„Trading muss deutlich attraktiver und einfacher werden“

Die wallstreet:online capital AG – im Jahre 2000 gegründet – verfolgt mit ihrem Webportal FondsDISCOUNT.de ein klares Ziel: Man will Kapitalanlagen für Selbstentscheider deutlich günstiger als bei der Hausbank anbieten.

Neben klassischen Investmentfonds stehen sowohl neue Produktklassen als auch Anlagetrends zur Verfügung, von ETFs bis hin zu Robo-Advisor-Lösungen. Mittlerweile kann die Gesellschaft auf mehr als 30.000 Endkunden und ein Depotvolumen von über EUR 1,2 Mrd. blicken – und ist auf dem Weg zur führenden unabhängigen Finanzplattform. FondsTrends sprach mit wallstreet:online capital-Vorstand Thomas Soltau über den Trend ESG, Online-Brokerage in Zeiten steigender Gebühren sowie die Kehrseite(n) der EZB-Geldpolitik.

 

FondsTrends: Herr Soltau, bitte stellen Sie unseren Lesern kurz Ihr Unternehmen und dessen Leistungen vor. Sie bezeichnen sich als Discounter für Kapitalanlageprodukte – wie heben Sie sich von anderen Fondsvermittlern ab?

Thomas Soltau: Ein wesentlicher Unterschied ist die persönliche Betreuung. Alle Kunden erhalten einen direkten Ansprechpartner und die entsprechende Durchwahl. Das bedeutet: Bei uns gibt es kein Call-Center, keine Sprachcomputer, niemand muss sich erst fünfmal verbinden lassen. Ein weiterer Pluspunkt ist unsere eigene Redaktion. Wir erstellen hochwertige Inhalte, stellen nützliche Informationen zur Verfügung, darunter viele Tipps für Einsteiger und Analysten zum aktuellen Geschehen an den Finanzmärkten. Außerdem erfüllen wir die sehr strengen Kriterien für eine KWG-Lizenz, wodurch wir automatisch unter die Aufsicht der BaFin fallen. Für unsere Kunden ist das ein ganz klarer Hinweis auf hohe Sicherheitsstandards und Verlässlichkeit. Dann noch zwei Sätze zu unseren Konditionen: Wir sind bereits seit knapp 20 Jahren im Vertrieb von Kapitalanlageprodukten aktiv, verfügen dementsprechend über jede Menge Erfahrung, sehr gute Kontakte und Kooperationen mit allen wichtigen Marktteilnehmern. Aufgrund unserer Größe können wir für unsere Kunden umfangreiche Rabatte und dauerhafte Sonderkonditionen aushandeln.

 

FondsTrends: Der diesjährige FONDSKONGRESS in Mannheim hat noch einmal bewiesen, dass derzeit kein Weg an dem Thema ESG bzw. nachhaltige Investments vorbeiführt. Viele Produkte und Ratings drängen an den Markt – dennoch mischt sich in die Produktflut auch Skepsis, von Renditezweifeln über Zugangsschwierigkeiten bis hin zu Greenwashing-Vorwürfen. Trumpft hier das Marketing etwa die Substanz?

Thomas Soltau: Tatsächlich gibt es eine rasant wachsende Nachfrage nach solchen Produkten – allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Bei uns hat sich der Bestand in ESG-Produkten in den vergangenen zwei Jahren sogar versechsfacht. Bei diesen Zahlen muss man jedoch genau hinsehen, denn darunter fallen auch Bestände, die auf eigenen Wunsch „neu“ in die Gruppe der ESG-Produkte einsortiert wurden. Mit knapp 10 Prozent ist der Anteil am Gesamtbestand generell noch sehr gering. Viele dieser Entwicklungen sind auf entsprechendes Marketing zurückzuführen. Für die Kunden ist das mitunter problematisch, weil es ihnen erschwert wird, eine klare Linie zu finden. Jeder geht anders mit dem Thema Nachhaltigkeit um, es fehlt also eine einheitliche Betrachtung. Ich habe dafür leider keine Lösung und sehe hier auch den Gesetzgeber oder zumindest den Bundesverband BVI in der Verantwortung. Renditezweifel sind aus meiner Sicht trotzdem nicht angebracht. Wir erleben einerseits gerade einen Trend, man könnte sogar von einer selbsterfüllenden Prophezeiung sprechen. Das hängt damit zusammen, dass neu eingerichtete Fonds nur noch in „grüne“ Aktien und Bonds investieren. Dadurch werden diese stärker gekauft als andere Werte und der Kurs steigt – die Rendite natürlich ebenfalls. Andererseits können an ESG ausgerichtete Fonds auch langfristig sinnvoll sein, wenn man mal die Risiken abwägt, die ein Unternehmen eingeht, wenn es sich nicht nachhaltig aufstellt – ein Beispiel dafür ist die CO2-Abgabe.

 

FondsTrends: Erst im Dezember 2019 ging Ihr Smartbroker an den Markt. An wen richtet sich der Broker und wie sieht die erste Bilanz aus?

Thomas Soltau: Grundsätzlich richten wir uns an alle Anleger, weshalb wir bei der Entwicklung auf ein transparentes Preismodell und ein breites Produktspektrum geachtet haben. Wenn wir die Aktienkultur in Deutschland stärken wollen, dann muss Trading deutlich attraktiver und einfacher werden. Dazu gehören günstige Preise, aber ebenso wichtig ist eine Kommunikation auf Augenhöhe. Mit dem Smartbroker wollen wir künftig verstärkt Börsen-Einsteiger ansprechen und ihnen verschiedene Hilfestellungen an die Hand geben.

Bislang sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden. Wir bekommen von unseren Kunden, aber auch von der Fachpresse und Branchenkennern viel Zuspruch. Besonders gefreut haben wir uns über die explizite Empfehlung durch das Verbraucherportal „Finanztip“.

 

FondsTrends: Bereits zu Beginn weist Ihr Broker eine günstige Preisstruktur auf, dennoch wollen Sie die Kosten für Ihre Kunden weiter senken. Zuletzt machten einige etablierte Onlinebroker allerdings eher mit Gebührenerhöhungen von sich reden – ist ein Kostensenkungsmodell angesichts dieser Entwicklung überhaupt realistisch?

Thomas Soltau: Auf jeden Fall! Dank neuer Partnerschaften werden wir in den kommenden Monaten einen Großteil der Gebühren senken können. Der Discount-Ansatz ist ja ein ganz zentraler Bestandteil unserer Firmenphilosophie. Bedeutet: Wir suchen permanent nach Möglichkeiten für unsere Kunden, um Ihre Kapitalanlagen möglichst günstig abwickeln zu können. Nur, weil es heute bestimmte Gebühren gibt, heißt das nicht, dass wir in Zukunft nicht ein besseres Paket schnüren können. Wir haben bereits jetzt ein attraktives Preismodell, aber das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Unser langfristiges Ziel lautet: Trading für null Euro.

 

FondsTrends: Der Leitzins verbleibt bei null Prozent, Banken zahlen für geparkte Gelder weiterhin 0,5 Prozent Zinsen an die Europäische Zentralbank: Einer der jüngsten Zinsentscheide zeigt, dass die Geldpolitik auch unter Christine Lagarde erst einmal ultralocker bleiben wird – dennoch sind die Deutschen bei Geldanlagen weiterhin verhalten. Wie wollen Sie aus Sparern Anleger machen?

Thomas Soltau: Das ist aus meiner Sicht eine ganz zentrale Aufgabe, der sich die gesamte Branche annehmen muss. Bedeutet: Wir müssen gemeinsam Hürden aus dem Weg räumen, Wissen vermitteln, Vertrauen stärken und die steuerliche Abwicklung erleichtern. Hier ist auch die Politik gefordert: Noch immer wird in der Öffentlichkeit viel zu oft das Bild vermittelt, dass Aktien nur etwas für unethische Zocker seien – sozusagen Glücksspiel und am Ende gewinnt immer die Bank. Der Blick nach Norwegen zeigt dagegen sehr deutlich, dass nicht nur die breite Masse, sondern auch die Rentensysteme ganz erheblich von Kapitalanlageprodukten profitieren können. Wir als Einzelunternehmen können die Aktienkultur wahrscheinlich nicht nachhaltig verändern, aber mit unkomplizierten und transparenten Produkten wie dem Smartbroker wollen wir einen wichtigen Beitrag leisten. Die Aktienkultur kann sich nur dann verändern, wenn Broker eine gute Betreuung bieten, mit unseren Kunden auf Augenhöhe kommunizieren und das versnobte Image abschütteln.

 

FondsTrends: 2019 war ein großes Jahr für wallstreet:online, wallstreet:online capital und FondsDISCOUNT.de – mit Zukäufen wie denen von ariva.de, FinanzNachrichten.de und dem Smart Investor-Magazin stärkten Sie Ihre Position im Bereich der Finanzinformation, die Oskar-Patzelt-Stiftung verlieh Ihnen den Titel „Bank des Jahres“ und beim Depotbestand knackten Sie die EUR 1 Mrd.-Marke. Welche Meilensteine haben Sie sich für 2020 gesetzt?

Thomas Soltau: In erster Linie wollen wir den Smartbroker bekannt machen und inhaltlich weiterentwickeln. Wir arbeiten ständig an der Funktionalität der Homepage, an der Verbesserung des Kundenservice und der Optimierung von Prozessen. In Sachen Vermarktung kommen uns die von Ihnen angesprochenen Zukäufe aus dem letzten Jahr zugute. Gleich zum Start des Smartbrokers konnten wir die enorme Reichweite der wallstreet:online-Portale nutzen. Darüber hinaus ist die Community in den verschiedenen Foren ein ganz wichtiger Motor für neue Ideen, Anmerkungen und Wünsche. Der Smartbroker ist als Produkt der Finanzcommunity gestartet und so soll es auch bleiben. Wir werden also auch weiterhin sehr genau zuhören und den Smartbroker an den Usern ausrichten.

 

FondsTrends: Noch zum Abschluss: Ihr Arbeitstag in der Finanzbranche dürfte recht ausgefüllt sein. Wie wichtig sind für Sie Freiräume jenseits des Berufs und wie schaffen Sie sich diese?

Thomas Soltau: Ganz ehrlich: Ich liebe meine Arbeit, wir haben hier ein starkes Team und der Start des Smartbroker hat nochmal für eine ganz neue Dynamik gesorgt. Wir haben gewissermaßen den Turbo gezündet, das Unternehmen wächst seit einigen Monaten deutlich stärker als zuvor, so ein Arbeitsumfeld macht natürlich Spaß. Das bedeutet aber nicht, dass ich immer am Schreibtisch sitzen muss. In der digitalen Zeit kann ich auch viel von Unterwegs machen – so schaffe ich mir meine Freiräume.

 

FondsTrends: Herr Soltau, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

 

20. März 2020

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Christoph Morisse
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Christoph Morisse

Hi Kollegen, wäre doch klasse, wenn man Eure Artikel, so wie diesen klasse Beitrag von Thomas Soltau, einfach per Klick auf das Twitter-, LinkedIn bzw. xing-Symbol, dass Ihr hier rechts oben anbietet, in den Sozailen Medien teilen könnte. Danke Euch im Voraus für Veränderungen! LG Christoph Morisse

Redaktionsteam
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Redaktionsteam

Hallo Herr Morisse,
vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Twitter Sharing Button angepasst und nun sollten alle Sharing Buttons unter dem Beitrag funktionieren.
Bleiben Sie gesund!
Ihr FondsTrends Redaktionsteam

Autor

Thomas Soltau

Thomas Soltau ist seit Januar 2014 Vorstandsvorsitzender des in Berlin ansässigen und im Jahre 2000 gegründeten Finanzportalbetreibers wallstreet:online capital AG. Der gelernte Bankkaufmann begann seine Karriere im deutschen Kapitalanlage- und Fondsmarkt im Jahre 2003 und war 2006 bereits Teil der wallstreet:online capital-Familie, kurz nachdem das Webportal FondsDISCOUNT.de an den Markt ging. Mit seinem Team widmet er sich u.a. der stetigen Weiterentwicklung des Portals und betreut mit diesem Service heute einen der führenden Fondsvermittler in Deutschland.

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