Entwicklungen im Fondsgeschäft 2017 – Wir dürfen gespannt sein!

Regulierung auf der einen Seite, Entwicklungsdruck und sinkende Margen auf der anderen. Ein Rentenmarkt, der weder Investoren noch Produktinitiatoren inspiriert. Vor allem Privatanleger müssen sich auf eine Produktdiät einstellen, wenn die Produktgeber weiter ihre Angebotspaletten restrukturieren.

Liebe Leser und Autoren von FondsTrends,

ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit, die Sie unserer neuen Informationsplattform FondsTrends geschenkt haben!

Seit nunmehr einem Jahr wurden zahlreiche Artikel in diesem Portal veröffentlicht und haben vom ersten Tag an eine hohe Aufmerksamkeit erfahren. Die Kompetenz der Autoren und ihre Fähigkeit, ihr Wissen in kompakter und verständlicher Form weiterzugeben, haben nicht nur uns als Initiatoren der Seite, sondern auch zahlreiche Leser beeindruckt.

Die Autoren, die aus verschiedenen Blickwinkeln und vor verschiedenen beruflichen Hintergründen Themen eingebracht haben, trugen ganz wesentlich zum Erfolg des Portals bei. Diesen gilt an dieser Stelle der besondere Dank des Redaktionsteams.

Die positiven Reaktionen vieler Leser drücken Lob und Anerkennung für die veröffentlichten Themen aus. Danke im Namen aller Autoren!

„Mündige Anleger sind gegenüber der überbordenden Regulierung die bessere Alternative.“

Stefan Schneider

Trenderkennung als Vorkehrung für Überraschungen

In 2016 haben viele politische, wirtschaftliche und regulatorische Themen die Fondswelt bewegt. Teilweise haben sie, wie beispielsweise der Brexit und die US-Präsidentenwahl, für kräftige Überraschungen gesorgt. Die jeweils vorangegangene Falschannahme von Meinungsforschungsinstituten zeigt uns aber, dass wir mit unserer Überraschung in bester Gesellschaft waren. Daher ist es umso wichtiger, Trends und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, um nicht wieder zu denen zu gehören, die staunend die (Fonds-)Welt betrachten. Dies werden wir auch im neuen Jahr auf FondsTrends konsequent fortsetzen und die Trends in ihrer Entstehung durch kompetente Autoren beleuchten. Unserer kurzen Tradition folgend sind Sie, liebe Leser, herzlich eingeladen, sich einzubringen.

Ausblick

Eine Vorhersage für das neue Jahr kann mit Sicherheit getroffen werden: Regulatorische Herausforderungen und neue EU-Direktiven werden die Fondsbranche auf Trab halten – und dies nicht nur in Luxemburg. UCITS VI steht bereits auf den Agenden in Brüssel. Die PRIIPS Direktive ist zwar aufgeschoben, aber die damit verbundenen Aufgaben und Notwendigkeiten sind noch lange nicht erledigt, da die Anforderungen alles andere als leicht nachvollziehbar sind. Ein leider des Öfteren zu beobachtendes Phänomen ist, dass mit hochkomplexen Anforderungen an die Dienstleister das Ziel verfolgt wird, die Produkte für Anleger sicherer zu machen. Die Börsenzeitung bezeichnet es in ihrer Jahreschlussausgabe als „das immer engmaschiger werdende Netz der Regulierung“.

Durch diese Entwicklungen soll die Finanzwelt geordneter und der Anleger geschützter sein. Absehbar ist aber, dass die Entwicklungen – außer durch ihre Kosten – die Anleger kaum erreichen. Weder der zwischenzeitlich wieder eingestellte „Verkürzte Verkaufsprospekt“ noch das „KIID“ als dessen Nachfolger stehen bei den Anlegern als Informationsmedium hoch im Kurs.

Das Resultat: Kosten, die keinen Nutzen bringen.

Der Schutz der Anleger stellt unbestritten ein hohes Gut dar, jedoch muss er auf einem anderen Weg erreicht werden als durch Bevormundung. Das Wissen über Finanzprodukte und wirtschaftliche Zusammenhänge muss bereits in der Schule den gleichen Stellenwert genießen wie andere Hauptfächer.

Ansonsten wird durch eine Überregulierung der eigentlich zu Schützende das Opfer werden, wenn er keine ausreichende Anzahl an geeigneten Finanzprodukten mehr am Markt vorfindet, weil Anbieter auf Grund der nachlassenden Attraktivität des Marktes keine zeitgemäßen Produkte mehr initiieren werden.

Des Weiteren wird die Internationalisierung eine bedeutende Rolle spielen. Die Aktionsräume der Investoren dehnen sich seit einiger Zeit aus, was erhebliche Anforderungen an die Produktgeber und deren dahinter stehende Dienstleister mit sich bringt. Auf Grund des damit einhergehenden Kostenauftriebs schließen sich immer mehr Dienstleister zusammen, um weiterhin Fortentwicklungen betreiben zu können.

Als weiterer begrenzender Faktor kommen die Wertpapiermärkte ins Spiel. Der Rentenmarkt fällt als Nährboden für neue Produkte aus. Die niedrigen Zinsen auf der einen Seite und die angebotsverknappende EZB andererseits haben diese Produktkatgeorie längst schrumpfen lassen. Rentenfonds können zudem die steigenden regulatorischen Kosten nicht mehr verdienen und werden reihenweise miteinander verschmolzen oder ganz aufgelöst. Aktienfonds anderseits sind noch immer nicht gänzlich in der Breite der Anlegerschaft angekommen. Die geringe Bereitschaft der Anleger, Kapitalmarktrisiken einzugehen, wird sich in mehrfacher Hinsicht rächen:

  1. Da damit Renditeverzicht geübt wird.
  2. Die Inflation zieht an, während die Zinsen noch niedrig bleiben. Damit wird sich bald ein Kaufkraftverlust einstellen.
  3. Mitteleuropäisches Produktivkapital wird durch die Abstinenz heimischer Investoren verstärkt durch ausländische Investoren übernommen (z. B. Hochtief AG, KUKA) und anschliessend regelmäßig betrauert, ohne daraus zu lernen.

Fazit

Den Anlegern und Investoren steht ein schwieriges Jahr bevor. Ihre Handlungsmöglichkeiten werden durch die weiter voranschreitende Regulatorik und durch die Beeinflussung der Märkte eingeschränkt. Daraus kann eine starke Strömung in einzelne Sektoren, wie z. B. den Immobilienmarkt, entstehen – eine Blasenbildung ist nicht ausgeschlossen. Es sind gezielte Maßnahmen zu ergreifen, die den Anlegern den Zugang zu Produktivkapital schmackhaft machen und auf verständlicher, sicherer Basis ermöglichen.

20. Januar 2017

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Autor

Stefan Schneider

Stefan Schneider

Stefan Schneider ist seit 2009 Mitglied des Verwaltungsrats der WWK Investment S.A.. Ebenfalls seit 2009 ist er als Vorstand für Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft S.A. tätig und verantwortet das Private Label Fondsgeschäft am Standort Luxemburg.

Vor seinem Eintritt bei Hauck & Aufhäuser war er für das Fondsgeschäft bei der DZ Bank International (heute DZ Privatbank) und deren Tochter IPConcept Fund Management in verantwortlicher Position zuständig.

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