„Wir sind zögerlich, das Finanzinstrument eines ETFs unterschiedslos für jede Anlagesituation einzusetzen“

Die Vermögensmanagement Euroswitch bietet seit den frühen 1990er-Jahren fondsbasierte Vermögensverwaltung für eine vorwiegend private Kundschaft an. Waren es zunächst standardisierte Strategiedepots, auch und gerade für weniger betuchte Anleger, kamen 2008 Dachfonds hinzu. Innovativ erweitert wurde die Produktpalette durch den „Euroswitch Absolute Return“-Fonds, der überwiegend in sogenannte „Liquid-Alternative“-Zielfonds investiert. Auf Seiten der traditionellen Anlageklassen spielt der „Euroswitch World Profile“-Aktiendachfonds eine bedeutsame Rolle in der Produktwelt der Euroswitch, weil aus Sicht der Frankfurter Fondsexperten Aktien auch in Zukunft die superiore Anlageklasse sein werden. Der World Profile eignet sich insbesondere für langfristig orientierte, risikobewusste Anleger, die auch bei stärkerem Wellengang an den globalen Aktienmärkten nicht gleich seekrank werden. Der Fonds ist folgerichtig auch im Rahmen von „Vermögenswirksamen Leistungen“ einsetzbar, die, staatlich unterstützt, dem langfristigen Kapitalaufbau in Aktien dienen. Aktivitäten mit externen Vertriebspartnern steuert die Vermögensmanagement Euroswitch über ihre Schwestergesellschaft Dolphinvest Consulting GmbH, die 2010 von Michael Klimek in Frankfurt gegründet wurde. FondsTrends sprach mit Michael Klimek, Gründer und Managing Partner von Dolphinvest, über das Potenzial von Schwellenländern, die Zukunft von ETFs sowie die Bereicherung des Finanzsektors durch die Geisteswissenschaften.

FondsTrends: Herr Klimek, bitte erläutern Sie unseren Lesern doch das Geschäftsmodell der Euroswitch. Was ist ihr Alleinstellungsmerkmal inmitten vieler Asset Manager?

Michael Klimek: Die Euroswitch hat sich seit ihren Ursprüngen primär an der Risikobereitschaft ihrer Kunden orientiert und das Produktangebot entsprechend ausgerichtet. Konzentrierte sich die Euroswitch in den frühen Jahren auf Fondsanlagen im Euroraum und auf traditionelle Anlageklassen, so ist hieraus mittlerweile ein Bouquet an Anlagekonzepten entstanden, die von global anlegenden Multi-Asset-Fonds, über Nachhaltigkeitsstrategien bis hin zu reinen Aktienstrategien auf Einzelwertbasis reichen. Die Risikomanagementvorgaben an das Portfoliomanagement wurden mit der Zeit anspruchsvoller, sprich: aufwendiger, was den Technologieeinsatz und die qualitativen Aspekte bei der Fonds- und Managerselektion anlangt, und strikter, was die Investmentprozesse anlangt. So sind die vier verfügbaren Dachfonds u.a. nach ihrem Risikobudget zu unterscheiden: bis 5% Risikotoleranz pro Jahr für den Absolute Return, bis 10% für das Balanced Portfolio, bis 15% für den Substantial Markets-Fonds und über 15% für den World Profile.

FondsTrends: Mit dem World Profile Star Lux-Fonds widmet sich Euroswitch breit gestreuten Investitionen in globale, regionale und länderspezifische Aktienmärkte. Welchen Anlegertyp sprechen Sie mit diesem Fonds besonders an?

Michael Klimek: Anders als es der Standardaktienindex MSCI World nahelegt, sind wir bei der Euroswitch davon überzeugt, dass das Weltwirtschaftswachstum zu einem erheblichen Teil auch von den sogenannten Schwellenländern abhängt. Im historischen Längsschnitt war dort das BIP stärker gestiegen als in den entwickelten Ländern. Der typische Anleger im World Profile ist somit ein risikobewusster, langfristig orientierter Aktien-Überzeugungstäter: Wachstumschancen in Schwellenländern, aber auch in einzelnen Branchen werden sich häufiger im World Profile als im breiten MSCI World finden – ohne dabei jedoch die entwickelten Märkte zu ignorieren. So zeichnete sich der World Profile in den letzten Jahren durch eine zumeist ausgewogene Allokation von jeweils etwa 50% der Fondsanlagen in entwickelte und sich entwickelnde Volkswirtschaften aus.

FondsTrends: Im Fokus des World Profile-Fonds stehen die sogenannten Emerging Markets, also jene Schwellenländer, die als ernstzunehmende Wettbewerber für bereits etablierte Volkswirtschaften zu sehen sind. Welche Auswirkungen haben massive Disruptionen wie der Handelsstreit zwischen den USA und China auf die Anlagestrategie des Fonds?

Michael Klimek: Wir sind dezidiert aktive, erfahrungsbasierte Investoren, halten also rein regelgetriebenes Investieren für problematisch, weil der Fondsmanager sonst zur Inaktivität auch in Zeiten größerer Kapitalmarktverwerfungen verdammt wäre. Wir nutzen bewusst diskretionäre Entscheidungsfreiräume, zumal viele Volkswirtschaften, namentlich in den Schwellenländern, nicht dem Idealbild eines vollständig effizienten Marktes entsprechen bzw. mathematische Formeln wie in einem regelbasierten Fondsansatz politische Risiken nur bestenfalls unzureichend erfassen können. Im Übrigen würde ein Trumpscher Handels-Weltkrieg seinen Schatten nicht nur auf den Euroswitch World Profile werfen, sondern sich auf alle globalen Finanzmärkte auswirken, also vermutlich auch auf internationale Anleihe- und Devisenmärkte. Das lässt uns zwar nicht besser schlafen. Da wir aber auf jahrelange Erfahrung im Umgang gerade auch mit krisenanfälligeren Ländern und Märkten verfügen, wissen wir, dass Krisen Chancen bieten und dass wir im Ernstfall dem Anleger einen Mehrwert bieten können, der über den eines MSCI World-ETF weit hinausreicht.

FondsTrends: Eines der Merkmale der hauseigenen Euroswitch-Fonds ist die Investition über offene Investmentfonds und passive Indexfonds (ETFs). Der „Run“ auf billige Anlageprodukte, von dem nachgerade gesprochen werden kann, drückt dabei auf Einnahmen und Gewinne, Produkte mit Nullgebühr oder gar negativen Sätzen sind bereits im Gespräch oder schon im Umlauf. Wie bewerten Sie diese Entwicklungen?

Michael Klimek: Prinzipiell unterstützen wir Innovationen und machen, wie im Falle der ETFs, davon Gebrauch. Nur sind wir zögerlich, das Finanzinstrument eines ETFs unterschiedslos für jede Anlagesituation einzusetzen. Letztendlich sind wir, wie oben geschildert, aktive Anleger, die ein Zukunftsszenario vor Augen haben. Ein ETF investiert dagegen per definitionem nur rückwärtsorientiert, d.h. der ETF-„Manager“ darf nur in die vom Index vorgegebenen Titel investieren und auch nur in der vom Index vorgegebenen Gewichtung. Im Übrigen sind wir demütige Anleger, respektieren die Kompetenz anderer aktiver Fondsmanager und suchen gezielt gut gemanagte Zielfonds aus. Dass die Gesamtgebührenbelastung von Fonds sinkt, unsere eingeschlossen, ist ein betriebswirtschaftliches Thema, letztlich kein Investmentthema. Dass nunmehr der billige Jakob Einzug in die Investmentbranche gehalten und sich einen durchaus nennenswerten Marktanteil erworben hat, sollte so bewertet werden wie in anderen Branchen auch.

FondsTrends: Nach dem turbulenten Ausklang des letzten Börsenjahres – Hand aufs Herz: Raten Sie Ihren Privatanlegern weiterhin zu mehr Mut beim Investieren oder ist Sicherheit durch z.B. Festgeld nicht vielleicht doch eine Alternative?

Michael Klimek: Wenn Sie die Credit Default Swaps der deutschen Banken, also die börsengehandelten Versicherungsprämien für deren Ausfallrisiko im Vergleich mit anderen europäischen Banken in den letzten zehn Jahren verfolgt haben, kommen Sie zu anderen Schlüssen, was Sicht- und Spareinlagen bei Ihrer Hausbank um die Ecke anlangt. Wenn Sie sich darüber hinaus das systemrelevante Risiko vor Augen führen, das mittlerweile von den Anleihemärkten ausgeht, mag man von Mut sprechen, wenn man an Investieren denkt. Es gibt derzeit keinen risikolosen Zins, und es gibt kein risikoloses Girokonto. Selbst Kleinstanleger sind daher wahrscheinlich wie noch nie zuvor in der Geschichte gezwungen, sich Gedanken über ihre Risikobereitschaft zu machen. Und wenn dafür die Zeit nicht reicht, muss professioneller Rat, müssen professionelle Lösungen gesucht werden.

FondsTrends: Planen Sie angesichts dieser Lage in naher Zukunft die Auflage weiterer Produkte?

Michael Klimek: Wir haben seit neuestem reine einzelwertbasierte Aktienstrategien im Angebot.

FondsTrends: Ihre Vita hat uns neugierig gemacht. Ihr Hintergrund liegt in der Islamwissenschaft und Amerikanistik. Wie fasst man als Geisteswissenschaftler Fuß in einem so hoch spezialisierten Bereich wie dem Asset Management?

Michael Klimek: Asset Management ist ein globales Geschäft, Asset Manager investieren an globalen Kapitalmärkten. Es empfiehlt sich daher, einen globalen Horizont zu haben, der über touristische Erfahrungen hinausgeht.

FondsTrends: Eine letzte, ebenfalls persönliche Frage. Nach über 25 Jahren in einer Branche, der es an Beständigkeit und Ruhe nicht selten mangelt – was verschafft Ihnen Ausgleich oder gar Abstand?

Michael Klimek: Ausgleich und Abstand sind ein hehrer Anspruch, den zu erfüllen mir aber gelegentlich gelingt, insbesondere wenn ich zu Hause bei der Familie bin.

FondsTrends: Herr Klimek, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

20. Juni 2019

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Autor

Michael Klimek

Michael Klimek, Jahrgang 1960, ist Geschäftsführer der Vermögensmanagement Euroswitch und der Dolphinvest Consulting GmbH, beide mit Sitz in Frankfurt am Main. Der studierte Islamwissenschaftler und Amerikanist begann seine mittlerweile mehr als 25 Jahre zählende Karriere in der Finanzbranche bei Fleming Asset Management im Bereich Institutional Sales. Das Deutschland-Geschäft von Invesco baute er ab 1997 als Geschäftsführer auf, war von 2002 an Co-Deutschlandchef von Goldman Sachs Asset Management und leitete ab 2006 drei Jahre lang den Nahost-Vertrieb von cominvest. Die 2009 gegründete Dolphinvest Consulting GmbH (vormals Klimek Advisors) ist der Anlagevermittlungsarm der Euroswitch und bietet darüber hinaus mittelständischen Kunden honorarbasierte Anlageberatung.

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