Speicher für Wind und Sonne

Die Nutzung erneuerbarer Energien ist auf dem Vormarsch. Die Möglichkeit, die so gewonnene Energie zu speichern, ist für deren weitere Ausbreitung von zentraler Bedeutung. Sinkende Technologiekosten für Energiespeicher ermöglichen bereits heute eine Vielzahl an Geschäftsmodellen und bieten attraktive Investitionschancen für langfristig orientierte Investoren.

Deutschland deckt bereits rund 35 Pro­zent seines Energiebedarfs durch erneu­erbare Energien, weist jedoch kaum sinkende CO2-Emissionen auf. Grund dafür ist die schwierige Planbarkeit erneuerbarer Energieproduktion: Da sich die Erzeugung nicht optimal mit der Nachfrage der Stromverbraucher deckt, können CO2-intensive, fossil befeuerte Kraftwerke noch nicht im nötigen Aus­maß vom Netz genommen werden. Energiespeicher können die Brücke zwi­schen Angebot und Nachfrage schlagen.

Speichertechnologie mit zwei Nutzen

Erneuerbare Energien bieten eine saubere, preiswerte Alternative zu fossiler Stromerzeugung. Gleichzeitig stellen sie die bestehende Elektrizitätsinfrastruktur vor große Herausforderungen. Die Infrastruktur basiert noch auf dem klassischen Modell zentraler Stromproduktion durch Großkraftwerke und der Übertragung über Stromnetze an die Endabnehmer. Gefragt ist aber zunehmend eine flexible Architektur dezentraler und bidirektionaler Versorgung, also die Möglichkeit, je nach Situation Strom zu beziehen oder einzuspeisen. Bleiben Investitionen in das bestehende Netz aus, droht mittelfristig ein Szenario mit massiven wirtschaftlichen Folgen.

Hier kommen Energiespeicher ins Spiel. Die Einführung von Speichertechnologie (wie zum Beispiel Li-Ionen-Batterien) an verschiedenen Stellen im Netz ermöglicht die Integration schwankender Erzeugung aus Erneuerbaren in das System ohne kapitalintensive Netzausbauten. Dank des schnell wachsenden Ausbaus der Speicherindustrie (Stichwort: Elektromobilität) und des damit einhergehenden Kostenrückgangs sind Batterien heute erste Wahl für eine Vielzahl solcher Netzanwendungen. Sie erbringen dabei primär zwei Arten von Dienstleistungen: Lastausgleich und Nebenleistungen, die wiederum zahlreiche Geschäftsmodelle ermöglichen.

Mehrere Geschäftsmodelle ergänzen sich

Lastausgleich ist die Abstimmung zwischen dem Stromangebot und dessen Nachfrage. Am offensichtlichsten zeigt sich diese Problematik in der Windenergie: Bei nächtlichen Sturmböen wird viel mehr Strom erzeugt, als im Netz benötigt wird. Andererseits kann eine Windflaute zu Spitzenzeiten der Nachfrage eintreten. Heute wird dieser Lastausgleich noch mehrheitlich durch CO2– intensive, fossil befeuerte Kraftwerke erbracht. Er könnte aber auch über Speicherkapazitäten erreicht werden. Nebenleistungen sind Dienstleistungen zur Gewährleistung eines qualitativ und quantitativ konstant gleichbleibenden Angebots an Elektrizität.

Der Ausbau variabler Energieproduktion macht hier Investitionen in den Kapazitätsausbau notwendig und Speichertechnologien können auch diese Dienste effizienter übernehmen als bestehende Anlagen. Eine Mischform beider Anwendungen bildet die Stromversorgung isolierter Gebiete, wie etwa Inseln. Jede Speicheranwendung erzeugt einen separaten Erlösstrom. Die meisten Anlagen können mehr als eine Anwendung unabhängig von ihrem Standort bieten. Die optimale Kombination möglicher Anwendungen wird Anlagebesitzern und damit auch Investoren eine ausgewogene Mischung aus fixierten und marktbasierten Cashflows und damit die optimale Rendite eröffnen.

Auch hier: diversifizieren!

Gegenwärtig ist die Monetisierung eines bis zweier dieser Erlösströme möglich. Es wird jedoch erwartet, dass dem Speicherbesitzer durch regulatorische Änderungen und weiter sinkende Speicherpreise mittelfristig viele dieser Erlösströme zugänglich werden. In zahlreichen Ländern werden Speicher bereits heute bei Ausschreibungen von systemweiten Netzdienstleistungen berücksichtigt. Eine zunehmende Zahl an Versorgungsunternehmen, die derzeit selbst nicht über viel Spielraum auf der Investitionsseite verfügen, übernimmt hier proaktiv den Lead. Die Anzahl an Investitionschancen für langfristig orientierte Investoren dürfte damit in Zukunft steigen. Die Speicherindustrie befindet sich heute am Wendepunkt hin zum massiven Einsatz.

Es wird erwartet, dass die Branche zwischen 2014 und 2019 im Jahresdurchschnitt um 79 Prozent wachsen wird. Dies entspricht einem Investitionsbedarf von fast 10 Mrd. Franken allein im Jahr 2019. Infrastrukturinvestitionen in Energiespeicher bieten gleichmäßige jährliche Ausschüttungen. Investoren sind gut beraten, Projekte detailliert und mit dem nötigen Fachwissen zu prüfen. Hohe Renditen sind möglich, wenn auch Geschäftsmodelle mit einem gewissen Marktrisiko in das Portfolio integriert werden. Um genügend Investitionschancen wahrnehmen und risikoadjustierte Erträge erzielen zu können, ist ein über mehrere Regionen, Geschäftsmodelle und Technologien diversifiziertes Investitionsmandat unverzichtbar.

23. November 2016

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Autor

Dr.Tobias Reichmuth

Dr. Tobias Reichmuth ist Unternehmer und Experte für die Finanzierung der zukünftigen Energieinfrastruktur. Er gründete die auf nachhaltige Energieinfrastruktur spezialisierte Investmentberatung SUSI Partners AG 2009 nach mehrjähriger Strategieberatungserfahrung bei The Boston Consulting Group. Er ist Herausgeber des im NZZ-Verlag erschienenen Buches "Die Finanzierung der Energiewende in der Schweiz" und hat an mehreren Publikationen zum Thema der nachhaltigen Anlagen für institutionelle Investoren mitgearbeitet. Er ist Mitglied des Deutschen Wirtschaftsrates als Berater in Energie- und Energieeffizienzfragen sowie der Energy Academy des Handelsblatts.

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