum Hebeln einer Investition ist im UCITS-Mantel nicht möglich. Der gesetzliche Rahmen lässt dies nicht zu, bietet aber durch den Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten die Möglichkeit, eine höhere Investitionsquote zu erzeugen. Dabei ist es wichtig, zu verstehen, dass ein höherer Leverage nicht unweigerlich auch zu einem höheren Risiko führt. Ein Portfolio, das zu 100% (long) investiert und zusätzlich zu 100% (short) abgesichert wird, hat einen Investitionsgrad (Leverage) von 200%, allerdings liegt das Risiko bei bzw. nahe Null. Die am meisten gehandelten Derivate beziehen sich auf die bekanntesten Indizes wie S&P 500, Nikkei oder Euro-Stoxx. Hier ist die Liquidität am Markt besonders hoch, was eine Investition besonders effizient und kostengünstig macht. Insbesondere bei Futures auf Einzeltitel oder auf exotischere Indizes ist dagegen das Handelsvolumen oft gering, was zu Preisverwerfungen führen kann. Gerade dann, wenn die Absicherungsfunktion der Derivate gefragt ist, also im Krisenfall, kann eine geringe Liquidität zum Ausbleiben der gewünschten Korrelationseffekte führen.

Diesem ungewünschten Zusammenhang kann zum großen Teil durch den Einsatz von OTC-Derivaten entgegengewirkt werden. Gerne kommen an dieser Stelle auch Swap-Kontrakte zum Einsatz, mit deren Hilfe die Performance von Einzeltiteln oder auch Indizes in einem UCITS-Fonds investiert werden. Wichtig ist und bleibt dennoch die Investierbarkeit, also eine Prüfung der Eligibility-Konformität innerhalb der UCITS-Regeln. Beispielsweise müssen Indizes ESMA-konform sein, wodurch sie eine gewisse Streuung aufweisen müssen. Indizes können in diesem Fall auch selbst konstruiert werden und u. a. Aktientitel enthalten, bei denen die Marktliquidität zu gering für eine direkte Investition wäre. Der Index kann dann als ein Baustein in den Fonds geswapt werden – long, aber auch short. Über diesen Umweg lassen sich einige Strategien umsetzen, die über den direkten klassischen Weg oder Exchange-Traded-Derivate nicht möglich wären.

Fazit

Allerdings bleiben einige Strategien, wie in der Tabelle oben gezeigt, weiterhin für einen UCITS-Fonds nicht investierbar. Diese Investitionsmöglichkeiten sind so speziell, dass sie Investoren vorbehalten bleiben, die nicht auf einen Publikumsfonds angewiesen sind. Dennoch geben Derivate ein sehr weites Feld an Möglichkeiten, um Strategien umzusetzen. Am beliebtesten sind noch immer Long / Short Equity Fonds in vielen verschiedenen Ausprägungen. Wer die Investoren in Liquid Alternatives und die wichtigsten Produktgeber sind, lesen Sie im nächsten Teil dieser Serie.

10. Juli 2017

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Thema

Die Liquid Alternatives Serie

  • Nr.1 Lösungen für schwierige Kapitalmarktzeiten
  • Nr. 2 Mögliche Strategien
  • Nr. 3 Absolute Return = Liquid Alternative?
  • Nr. 4 Hedgefonds im UCITS Mantel
  • Nr. 5 Markt und Investoren
Autor

Benjamin Linn

Benjamin Linn war als Senior Relationship Manager bei Hauck & Aufhäuser in München zuständig für die Betreuung von Fondsinitiatoren, Asset Managern und Institutionellen Kunden. Er ist CAIA Charterholder, CFA Level III Candidate und ist daneben Dozent an der European Business School zum Thema Liquid Alternatives.

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