Reporting Portale - Mächtige Werkzeuge

Im Markt der Private-Label-Fonds zählen die Fondsdurchschau und das tägliche Reporting mittlerweile zu den wichtigsten Auswahlkriterien.

Vor zehn Jahren sorgte die Ratingagentur Scope mit einer im Markt völlig neuen Technik für Aufsehen. Auf Grundlage der bereits 1992 von Nobelpreisträger William F. Sharpe entwickelten „Style-Analyse“ berechnete Scope erstmals aus dem Kursverlauf eines Fonds, wie es zu dessen Performance gekommen war. Mittels einer mathematische Methode lassen sich die Ertragsbeiträge von Asset Allocation, Stockpicking und Market Timing mehr oder weniger genau ableiteten und damit die Arbeit des Fondsmanagers offenlegen. Diese Ankündigung löste bei manchen Gesellschaften die Sorge aus, Außenstehende könnten mithilfe des Verfahrens einen allzu tiefen Einblick in Fondsstruktur und Anlagestrategie erhalten. Vermögensverwalter und Dachfondsmanager hingegen frohlockten angesichts der Möglichkeit einer Fondsdurchschau, die völlig unabhängig von Datenlieferungen der jeweiligen Fondsgesellschaft war. Wie wir heute wissen, erfüllten sich weder die Befürchtungen noch die Hoffnungen. Das Scope-Projekt verlief im Sande – nicht zuletzt weil das Interesse an einer solchen Leistung seinerzeit hinter den Erwartungen zurückblieb. Das ist heute anders. Durch den härteren Wettbewerb, immer schärfere Regularien und neue technische Möglichkeiten ist der Stellenwert professionellen Fondsreportings enorm gestiegen – allen voran im stark umkämpften Wachstumsmarkt der Private-Label-Fonds, wo eine moderne IT-Architektur längst für viele Fondsinitiatoren ein ausschlaggebendes Kriterium ist, mit welchem Hüllenproduzenten sie zusammenarbeiten wollen. Und gemeint ist damit nicht, dass die Vermögensverwalter, Fondsberater, Asset Manager oder institutionellen Großanleger am Quartalsende eine Inventarliste ihrer Fondsvermögenswerte erhalten, es geht um Hochleistungssysteme, die im besten Fall in Echtzeit fast jeden Aspekt eines Fonds quantifizieren und darstellen können. Benötigt wird das gleich aus mehreren Gründen – angefangen bei regulatorischen Anforderungen an das Berichtswesen über die Überwachung der Anlagestrategie bis hin zur Möglichkeit, den gläsernen Fonds in der Kommunikation mit bestehenden und potenziellen Kunden zu nutzen.

Wichtiges Kriterium

„Das Reporting ist nach den beiden Themen Pricing und Dienstleistungsumfang das drittwichtigste Kriterium bei der Auswahl einer Kapitalverwaltungsgesellschaft“, macht Stefan Schneider die Bedeutung des Themas deutlich. Schneider ist Vorstand der Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft und für das Private-Label-Fondsgeschäft der Privatbank am Standort Luxemburg zuständig. Erst vor wenigen Wochen haben er und sein Team für ihre rund 50 Fondsinitiatoren ein neues Reportingtool vorgestellt. Zusätzlich zu den standardisierten Reportings für rund 200 Private-Label-Fonds biete die Plattform zahlreiche tiefergehende Auswertungsinstrumente. So lassen sich unter anderem im Rahmen differenzierter Kontributions- und Attributionsanalysen die wesentlichen Performancetreiber eines Portfolios identifizieren. Das heißt, steigt der Wert eines gemischten Fonds in einem guten Aktienmonat nicht an, lässt sich feststellen, wann und wo der Fondsmanager die Fehlentscheidung getroffen hat. Mit diesem Leistungspaket will Hauck & Aufhäuser nichts weniger, als zu den führenden Reportingportalen im Private-Label-Fonds-Markt aufschließen, darunter zum Platzhirsch Universal-Investment. Auf dessen 2012 eingeführte Informations- und Analyseplattform Power Portal greifen heute mehr als 200 Fondsinitiatoren und insgesamt 3.500 Nutzer zu. Dieses Power Portal ist ein mächtiges Werkzeug, mit dem sich mittlerweile selbst Stresstestszenarien für Portfolios simulieren lassen.

„Mit dem Hauck & Aufhäuser Investment Portal Luxemburg können unsere Kunden jetzt weltweit schnell und flexibel auf alle für sie relevanten Fondsinformationen zugreifen.“

Zitat Stefan Schneider

Erweiterung der Services

„Die Nachfrage nach Reportingservices hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Fondsinitiatoren erwarten heute tägliche Transparenz bei den Fondsinvestments und einen stetige Erweiterung des Service“, beschreibt Carsten Steimer, Produktmanager Reporting bei Universal-Investment, die Situation im Private-Label-Markt. Den Nutzern des Power Portals stehen neben den klassischen Kennzahlen und Listen weit über 100 verschiedene Auswertungen rund um das eigene Fondsportfolio zur Verfügung, darunter zahlreiche tiefgreifende Analysen, etwa im Risiko-Controlling, die der verantwortliche Fondsmanager für seine tägliche Arbeit braucht. Einmal individuell konfiguriert, werden die Auswertungen je nach Bedarf fortlaufend generiert. Was großartig klingt, weist allerdings auch noch Beschränkungen auf. Trotz der intensiven Weiterentwicklung der Reportingplattformen sind der Fondsdurchschau nach wie vor auch Grenzen gesetzt, die sich im Moment noch nicht verschieben lassen. Das trifft insbesondere auf die Analyse von Dachfonds zu. Werden deren Zielfonds nicht von der gleichen Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) administriert wie der Dachfonds – leider eher die Regel als die Ausnahme – klafft hinsichtlich der Portfoliozusammensetzung auf Ebene der Zielfonds ein Datenloch. Bei externen Fonds sind die KVGs auf die Datenlieferung ihrer Mitbewerber angewiesen. Der Markt besteht aus lauter Inseln, die für sich genommen transparent sein mögen, nur das Meer, das sie trennt, ist schwer zu überwinden.

Echtzeitreporting

Im Schnitt dauert die Lieferung der Daten eines Zielfonds 30 Tage – eine halbe Ewigkeit angesichts der Tatsache, dass die meisten KVGs, zumindest im PLF-Segment, in fast allen Bereichen auf täglicher Datenbasis arbeiten und gar in Richtung Echtzeitreporting denken. Nicht nur externe Schocks wie zuletzt die überraschende Frankenfreigabe durch die Schweizer Nationalbank bergen gerade für Dachfondsmanager erheblich größere Risiken, da ihre laufende Portfolioüberwachung in der Regel auf „älteren“ Daten basiert. Dass die Bereitschaft zur Datenlieferung im Markt offenkundig verhalten ist, dürfte bei vielen KVGs aber weniger am Wollen als vielmehr am Können liegen. Darauf lassen zumindest die fehlende Qualität beziehungsweise die schlechte Aufbereitung von Fondsdaten schließen, die unser Magazin regelmäßig zu Recherchezwecken einholt. Erst recht, wenn man um die heutigen Möglichkeiten weiß, die es selbst dem einfachen Fondsberater um die Ecke erlauben, sein Portfolio auf Knopfdruck gläsern zu machen. Vorausgesetzt, er hat bei der Wahl des Fondsadministrators seines Vertrauens auf das richtige Pferd gesetzt.

Solvency II schafft Transparenz.

Immerhin, eine erste Lösung naht. Im Rahmen von Solvency II hat der Fondsverband BVI in einer Arbeitsgruppe den Datenaustausch zwischen KVGs ausführlich thematisiert und ein Datenblatt entwickelt, das neben den für Versicherungen verpflichtenden Kennzahlen auch den Austausch von Fondsdaten erleichtern soll. „Insgesamt wird Solvency II die Bereitschaft zum Datenaustausch zwischen KVGs erhöhen und die zeitliche Verzögerung bei der Lieferung verkürzen“, sagt Universal-Mann Steimer. Er gibt aber zu bedenken, dass in Dachfonds oft auch Zielfondsanteile von nichteuropäischen Asset Managern enthalten sind, um eine globale Investmentstrategie umzusetzen. „Dort wird es vorläufig zumindest beim mühsamen Direktkontakt bleiben, um Datenformate und Liefertermine abzustimmen“, so Steimer.

1. März 2016

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Zusammengefasst
  • Regulierungen, Wettbewerb und technischer Fortschritt erfordern professionelles Fondsreporting
  • Mehr Transparenz durch differenzierte Analysen und vielfältige Auswertungen
  • Steigende Nachfrage bei Erweiterung der Reportingservices
  • Erhöhter Datenaustausch durch Solvency II
Thema

Erfolgsfaktor Fondsreporting

Reporting Portale bieten uns zahlreiche Möglichkeiten in der Zusammenstellung unserer Fondsinformationen. Die Portale der Zukunft bestechen durch eine klare Strukturierung, ein innovatives Design sowie Transparenz auf einen Blick. Man erhält Zugang zu Performance- Analysen und Portfolios. Die Fondsreportings sind auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasst und bieten ein Höchstmaß an Flexibilität und Individualität.

Autor

Michael Knust

Der Autor des Artikels ist Michael Knust.

Herr Knust war bis Anfang 2016 leitender Redakteur bei FONDS professionell in Köln.

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