Trumps Auswirkungen auf Asien

Im Rückblick war 2016 sicherlich ein turbulentes Jahr für die Finanzmärkte. Was können wir nun für 2017 erwarten? Von großer Bedeutung für gesamtwirtschaftliche Ereignisse in Asien werden natürlich Donald Trumps Entscheidungen im Oval Office sein. Seit seinem Wahlsieg ist es bereits zu signifikanten Marktrotationen gekommen, wobei die Märkte in Asien stark fielen. Sind diese Bedenken gerechtfertigt?

Antiglobalisierungspolitik?

Die größte Sorge Asiens ist, dass Trump seine Antiglobalisierungsrhetorik umsetzt und Importe aus Ländern wie China mit höheren Zöllen belegt. Das Wachstum in Asien wurde vom internationalen Handel angetrieben. Eine Einigelung der USA mit Abschottung der Grenzen hätte deshalb negative Auswirkungen auf das Wachstum in der Region. Aufgrund der drohenden Gefahr von Handelskriegen ist bei export- und handelsabhängigen Investments Vorsicht geboten.

Das Platzen der TPP ist ein Zeichen für die gegenwärtige handelsfeindliche Stimmung im Westen. Die asiatischen Länder teilen diese Haltung jedoch nicht. Hier konzentrieren die Regierungen ihre Bemühungen auf ein anderes Handelsabkommen – die Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), der die zehn südostasiatischen Länder sowie China, Indien, Japan, Korea, Australien und Neuseeland angehören sollen. Der Wegfall des US-Marktes wäre zwar ein signifikanter Verlust, aber die RCEP-Nationen haben zusammen eine Bevölkerung von über drei Milliarden Menschen und erwirtschaften etwa 30% des weltweiten Gesamt-Bruttoinlandsprodukts. Deshalb besteht die Hoffnung, dass ein stärkerer Handel innerhalb der Region, der von der wachsenden Mittelschicht in Asien angetrieben wird, die potenziellen Verluste aus den USA ausgleichen wird.

„Was können wir nun für 2017 erwarten? Von großer Bedeutung für gesamtwirtschaftliche Ereignisse in Asien werden natürlich Donald Trumps Entscheidungen im Oval Office sein.“

Daryl Liew

Militärischer Rückzug der USA?

Als nächstes wichtiges Thema bereitet Asien Sorge, ob die USA ihre militärische Präsenz in der Region aufrechterhalten. Im Wahlkampf forderte Trump lautstark, dass andere Nationen ihren Anteil an den Kosten für US-Stützpunkte im Ausland übernehmen müssten. Ein Rückzug der US-Truppen aus der Region könnte eine destabilisierende Wirkung haben und ein Sicherheitsvakuum schaffen. Das wiederum könnte zu einer Zunahme der geopolitischen Risiken führen – insbesondere angesichts der bestehenden Spannungen im Südchinesischen Meer. Es ist beunruhigend, dass viele Nationen im asiatisch-pazifischen Raum ihre Verteidigungshaushalte aufstocken, womit das Risiko eines militärischen Konflikts zunimmt.

Tatsächlich könnte ein militärischer Rückzug der USA den Chinesen direkt in die Hände spielen. Denn China ist mehr als bereit, das Vakuum des „großen Bruders“ zu füllen. Chinas jüngste Initiativen – „Ein Gürtel, eine Straße“ und die Gründung der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank – resultierten in bedeutenden Engagements in verschiedenen Infrastrukturprojekten in ganz Asien. Dies ist ein Teil der Strategie Chinas zur Verstärkung seines politischen und wirtschaftlichen Einflusses in der Region. Ein Paradebeispiel dafür sind die jüngsten Besuche der Staatschefs der Philippinen und Malaysias in Peking, von denen sie mit millionenschweren Investitionspaketen heimkehrten.

Stärke des US-Dollar?

Der US-Dollar ist seit dem Wahlsieg von Trump in die Höhe geschossen und könnte weiter steigen, wenn seine reflationäre Politik Wirkung zeigt. Dies würde die US-Notenbank unter Druck setzen, die Zinsen schneller anzuheben als erwartet. Währungen von Ländern mit schwächeren Bilanzen wie der malaysische Ringgit und die indonesische Rupiah, die in den ersten drei Quartalen 2016 kräftig zugelegt hatten, erlitten signifikante Kursverluste. Der chinesische Renminbi ist ebenfalls unter Druck geraten. Dies ist jedoch hauptsächlich auf die Stärke des US-Dollars zurückzuführen, da der Renminbi gegenüber dem diversifizierten Währungskorb der CFETS stabil blieb.

Die gute Nachricht für Asien ist, dass das weitere Aufwärtspotenzial des US-Dollars begrenzt sein könnte, da ein starker US-Dollar nicht wirklich im besten Interesse der USA ist. Wenn Trump tatsächlich Arbeitsplätze in der Industrie für seine Anhänger in den „Rostgürtelstaaten“ schaffen möchte, wäre ihm ein schwächerer US-Dollar vermutlich lieber.

Indien und Vietnam 2017 bevorzugt

Die Tabelle und das Chart unten zeigen die Wertentwicklung im Jahresverlauf 2016 und die aktuellen Bewertungen diverser Märkte in Asien. Trotz der volatilen Marktbedingungen lagen die Märkte Südostasiens 2016 in Führung. Thailand, Indonesien und Vietnam entwickelten sich in der Region am besten. Taiwan war der einzige Lichtblick in Nordasien. Mit Blick auf die weitere Entwicklung wird Nordasien weiter unter Belastungen leiden, da große Teile der Region in die weltweite Versorgungskette des Fertigungssektors eingebunden und durch die Antiglobalisierungsbewegung gefährdet sind.

Asian Markets Performance & Valuation

Asian Markets Performance & Valuation

Die weniger industrialisierten Volkswirtschaften Südostasiens könnten sich 2017 immer noch überdurchschnittlich entwickeln, da sie weiter Empfänger von ausländischen Direktinvestitionen sind. Vietnam erscheint trotz der geplatzten TPP immer noch attraktiv. Dies vor allem, da sich die Regierung anschickt, Staatsunternehmen zu privatisieren. Sabeco, die dominierende Brauerei in Vietnam, wurde vor kurzem an die Börse gebracht. Es gibt Pläne für eine ganze Reihe weiterer Börsengänge. Der philippinische Aktienmarkt erlitt seit der Amtsübernahme von Präsident Duterte eine signifikante Tieferbewertung, da ausländische Anleger verkauften. Nun erscheinen die Bewertungen wesentlich annehmbarer. In Vietnam und auf den Philippinen wird 2017 ein BIP-Wachstum von 6% erwartet, womit sie zu den wachstumsstärksten Ländern in Asien zählen würden.

Indien ist ebenfalls einer unserer bevorzugten Märkte für 2017. Der indische Aktienmarkt litt vor kurzem unter der unerwarteten Demonetisierungspolitik von Premierminister Modi, bei der die bestehenden 500- und 1000-Rupien-Scheine aus dem Verkehr gezogen wurden. Dieser Schritt führte zu einer Bargeldverknappung und dürfte die Wirtschaft in den nächsten Quartalen belasten, weil sich die Wirtschaftsaktivität verlangsamt. Die Unternehmensgewinne dürften vorübergehend einknicken. Aber die Verkaufswelle schafft eine Kaufgelegenheit. Einer der Vorteile Indiens ist die sehr geringe Korrelation zu den anderen asiatischen Märkten, da das Land hauptsächlich vom Binnenwachstum und weniger von Exporten abhängt. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass die Reformen von Modi allmählich in Gang kommen – die Einführung der GST (Goods and Services Tax) im April 2017 ist ein wichtiger Schritt und wird die Effizienz der Unternehmen verbessern.

Mehr Aufwärtspotenzial in Japan

Der japanische Aktienmarkt war einer der größten Nutznießer des Wahlsiegs von Trump, weil sich der Yen deutlich abschwächte. Dieser Trend könnte sich 2017 fortsetzen, da sich die Zinsdifferenz ausweitet. Außerdem scheint Japan kein Ziel potenzieller Protektionsmaßnahmen von Trump zu sein. Die Bewertungen japanischer Aktien erscheinen immer noch vernünftig. Zudem könnten die Gewinne steigen, wenn sich die Vorteile des schwächeren Yen im nächsten Jahr bemerkbar machen.

Am 28. Januar hat das Jahr des Hahns begonnen, und hoffentlich wird sein Krähen bessere Zeiten im Jahr 2017 ankündigen. Zumindest in einigen Teilen Asiens könnte dies der Fall sein.

30. Januar 2017

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Autor

Daryl Liew

Als Senior Portfoliomanager in Singapur ist Daryl Liew für die Verwaltung von Kundenportfolios zuständig und an der Asset-Allokation beteiligt. Von 2002 bis 2010 arbeitete er bei Providend Ltd in Singapur und war zuletzt in der Generaldirektion für die Investments verantwortlich. In dieser Eigenschaft war er auch Mitglied des Investitionsausschusses des Unternehmens und verwaltete sowohl die Portfolios von Providend als auch Kundenkonten. Er genießt allgemeine Anerkennung und gehört zu den Verfassern des „Singapore Master Financial Planning Guide“. Aus seiner Feder stammen ferner zahlreiche Artikel über die Grundlagen und Trends im Investmentsektor. Daryl Liew besitzt einen Master in Business Management, Fachgebiet Finanzwesen, des Asia Institute of Management (Philippinen, 2002). Er verfügt zudem über eine Zulassung als CFA (2005).

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