Zeit für die Helikopter?

Sieben Jahre sind seit dem Ende von Lehman Brothers vergangen. Die Leitzinsen sind bei null, die Staatsverschuldungen angestiegen. Trotzdem reicht es nur für ein Miniwachstum, die Inflationsraten sind von ihren Zielwerten weit entfernt. Sollten daher die Notenbanken ihre Geldschleusen noch weiter öffnen?

Schaut man auf den Arbeitsmarkt, könnte man zufrieden sein. Trotz geringen Wachstums sind die Arbeitslosenraten sehr deutlich gesunken. Dass dennoch die Inflationsziele verfehlt werden, hat auch viel mit dem dramatischen Verfall der Rohstoffpreise zu tun. Daran kann die Geldpolitik aber wenig ändern. Möglicherweise leidet die Wirtschaft eher unter chronisch mangelnder Nachfrage. Haushalte und Unternehmen wollen sich entschulden und trotz geringer Zinsen wird kaum investiert. Auf staatliche Konjunkturprogramme zu setzen wäre wegen der damit verbundenen Schuldenaufnahme problematisch.

Die auf Milton Friedman zurückgehende Idee vom Geld aus dem Helikopter verspricht Staatsausgaben ohne neue Schulden und die Überwindung der chronischen Nachfrageschwäche. Volkswirtschaftlich betrachtet geht es darum, die umlaufende Geldmenge dauerhaft auszuweiten.

Konjunkturprogramm

Realisiert wird Helikopter-Geld, indem ein staatliches Konjunkturprogramm über die Notenbankpresse finanziert wird. Technisch gesehen entstehen so keine neuen Staatsschulden. Die Geldmengenausweitung lässt die Inflationserwartungen ansteigen, der für Investitionen und Konsum entscheidende Realzins sinkt. Mit Helikopter-Geld geben Notenbanken ihre Unabhängigkeit auf, sie rutschen in die Nähe der Fiskalpolitik.

Wären diese dann eher bereit, bei Inflationsgefahren ein Auge zuzudrücken? Und wie würde die Inflation auf das Helikopter-Geld reagieren? Sind die Inflationserwartungen fest bei zwei Prozent verankert, dann verpufft die Wirkung des Helikopter-Geldes. Dass sich trotz jahrzehntelanger Überlegungen keine Notenbank an das Instrument Helikopter-Geld gewagt hat, spricht Bände. Dies muss nicht für immer so bleiben.

„Helikopter-Geld ist eine bizarre Idee und eine Kapitulation herkömmlicher Wirtschaftspolitik.“

Zitat Burkhard Allgeier

Gewagtes Finanzinstrument

Sollte wieder eine Rezession drohen, obwohl die Leitzinsen noch tief und die Handlungsfähigkeit des Staats aufgrund seiner Verschuldung begrenzt ist, dann könnte auch die Zeit für extremere Schritte wie Helikopter-Geld kommen. An den Aktienmärkten würde das Helikopter-Geld wohl begrüßt werden. Es würde all denen, die den Glauben an die realwirtschaftliche Wirksamkeit der Geldpolitik verloren haben, signalisieren, dass die Notenbanken das Risiko einer säkularen Stagnation „endlich“ ernsthaft angehen. Staatsanleihen wären der große Verlierer, sofern ihr Wert „weginflationiert“ wird. Allerdings ist Helikopter-Geld ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Insofern ist zu hoffen, dass die Fed und andere Notenbanken sich ausreichend Handlungsspielraum zurückerobern, um für kommende Herausforderungen gerüstet zu sein – ohne dass die Helikopter starten müssen.

1. März 2016

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Zusammengefasst
  • Fehlende Investitionen trotz niedriger Zinsen
  • Ausweitung der Geldmenge soll Inflation auslösen
  • Helikopter-Gelder ein Experiment mit ungewissem Ausgang
  • Konventioneller Handlungsspielraum der Notenbanken muss zunehmen
Thema

Helikopter-Geld

Die Wortschöpfung „Helikopter-Geld“ geht auf Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman zurück und beschreibt die massive Ausweitung der Geldmenge durch die Notenbank, die – bildlich gesprochen – Geld aus dem Hubschrauber abwirft. Indem diese frisches Geld über die Wirtschaft und besonders die Banken regnen lässt, will sie eine Kreditklemme verhindern, die in eine rezessive Abwärtsspirale führen könnte.

Autor

Burkhard Allgeier

Burkhard Allgeier

Burkhard Allgeier ist Chefvolkswirt und Leiter Strategie bei Hauck & Aufhäuser. Mit seinem Team analysiert und prognostiziert er sowohl makroökonomische Entwicklungen als auch das Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten.

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