Der Core-Satellite-Ansatz: Wie Sie eine Kernanlage sinnvoll mit komplementären Strategien ergänzen

Zahlreiche institutionelle Anleger verfolgen bereits einen Core-Satellite-Ansatz in der Zusammenstellung ihrer Investmentportfolios. Doch auch unter privaten Anlegern wird dieser Ansatz immer beliebter. Doch was zeichnet diese Form der Portfoliokonstruktion genau aus?

Hierbei nimmt eine breit diversifizierte Kernanlage („Core“) einen überwiegenden Anteil am Portfolio ein. Dieser Kern besteht in der Regel aus Wertpapieren, die langfristig gehalten werden. Der Kern ist als strategische Anlage zu verstehen und soll eine stabile Grundrendite bei einer gleichzeitig hohen Diversifikation leisten. Die Kernanlage sollte möglichst breit gestreut sein, um die Schwankungsbreite des Gesamtportfolios zu minimieren. Ergänzt wird der Portfoliokern um mehrere „Satelliten“. Diese Anlagen wirken komplementär zur Kernanlage und werden meist nur kurz- bis mittelfristig eingesetzt, um taktisch Markttrends zu nutzen und die Rendite bzw. das Risiko des Portfolios aktiv zu steuern. Die Satelliten weisen ein tendenziell höheres Renditepotenzial auf als die Kernanlage und sollten gleichzeitig möglichst gering mit dieser korrelieren.

Attraktive Rendite bei reduzierter Schwankungsbreite

Der Core-Satellite Ansatz ist in der Lage, das Rendite-/Risikoprofil eines Portfolios zu verbessern, indem die erwartete Rendite erhöht sowie die Kostenbelastung und die Schwankungsbreite reduziert werden. Dies betrifft vor allem Portfolios, die in Aktien mit einer hohen Marktkapitalisierung und in aktive Fonds investieren. Gerade für die Kernmärkte, wie den hochkapitalisierten US-Aktienmarkt, ist nur eine Minderheit aktiver Manager langfristig in der Lage, den Vergleichsindex zu übertreffen. Laut Indexanbieter S&P Dow Jones schlagen von allen US-Large-Cap Fondsmanagern in den USA auf Sicht von 10 Jahren weniger als 15% den Vergleichsindex S&P 500*. In anderen Kernmärkten sieht das Bild ähnlich aus. Je kleiner und spezialisierter ein Markt jedoch ist, umso höher ist auch das Potenzial für aktives Management. Es liegt daher nahe, für die Kernmärkte einen kosteneffizienten, passiven Ansatz über die Investition in ETFs zu wählen und diese selektiv mit aktiven Strategien zu ergänzen. Während das grundlegende Beta-Exposure somit über das Kerninvestment gesteuert wird, generieren komplementär wirkende Satelliten zusätzliches Alpha.

Gerade Nischenmärkte, wie z. B. Small-Cap-Aktien in Asien, können die Rendite des Portfolios insgesamt erhöhen. Weisen diese Strategien eine geringe Korrelation zu den Kernanlagen auf, reduziert sich die Schwankungsbreite des Portfolios zusätzlich. Dies gilt insbesondere für liquide alternative Strategien mit einem geringen oder sogar negativen Beta zum Markt. Da das Kernportfolio aus langfristigen Anlagen besteht und nur geringfügig adjustiert werden muss, hilft der Core-Satellite-Ansatz zudem aktiv Transaktionskosten zu senken. Der Einsatz von passiven Investmentfonds als Kernanlage hilft außerdem, das Kostenniveau weiter zu senken. Weniger Transaktionen führen ganz nebenbei für viele Anleger auch zu einer niedrigeren Steuerbelastung, da Gewinne im Portfoliokern laufen gelassen und nicht frühzeitig realisiert werden. Zahlreiche Studien haben zudem gezeigt, dass die Rendite eines Portfolios überwiegend durch die grundlegende Asset Allocation erklärt wird und nicht durch die Einzeltitelselektion. Es macht daher Sinn, die grundlegende Asset Allocation über den Portfoliokern zu steuern und mit weiteren Satelliten eine Überrendite anzustreben.

Der Core-Satellite-Ansatz lässt sich beliebig anpassen

Als Satellitenanlagen bieten sich spezifische geographische Regionen, zusätzliche Anlageklassen wie liquide alternative Strategien oder spezielle Stile wie z. B. Small-Cap-Value-Aktien an. Ein zusätzlicher Fonds, der in den Rohstoff Gold investiert, kann bspw. aufgrund der tendenziell niedrigen Abhängigkeit zum Aktien- und Rentenmarkt die Schwankungsbreite des Portfolios reduzieren. Ein Immobilienfonds kann dagegen für einen stetigen Ertrag sorgen. Ebenso können Derivate eingesetzt werden, um das Portfolio taktisch gegen Marktschwankungen abzusichern. Im institutionellen Rahmen wird das Management der Satellitenanlagen häufig an externe Manager ausgelagert, wohingegen die Kernanlagen selbst verwaltet werden. Gerade für viele spezialisierte Märkte bedarf es in vielen Fällen des Zugangs und der Expertise aktiver Manager.

Der Core-Satellite Ansatz bietet sich sehr gut an, um aktive und passive Anlagen in einem Portfolio zu kombinieren und ermöglicht die effiziente Anpassung der Asset Allocation an jedes Marktumfeld. Ein kosteneffizientes und breit gestreutes Kernportfolio wird um aktive Manager ergänzt, welche eine Überrendite generieren. Die Volatilität wird durch niedrig korrelierte Strategien gesenkt und die Transaktionskosten und Steuerbelastung reduziert. Nicht zuletzt vereinfacht der Ansatz auch die Steuerung der Portfolioallokation. Der Investor kann die Verwaltung des Portfoliokerns und der Satelliten selbst übernehmen oder an unterschiedliche Asset Manager auslagern. Durch die individuelle Steuerung der einzelnen Satelliten lassen sich auch die Risiken im Portfolio besser zuordnen. Der Ansatz bietet damit eine ganze Reihe von Vorteilen, die gleichermaßen von institutionellen und privaten Anlegern genutzt werden können.

*siehe SPIVA US Mid-Year 2016 Scorecard von S&P Dow Jones Indices.

03. April 2017

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Autor

Lennart Segler

Lennart Segler ist Portfolio Manager bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und für die Steuerung der easyfolio-Strategien verantwortlich, die weltweit gestreut über passive Investmentfonds (ETFs) in die Anlageklassen Aktien und Renten investieren. Als ausgewiesener Experte für Investmentfonds beleuchtet er nicht nur interessante Fragestellungen aus dem Portfolio Management, sondern ist auch der richtige Ansprechpartner bei Fragen rund um die Strategien von easyfolio. Diese Strategien sind für unterschiedliche Anlegertypen erhältlich und eignen sich sehr gut als Kernanlage in einem Core-Satellite Ansatz.

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